Vorwort

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Daher fuhren wir auf einer dreitägigen und anspruchsvollen Rundtour mit dem Gravelbike durchs Erzgebirge, wobei der Start- und Zielpunkt im schönen Elbflorenz Dresden liegt. Seit Sommer 2019 ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří nun offiziell ein UNESCO-Welterbe. Und das Erzgebirge ist wirklich eine echte Perle in Deutschland… was diese Tour bestätigte.

Länge: 423,01 km
Höhe: 7.226 hm
Etappen: 3

Etappe 1 & Tour des Monats 06/20: von Dresden auf den Fichtelberg

Daten:
176,55 km   9:54:03 h   17,8 km/h   70,2 km/h   3.348 hm

Orte:
Dresden – Talsperre Malter – Geising – Rehefeld – Fischerbaude – Talsperre Rauschenbach – Seiffen – Olbernhau – Schwarzwassertal – Jöhstadt – Talsperre Cranzahl – Fichtelberg

Übernachtung: Hotel Fichtelberghaus

Unsere Tour durchs Erzgebirge starteten wir mit ordentlich bepackten Gravelbikes am frühen Morgen in schönen Dresden. Heute erwartete uns eine sehr anspruchsvolle Etappe, welche uns zum höchsten Berg der DDR führen sollte. Jaja, jetzt erkennt der geneigte Leser an solchen ollen Floskeln mein Alter, aber so haben wir es nunmal in der Kindheit gelernt 😉

Also los – erstmal beim Bäcker in Freital ordentlich mit Proviant versorgen und dann hinein in den wunderschönen und idyllischen Rabenauer Grund. Eine sagenhafte Stille und Ruhe erwartete uns hier. Die Weißeritztalbahn war auch noch nicht unterwegs und so ließen wir es gemütlich angehen. Wir ließen die Talsperre Malter links liegen, genossen dabei aber den weiten Blick über den See. Hinter Dippoldiswalde konnten wir bereits prima unser nächstes Zwischenziel erspähen … den Geising. Aber bis dahin mussten noch ein paar kleinere Anstiege erklommen werden.

Am Geising waren wir final im Erzgebirge nun angekommen. Und hier fanden wir eine herrliche unter Naturschutz stehende Wiese vor. Zahlreiche Pflanzen, wie … standen da in voller Pracht. Wir genossen den Ausblick beim Verzehr unserer Backwaren beim zweiten Frühstück. Nur die Feuerlilie, welche zu der Zeit eigentlich hier irgendwo gedeihen sollte, fanden wir nicht. Von einer Wanderin bekamen wir den Tipp es bei den Galgenteichen in Altenberg zu versuchen. Also packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren genau dahin. Wir kringelten und suchten und schauten und fanden aber leider nichts. Tja, das war dann wohl Pech.

Nun mussten wir einige Kilometer auf der Straße auf frischem Asphalt bis nach Rehefeld abspulen, erreichten so aber sehr schnell die Grenze nach Tschechien und folgten nun dem Weg immer am Grenzbach entlang. Dieser Grenzweg basiert auf einer alten Bahntrasse und kann wunderbar befahren werden. Wir passierten den Skibahnhof, einem zum Hotel umgebauten Bahnhof, und erreichten dann Holzhau. Der Anstieg hinauf zur Fischerbaude war schon ordentlich steil. Hier hatte im Jahr 2016 Robert Petzold seinen Höhenmeterweltrekord eingefahren. Auf 154 Auffahrten absolvierte er beeindruckende 456 km und 22.622,6 Höhenmeter… eine wahrhaft unmenschliche Leistung!

Nun, wir sind den Anstieg nur einmal hinauf. Und zur Belohnung gönnten wir uns in der oberen Fischerbaude nochmal einen Kaffee und ’nen Kuchen. Dann mussten wir den Ringelwald durchqueren. Der Ringelweg ist echt putzig, denn er geht über eine Länge von ca. drei Kilometer schlicht und einfach nur geradeaus durch den Wald… das hat man echt selten. Die Talsperre Rauschenbach erlaubte uns Bilderbuchaufnahmen mit Schönwetterwolken, blauem Wasser und ohne Autos zu machen. In Neuhausen besichtigten wir das Schloss Purschenstein (von außen) und in Seiffen die hübsche kleine achteckige Bergkirche. Diese bildet eines der Wahrzeichen des Ortes und findet sich auf zahlreichen Werken der im Ort ansässigen Handwerksbetriebe. Die vielen Pyramiden, Sterne und Räuchermännchen kommen einem im Hochsommer völlig deplatziert vor. Aber wer jetzt was für die Advents- oder Weihnachtszeit kaufen möchte, der muss sich wenigsten nicht mit den schieren Massen, die sonst hier im Winter rumstiefeln, rumschlagen.

In Olbernhau füllten wir mal wieder die Backwarenvorräte auf und besichtigten die Saigerhütte. Dann ging es auf einer niedlichen kleinen Straße durch ein Tal Richtung Rübenau. Hier konnte ich mich dran erinnern, dass ich auf der anderen Seite des Baches, auf der böhmischen Seite, mit dem Mountainbike bereits einmal langgefahren war (ebenfalls von Dresden kommend). Also wechselten wir flott mal das Ufer, damit die Gravelbikes auch etwas Gravel im Erzgebirge zu sehen bekommen und nicht nur Road (toll, diese englischen Begriffe). Nach Zöblitz mussten wir dann aber leider doch wieder auf die Straße ausweichen. Zum Trost gönnten wir uns ein Monstersofteis 🙂

Nun kam das Highlight des Tages, das Schwarzwassertal. Ich möchte mich ungern wiederholen, aber es ist einfach wunderschön. Ruhig kommt einem die schwarze Pokau entgegengeflossen. Die großen Felsen, wie die Ringmauer, der Nonnenfelsen oder die Teufelsmauer thronen um den kleinen Radler und verzaubern ihn umgehend. Hier ist definitiv einer der schönsten Orte Sachsens. Am Ende des Weges erreicht man eine Moorähnliche Landschaft … vlt. ist es ja auch eins. Durch die Weite verändert sich die Landschaft deutlich. Insgesamt haben wir für dieses Tal gefühlt ewig gebraucht und hunderte Fotos geschossen. Aber das musste einfach sein.

Langsam näherten wir uns nun unserem heutigen Tagesziel. Nur mussten wir auf die Zeit achten, denn um acht Uhr war Küchenschluss. Das hieß, ab jetzt muss weniger gebummelt werden. Es folgte einiges Auf und Ab, mal auf Straße, mal im Gelände. Nachhaltig hat sich der steile Anstieg in Jöhstadt eingeprägt – das war schon mal ’ne Hausnummer, da hoch. Kurz berührten wir noch die Talsperre Cranzahl und dann ging es ab Neudorf in den finalen Anstieg Richtung Fichtelberg. Bis zum Reitsteig war alles recht gut fahrbar, wobei die Kraft dann doch langsam ausging. Der Reitsteig war dann mit meiner Übersetzung und den leeren Muskeln nicht mehr fahrend schaffbar. Und so schob ich die paar Meter noch hinauf.

Endlich hatten wir den Fichtelberg erreicht. Es war 19:45 Uhr und so bekamen wir auch noch warmes Essen. Wir genossen das Bier und konnten endlich die müden Beine ausstrecken. Der Sonnenuntergang war dann nochmal ganz großes Kino und dann schnappten wir uns ein Bier und verzogen uns aufs schöne Zimmer.

Etappe 2: vom Fichtelberg zum Pöhlberg

Daten:
127,92 km   7:18:20 h   17,5 km/h   66,4 km/h   2.140 hm

Orte:
Fichtelberg – Breitenbrunn – Teufelsstein – Johanngeorgenstadt – Talsperre Carlsfeld – Passhöhe Hefekloß – Talsperre Eibenstock – Aue – Schwarzenberg – Pumpspeicherwerk Markersbach – Scheibenberg – Annaberg-Buchholz – Pöhlberg

Übernachtung: Berghotel Pöhlberg

Der Morgen begann mit einem sagenhaften Frühstück. Covid-19 sei Dank, bekamen wir alles mundgerecht an den Tisch serviert und so stapelten sich schon bald die Teller auf unserem Tisch. Ich stopfte mir alles rein in den Bauch und es schmeckte einfach wunderbar. Wie eine gestopfte Pute quälte ich mich anschließend in meine Radklamotten. Zum Glück ging es anfänglich sehr lange einfach nur bergab. Auf dem etwas steileren Anstieg nach Breitenbrunn, war dann das Bäuchlein auch wieder mit Belastung einverstanden.

Hinter Erlabrunn mündeten wir auf eine kleine Straße, welche uns zum Teufelsstein brachte. Auch hier war die Landschaft beeindruckend und wir fotografierten ausschweifend. Ebenfalls nachhaltig beeindruckend war dann der Kontakt mit einer Bergkreuzotter, welche sich da mitten auf dem Weg vor uns räkelte.

Nach Johanngeorgenstadt ging es hinauf zum Gasthaus Henneberg, in dessen Garten wir gemütlich ein Käffchen schlürften und die Sonne uns auf den Bauch scheinen ließen. Der Aussichtspunkt des Hochmoors Kranichsee war sinnlos, nur der kleine Zuweg war einigermaßen ansehnlich. Enttäuscht machten wir uns auf den weiteren Weg. Wir gravelten so vor uns hin und erreichten schließlich die Talsperre Carlsfeld. Das Ding war schön – nicht so, wie das olle Hochmoor. Etwas konnten wir am Ufer entlangfahren, dann hatten uns die Schotterpisten wieder.

Ein Höhepunkt war dann die Passhöhe Hefekloß. Diese auf 1788 halbe Meter hohe Höhe muss man schon mal befahren haben!

Quer durch den Wald ging es dann bis zur Talsperre Eibenstock. Eigentlich wollten wir hier am Rand uns etwas entlangtasten, aber der Weg war derart zugewuchert, dass wir kurzerhand rüber zur Mulde fuhren und da den langen, immer leicht abfallenden Muldetalradweg bis nach Aue nahmen. Der dabei zu befahrene Tunnel, man ist hier ja wieder einmal auf einer alten Bahnstrecke unterwegs, war schon ganz schön lang und frisch. Aue an sich, machte keinen einladenden Eindruck, daher drehten wir dieser Stadt schleunigst den Rücken und fuhren Richtung Schwarzwasser. Die Piste war recht geröllig, aber noch gut mit Gravelbikes zu fahren und so kamen wir schon bald nach Schwarzenberg im Erzgebirge.

Wir gönnten uns eine Wurst am Imbiss und besichtigten dann die Altstadt mit Rathaus, Schloss und Kirche. Das ist mal ein ganz anderes Kaliber als Aue… hier blieb man gerne. Das Wetter machte uns aber nachdenklich, denn die Wolken türmten sich gefährlich. Auch das Wetterradar sah nicht sehr rosig für uns aus. Aber was sollten wir schon machen, also folgten wir der großen Mittweida bis zum Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerks Markersbach und von da aus ging es über Wiesen und Feld hinüber zum Scheibenberg.

Wir besichtigten die Orgelpfeifen und die Skisprungschanze, dann ging es weiter hinauf zum Gipfel. Hier gönnten wir uns bei einem Radler einen Moment der Pause. Die Rundumaussicht war uns leider nicht vergönnt, da der Turm leider bereits geschlossen war. Also fuhren wir hinab nach Crottendorf und folgten hier der Tzschopau bis nach Annaberg-Buchholz. Auf dem letzten Anstieg des Tages, hinauf zum Scheibenberg, begleiteten uns Massen an Fliegen … boah, war das ätzend! Umso schöner war es, dass wir letzten Endes trocken unser Ziel erreicht hatten und den Rest des Abends draußen auf der Terrasse verbringen konnten. Kurz vor dem Weg aufs Zimmer besichtigten wir noch im Halbdunkeln die beeindruckenden Reste der alten Bobbahn und bestiegen den hauseigenen Turm.

Etappe 3: vom Pöhlberg nach Dresden

Daten:
118,54 km   6:08:38 h   19,3 km/h   51,4 km/h   1.738 hm

Orte:
Pöhlberg – Wolkenstein – Drei Brüder Höhe – Talsperre Neunzehnhain II & I – Rauenstein – Talsperre Saidenbach – Dörntal – Talsperre Lichtenberg – Friedersdorf – Colmnitz – Edle Krone – Tharandt – Freital – Dresden

Der Morgen begann mit einem gemütlichen Frühstück. Gegenüber dem Fichtelberghaus sah das selbige aber etwas blass aus. Aber man muss ja nicht jeden Tag so derart aus den Vollen schöpfen. Dann hieß es Räntzlein packen, noch hier und da am Ventil rumdrehen und dann so lange sich mit Stoneman-Gold-Fahrern zu bequatschen, bis es anfängt zu regnen. Na ganz tolle Wurst. Also schlüpften wir nach sage und schreibe 200 m trockener Fahrt in unsere Regenpelle rein. Entspannt rollten wir auf nasser Straße bis nach Wolkenstein, denn der Regen war so schnell wieder weg, wie er uns überrascht hatte. In Wolkenstein besichtigten wir zuerst das Zughotel, in dem wir ursprünglich erst übernachten wollten, und anschließend, nach kurzer Auffahrt, das Schloss. Von hier oben sieht das Ambiente des Zughotels aus, wie eine riesige Spielzeugeisenbahnplatte.

Ein längerer Anstieg brachte uns im Folgenden zur Drei Brüder Höhe. Natürlich bestiegen wir den doch beachtlich hohen Turm und genossen den wolkenverhangenen Ausblick. Ein paar Kilometer später erreichten wir eine Talsperre deren Name wie Musik klingt: „Talsperre Neunzehnhain II“. Wer bitte schön denkt sich solche Namen aus? Es war jedenfalls wunderbar da unten. Eine sagenhafte Stille und eine spiegelglatte Wasseroberfläche sorgten für Entspannungsatmosphäre. Aber wir wollten natürlich noch die Talsperre Neunzehnhain I besuchen und so ging es ein paar Kilometer durch den Wald bergab. Diese zweite Talsperre war einmal komplett von einem Zaun abgeschlossen. Und auch so, kam hier kein Flair rüber. Also weiter im Programm.

Hinter Rauenstein kam ein kurzer und echt knackiger Anstieg und schon bald standen wir an der nächsten Talsperre. Die Talsperre Saidenbach ist schon mal eine Nummer größer. Und so fuhren wir eine ganze Weile am Nordufer entlang und suchten nach einem hübschen Fleckchen Erde um eine kleine Pause zu machen. Während der Pause nahm der Regen massiv zu und entwickelte sich zu einem ordentlichen Gewitter. Zum Glück ging es nicht direkt über unsere Köpfe hinweg, sondern zog ganz knapp nördlich an uns vorbei. Aber schön war das nicht.

Nachdem der Starkregen durch war, stand alles komplett unter Wasser. Ab jetzt wurde das Material ordentlich malträtiert. Über Dörntal folgten wir einer Straße immer bergan. Der Regen nahm leider nicht ab, aber die Temperaturen waren sehr angenehm. Bis Dorfchemnitz ging es zackig bergab. Eine kurze Rampe führte uns nun zu einer Art Höhenweg. Hier oben ließ es sich herrlich cruisen und die Aussicht genießen. Kurze Abfahrt nach Mulda um dann gleich wieder eine kurze Rampe genießen zu können.

Nun standen wir (fast) am Ufer der Talsperre Lichtenberg. So richtig zu sehen bekamen wir sie nicht, da der Weg schlicht zu weit weg vom Ufer entlangläuft. In der Zwischenzeit quietschten und knarzten unsere Räder an einem Stück, dafür ließ der Regen nach. Wir entschieden uns gegen das ursprünglich geplante Gimmlitztal und verschoben dessen Besichtigung auf eine andere Radtour. Es zog uns jetzt nach Hause, denn zu spät wollten wir auch nicht daheim aufschlagen. Also setzten wir recht geraden Kurs auf Dresden. Es ging über Friedersdorf, Pretzschendorf und Colmnitz – immer auf der Straße. Es folgten Dorfhain, Edle Krone, Tharandt und Freital. Tja, und schon waren wir wieder daheim.

Das Fazit zu der Erzgebirgsrunde fällt durchweg positiv aus. Es gab wahnsinnig viel zu entdecken, zu genießen und zu radeln. Wir bekamen viele Wald- und Schotterpisten unter die Stollen der Gravelbikes, aber auch so mancher Asphaltkilometer war da im Erzgebirge dabei. Die Quartiere waren top und die Kraft hat sehr gut gereicht.


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