Anfang August bekam ich während unseres Familienurlaubs die Gelegenheit für einen Tag ein weiteres Mal zu orbiten. Diesmal befuhr ich den orbit360 Mecklenburg-Vorpommern und damit die schönste Insel Deutschlands… Rügen!

Daten:
246,73 km   21,2 km/h   11:38:43 h   61,2 km/h  1.355 hm

Orte:
Bakenberg – Kap Arkona – Glowe – Königstuhl – Sassnitz – Prora – Binz – Selin – Göhren – Alt Reddevitz – Babe – Lauterbach – Groß Schoritz – Altefähr – Gingst – Schaprode – Wittower Fähre – Wiek – Dranske – Bakenberg

Die Distanz von ca. 245 km mit einer Gesamthöhenmeterzahl von knapp über 1000 sahen doch recht friedlich aus. Auch der Asphaltanteil sollte laut Komoot recht hoch ausfallen. Prima, das klingt nach keinem übermäßigen Stress, wenn dann nicht doch irgendwo der Teufel im Detail steckt.

Ich stellte den Wecker auf 4:30 Uhr, sodass ich 5 Uhr starten konnte. Mein Startort lag auf einem Campingplatz in der Nähe von Dranske direkt an der Nordküste Rügens. Es war noch nicht sonderlich hell, aber man konnte bereits ohne Lampen fahren. Der Trail an der Nordküste entlang ist der absolute Hammer. Man kann auf dem etwas breiteren Weg fahren oder zirkelt da zwischen den Bäumen durch auf einem wunderschönen kleinen Pfad, mit vielen Kurven und Wurzeln.

Kurz vor dem Erreichen des Kap Arkonas ging die Sonne im Meer aus. Ich hielt inne und genoss den Ausblick und machte ein paar Fotos. Nachdem der volle Sonnendurchmesser draußen war, ging es weiter. Am Kap Arkona war ich völlig allein – das ist schon fast ein komisches Gefühl. Dann ging es weiter im am Küstenrand entlang Richtung Juliusruh. Einsam steuerte ich mein Rad durch die Stille…

Ab Juliusruh wechselt man dann untergrundtechnisch auf Asphalt. Der Radweg war nur Aufgrund der Baumwurzeln nicht mehr plan, sondern es war ein lustiger Zick-Zack-Kurs notwendig, bzw. man musste schon ordentlich die Arm- und Beindämpfer benutzen. So flog ich durch die Stille und wurde von den wenigen Joggern nicht gegrüßt – häh? Was sind denn das für Manieren?

Hinter Glowe geht es dann mal etwas in die Berge. Der Weg zieht nicht sonderlich anstrengend bergan und schon bald geht es wieder hinab an die Küste nach Lohme. Hier beginnt der Weg durch den Nationalpark Jasmund.  Geht schon etwas steiler da hoch, aber der Anblick der gewaltigen Bäume lenkt wunderbar ab. Oben angekommen, entschied ich mich noch zu einem Abstecher zum Königstuhl. Auch da war ich allein. So genoss ich den einsamen Ausblick auf die Kreidefelsen. Der orbit360 Mecklenburg-Vorpommern machte so richtig viel Spaß.

Die Abfahrt hinunter nach Sassnitz war dann leider nicht so der Brüller, da ich irgendwie einen Trail, eine Schotterpiste oder sonsterwas erwartete, aber einen asphaltierten Radweg bekam. Naja, vielleicht liegt das ja am Nationalpark und das man da nicht einfach so queren darf.

Geplant hatte ich eigentlich in Sassnitz ein kleines Frühstück einzunehmen. Aber die Schlangen am Bäcker waren doch arg zum Abgewöhnen und so radelte ich die Promenade entlang und verschob das Futter auf später. Sassnitz verlässt man auf einen etwas merkwürdigen Pfad und dann sieht man nur noch Betonröhren. Im Fährhafen liegen dort unzählige Rohre und warteten in der Ostsee versenkt zu werden… zumindest vermute ich, dass die Dinger für Nord Stream 2 verwendet werden.

Wenig später kommt man an den ellenlangen KdF-Bauten von Prora vorbei. Es ist schon beachtlich, wieviel da bereits durchsaniert ist. Auf dem Radweg bis nach Binz konnte ich tüchtig Fahrt aufnehmen. Dann siegte an der Tanke das Verlangen nach einem Kaffee. Die Bäcker waren nochimmer überlaufen und so pfiff ich mir im Schatten ein Brötchen rein. Bis hierher lief es echt super. Ich fühlte mich noch richtig fit und vergnügt.

Nach Binz erklimmt man den Granitzer Wald auf holprigen Waldweg. Die anderen Radfahrer fanden den Weg (glaub ich) echt Mist – mir gefiel er hingegen echt gut. Und so ballert man da in einem ständigen Auf und Ab an den Touristen vorbei hinüber nach Göhren. Der orbit360  Mecklenburg-Vorpommern soll ja auch ein bisschen fordern und kein Kaffeekränzchen sein 🙂

Hinüber nach Baabe ging es auf einem zauberhaften Trail mit Blick auf die Ostsee. Der anschließende Slalom an der Promenade entlang, war geringfügig nervig. Der südliche Kringel zurück nach Baabe ist ganz hübsch und verläuft teilweise auf den Deichen entlang des Meers. In Baabe hatte ich vom rasenden Roland nur die Pfeife gehört, zu sehen war er leider nicht.

Nun fuhr ich an der Südküste wunderbar dahin. Die Temperaturen hatten merklich zugelegt, aber immer wieder verschwand man im schattigen Wald. Und so „gravelte“ ich fröhlich vor mich hin, bis ich Lauterbach erreichte. Die Getränkeflaschen wurden aufgefüllt und eine Cola brachte etwas Zucker in den Leib. Im Folgenden wurde der Untergrund ungemütlicher. Zahlreiche Platten- und Sandwege mussten nun gegen den Wind beackert werden. Das war dann schon deutlich mehr Arbeit als das Radwegradeln an der Ostküste entlang.

Zur Belohnung konnte ich die zahlreichen Vögel in dem Gebiet rund um den Puddeminer Wiek sowie den Mellnitz-Üselitzer Wiek bewundern. So langsam rückte auch die Silhouette von Warnemünde ins Bild. Am Gasthof Grahlerfähre wurden nochmals alle Trinkflaschen vollgemacht, denn die Sonne knallte nun gewaltig auf den Helm.

Im Anschluss radelt man direkt an der Westküste entlang gen Norden. Hinter Landow fragt man sich, warum man noch unbedingt den westlichen Kringel fahren muss, aber so ist das halt. Der Weg war teilweise recht fürchterlich, teilweise aber auch wieder idyllisch. Freud und Leid liegen beim orbit360 Mecklenburg-Vorpommern recht nah beieinander. In Gingst genoss ich bei einem Stück leckeren Kuchen nochmals einen Kaffee, um dann Richtung Finale aufzubrechen.

Das Finale begann mal wieder mit einem recht holperigen Weg, welcher sich aber in Granskevitz in einen Hochgeschwindigkeitsradweg verwandelte. In Zeitfahrermanier zog es mich bis nach Schaprode. Bis zur Wittower Fähre fuhr ich dann wieder einmal einen ganz einsamen Küstenweg, welcher Aufgrund der tief stehenden Abendsonne herrlich glitzerte. Die Fähre erreichte ich pünktlich, sodass ich keine Wartezeit „verlor“. Nur der dämliche Reißverschluss der Lenkertasche klemmte, sodass ich nicht an das Portemonaise rankam. Der freundliche Mann an der Kasse, erkannte dass ich nicht simulierte und verzweifelt da rumwürgte, und ließ mich einfach so durch. Danke, lieber Unbekannter! Nach der Fähre geht es weiter immer entlang des Wieker Boddens hinauf nach Wiek und weiter nach Dranske. Es folgte das letzte Stück Küstenweg hinüber zur Kreptitzer Heide und dann wer er geschafft, der orbit360 Mecklenburg-Vorpommern. Eine wahrhaft traumhafte Runde, rund um diese tolle Insel Rügel.


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