Vorwort

Die beiden Städte Görlitz und Dresden sind meine beiden Heimatstädte. Görlitz verstehe ich als meine alte Heimat, in der ich meine gesamte Kindheit und Jugend verlebte. Und in Dresden bin ich nun seit vielen Jahren verwurzelt. Unseren diesjährigen Himmelfahrtsurlaub wollten wir ursprünglich gleich um die Ecke im Böhmischen verbringen. Leider hat Covid-19 uns da einen dicken Strich durch die Planung gemacht. Und so blieben wir eben daheim und erkundeten unsere Umgebung dafür umso genüsslicher und fanden jede Menge Sahnetrails zwischen Dresden und Görlitz.

Länge: 405,14 km
Höhe: 7.769 hm
Etappen: 4

Etappe 1 & Tour des Monats 05/20: Dresdenumrundung

Daten:
163,57 km   11:13:35 h   14,6 km/h   52,8 km/h   3.209 hm

Orte:
Dresden – Meißen – Radebeul – Pirna – Dresden

Drei Mann, drei Räder und eine dicke Tour. Nach nun fast sieben Jahren wollte ich die Gelegenheit nutzen und wieder einmal in den Reifenspuren des Bikepoint wandeln. Deren Dresdenumrundung war ich bereits einmal gefahren und wollte sie nun gern nochmal unter die Stollen nehmen. Sepp und Stephan fanden die Idee ganz wunderbar und so trafen wir uns am frühen Morgen zum Beginn unseres Himmelfahrtsurlaubs direkt vor meiner Haustür ein.

Wir starteten im Dresdner Süden, nicht weit vom Hauptquartier des Bikepoints, in Richtung Süden. Bis Meißen fuhren wir die linkselbischen Täler alle mal ab. Es war wunderbar! Über das Kaitzbachtal verließen wir Dresden und es ging hinauf zum Windberg und weiter hinab nach Freital. Auf der alten Bahntrasse erreichten wir schon bald Kesselsdorf. Es folgte ein klein bisschen Zschonergrund, der Amselgrund, der Tännichtgrund, das Saubachtal, das Regenbachtal, der Eichhörnchengrund, der arg blockierte Schindergraben, der Erlichtgrund, der Elbleitenweg und zu guter Letzt die Abfahrt entlang des Bockwener Bachs. Dabei befuhren wir viele handtuchbreite Sahnetrails und machten uns dabei schon mächtig kaputt. Denn so richtig einbremsen konnten wir uns nicht und so war das Tempo da mitunter nicht ohne.

Im idyllischen Meißen stürmten wir einen Bäcker, verpassten nur knapp eine Bäckerwurst und stopften uns daher eben mit süßem Futter das Bäuchlein voll. Die Beinchen fanden das gar nicht mal so schlecht, denn es standen ja vorerst lediglich 60 km auf dem Tacho. Anschließend wechselten wir gemütlich die Elbseite und hatten dabei diesen wunderbaren Blick hinüber zum Dom. Auf die Bosel mussten wir dann mal aber wieder ordentlich dampfen, denn der Anstieg hat es mal so richtig in sich. Umso schöner ist dann von da oben der weite Blick ins herrliche Elbtal.

Über den Elberadweg folgten nun ein paar Überbrückungskilometer bis nach Radebeul. So ganz kamen wir mit den motorisierten Verkehrsteilnehmern hier nicht klar. Im Wald sind wir einfach besser und sicherer aufgehoben. Wir flanierten durch die Parkanlagen vom Schloss Wackerbarth um dann beim Rieselgrund mal wieder einen steilen Elbhang zu erklimmen. Ab Ende standen wir oben am Bismarckdenkmal und dem Spitzhaus und genossen mal wieder den Blick über Dresden und die Elbe. Es ist schon lustig, wenn man so unglaublich viel fährt und doch immer den Fernseh- oder den Rathausturm sehen kann. Immerhin hatten wir nun ziemlich genau Halbzeit.

Die nächsten Kilometer durch die junge Heide waren verziert mit einem irren Haufen von Gingster… gelb, gelb, gelb! Die sandigen Trails unterschieden sich massiv zu den bisherigen Wegen. Und auch in der Dresdner Heide änderte sich das erwartungsgemäß nicht. Am historischen Fischhaus legten wir ein Mittagspäuschen ein und genossen es, einen Moment die Füße hochzulegen. Das kühle Radler schmeckte dabei wunderbar.

Aller Pause hat nun mal ein Ende und so hieß es aufsatteln und weiter ging es. Es ging am Wolfshügel vorbei und dann endete bereits die Dresdner Heide. Und schon bald erreichten wir die rechtselbischen Trails, welche wir in diesem Jahr ja bereits schon einmal unter den Stollen hatten. Nur diesmal war es deutlich trockener 🙂 Also ab durch den Wachwitzer Höhenpark, zum Wachwitzgrund, weiter zum Helfenberger Grund, den Friedrichsgrund hinauf bis zum Ende auf dem Borsberg. Ein paar Jagdwege hier und da, wurden wir abschließend in Pirna ausgespuckt.

Kaffee und lecker Eis, eine wunderschöne historische Altstadt und eine wunderbare Abendsonne gefielen uns echt gut. Wir verließen die Stadt über den Barockgarten Großsedlitz und querten anschließend die großen Apfelplantagen bis hinüber zum Lockwitzgrund. Ein wunderschöner Trail ließ uns einmal mehr ein breites Grinsen aufsetzen. Den Tourabschluss bildete die lange, aber wunderschöne Auffahrt durch den Gebergrund und das Ausrollen über die alte Windbergtrasse. Das Grand Final war das Abschlussbier im Vorgarten.

Ja, so muss eine Dresdenumrundung sein!

Etappe 2: Himmelfahrt mit Dresdner Sahnetrails

Daten:
52,49 km   3:40:09 h   14,3 km/h   49,5 km/h   1.144 hm

Orte:
Dresden – Poisenwald – Lerchenberg – Rabenauer Grund – Tharandter Wald – Windberg – Dresden

Es ist Himmelfahrt, tolles Wetter und es stehen zwei Bikes auf dem Hof, welche unbedingt bewegt werden wollen. Aber bevor es ans biken ging, wurde erstmal ausgiebig gefrühstückt und getrödelt. Den heutigen Tag wollten wir eher gemütlich angehen, neue Kräfte tanken und ein paar hübsche Trails rocken.

Also raus aus dem beschaulichen Dresden und rauf auf die Kaitzer Höhe. Hier stachen bereits die ersten trunkenen Männerhorden ins Auge… was ein Trauerspiel. Entlang des Nöthnitzbachs ging es über den Eutschützer Grund hinauf zur goldenen Höhe. Hinter dem Poisenwald ging es hinauf zum Lerchenberg. Hier wollten wir uns etwas zum Mittagessen kredenzen lassen, nur leider ging der Schuss gewaltig nach hinten los. Die Bedienung war von dem gewaltigen Ansturm an Ausflüglern hoffnungslos überfordert. Unsere Essenbestellung ging völlig verloren und so bestellten wir nach einer langen Wartezeit noch einmal das selbe. Sage und schreibe zwei Stunden hatten wir dann letzten Endes auf den Schmaus gewartet.

Nach diesem wenig rühmlichen Intermezzo wollten wir dann doch lieber wieder auf die Räder. Es folgte der Götzenbusch, die Talsperre Malter und der Rabenauer Grund. Erwartungsgemäß war hier die Hölle los. Stark torkelnde Männergruppen erfüllten den sonst so idyllischen Grund mit ihrer Präsens. Selbst ein Nackedei, welcher in der Weißeritz baden wollte, durfte nicht fehlen…

Zum Glück fanden wir mit dem Lübauer Gründl einen stark vernachlässigten, im Sinne von männerhordenfreie, aber wunderschönen Grund. Den Weg verloren wir hinten raus ein wenig, aber nach kurzer Querfeldein-Einlage, waren wir schon bald auf der alten Meißner Straße. Diese führte uns Richtung Tharandter Wald. Über den Breiten Grund erklommen wir dessen Höhen, nur um kurze Zeit später über den wunderbaren Weißwangeweg wieder hinab zu rauschen.

Da wir noch grillen wollten, entschlossen wir uns den Rückweg langsam anzutreten. Über den Leitenweg ging es hinüber nach Freital, darauf folgend hinauf auf den immer als Finale eingebauten Windberg. Dann legten wir ein paar freundliche Würstchen auf den Grill und ließen den Tag gemütlich beim Kartenspiel ausklingen.

Etappe 3: von Dresden nach Görlitz quer durch die Oberlausitz

Daten:
146,70 km   9:30:13 h   15,4 km/h   60,5 km/h   2.625 hm

Orte:
Dresden – Dresdner Heide – Großröhrsdorf – Valtenberg – Kälbersteine – Bieleboh – Kottmar – Schafberg – Rotstein – Spitzberg – Jauernick – Görlitz

Schon sehr oft war ich zwischen Dresden und Görlitz unterwegs gewesen. Aber immer wieder stößt man dabei auf neue Wege oder aber variiert wild die einzelnen Passagen.

Gestartet wurde, wie eigentlich fast immer, mit der Querung der Dresdner Heide. Erst ging es gemütlich entlang der Prießnitz entlang. Wo es sich anbot, da wurden die Trails genutzt. Der Prießnitzdurchbruch lag aufgrund der langen Trockenheit fast trocken… was ein Trauerspiel. Über das hübsche Steingründchen erreichten wir wenig später die Hofewiese.

In Klein- bzw. Großröhrsdorf versuchten wir einen Bäcker aufzutreiben, denn irgendwie war uns nach einer kleinen Kaffeepause zumute. Die Bäckerempfehlung eines Ureinwohners ging leider ins leere – geschlossen! Also dann richtig rein in die Stadt und beim netto fündig geworden. Nur gemütlich wars nicht wirklich. Nach einem gefühlten Zuckerschock kreuzten wir die Massenei, überquerten den Rüdenberg und machten uns an den langen Anstieg des Valtenbergs.

In Steinigtwolmsdorf begrüßten uns die ersten Umgebindehäuser. Alles war gleich viel lieblicher und schöner… hach, ich mag die Oberlausitz echt doll! Wir folgten nun dem Grenz- und Panoramaweg bis nach Schirgiswalde. Am Ufer der Spree pausierten wir kurz, um uns dann voll dem brutalen Anstieg zu den Kälbersteinen zu widmen. Das Ding ist seit jeher der Hammer. Nun folgt man schönen Wegen entlang des Kamms bis hinüber zum Bieleboh.

Hier hat die Natur in den letzten Jahren arg gelitten. Eine riesige Schneise musste hier geräumt werden und es stehen noch Unmengen an toten Bäumen da oben rum. Es ist ein Jammer, was da in den wenigen Jahren aus unseren Wäldern geworden ist. Trauriger Vorteil ist nun aber, dass man von der Terrasse der Bergbaude nun einen erstklassigen Blick ins Zittauer Gebirge und das Isergebirge hat. Der Jeschken ist dabei Aufgrund seiner markanten Form und dem Turm wunderbar zu erkennen. Wir genossen hier nochmals einen Kaffee, nebst allerhand Köstlichkeiten.

Die folgenden Wege bis zur Spreequelle brachten wir fix hinter uns und von da war es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Kottmar. Vom Kottmar zog unser Weg hinüber Richtung Löbauer Berg. Wir entschieden uns aber an der oberen Gabelung für den rechten Abzweig und überfuhren daher nicht den Löbauer sondern den Schafberg. Auf der folgenden rasanten Abfahrt fuhr sich der Sepp einen mächtigen Durchschlag ein, sodass das Flickzeug gezückt werden musste. Clevererweise war nämlich der Ersatzschlauch ebenfalls in einem desolaten Zustand. All die gesammelte alpine Erfahrung reichte aber nicht aus, um den Schlauch komplett dicht zu bekommen. Und so brauchte ich auf den letzten Kilometern bis Görlitz die Pumpe nie weit weg räumen, denn sie wurde gefühlt sechsmal noch eingesetzt.

Die nächsten Wegpunkte nennen sich Rotstein, Spitzberg und Nonnenwald. Den Schwarzberggipfel umfuhren wir nur knapp, um aber wenigstens den Kreuzberg noch mitzunehmen. Aufgrund der ständigen Pausen zum Auffüllen der Luft im angeschlagenen Reifen, holte uns letztlich der Regen, welcher da sich drohend von Süden genähert hatte, doch ein. Und so vielen die letzten 5 km dann doch noch ins Wasser… zum Glück aber verhältnismäßig wenig Wasser. Aufgrund der Mischung aus Regen und Luftverlust entschieden wir uns, den finalen Aufstieg auf die Landeskrone zu streichen. Schade, aber es gibt schlimmeres, denn die ganze Tour war wieder einmal echt lecker.

Etappe 4: die Steinbruchtrails der Königshainer Berge

Daten:
42,38 km   2:55:44 h   14,5 km/h   47,4 km/h   791 hm

Orte:
Görlitz – Schöpstal – Königshainer Berge – Hochstein – Liebstein – Schöpstal – Görlitz

Ursprüngliches Ziel dieses Tages sollte eigentlich das Zittauer Gebirge sein. Aufgrund des miesen Wetters entschieden wir uns aber dagegen. Außerdem konnten wir uns so zusätzliches Gefahre ersparen. Über ein paar Rad- und Feldwege verließen wir das schöne Görlitz Richtung Nordwesten und fanden uns schon bald in Ebersbach im beschaulichen Schöpstal wieder. Auf dem Kapellenberg verzeichneten wir den ersten Anstieg des Tages. Von da führte uns eine lustige Rille wieder hinab ins Schöpstal.

Dann flux hinauf auf den Geiersberg und wieder runter ins Schöpstal. Jetzt mussten wir gewaltig aufpassen, sonst wären wir am Ende noch auf der Autobahn gelandet. So ein Quatsch, wir ließen den alten Lärmsack rechts liegen und fuhren lieber nach Amerika. Denn Amerika ist trotz der unglaublich rutschigen Wurzelpassagen ganz wunderbar!

Auf dem Schoorstein konnten wir den Ausblick auf den ruhig da vor sich hin schlummernden Steinbruch genießen. Auf den nächsten Metern begleiteten uns auch hier unzählige kahl geschlagene Waldflächen. Auch hier ist der Wald arg geschädigt oder schlicht tot. Was ein Grauen. Bei meinem letzten Besuch hatte ich hier gar die Orientierung verloren, so sehr hat sich das Aussehen verändert.

Die Auffahrt zum Hochstein über den Teufelsstein ging flott von der Hand und auf der anderen Seite drehten wir ein paar Kringel um die Steinbrüche Nirwana, Königsbruch, Bruch I und II, den Thadenbruch sowie den Hamannbruch. Alles Ausflugsziele per excellence! Auch als Wanderer kommt man hier voll auf seine Kosten. Über den Rubelbruch erreichten wir dann den letzten Steinbruch des Tages, den Gutsbruch. Und da unsere Beinchen von den letzten Tagen doch arg strapaziert waren, traten wir langsam den Rückweg an.

Es waren vier wunderbare in der alten und neuen Heimat gewesen. Unzählige handtuchbreite Trails, arg steile Anstiege und erlebnisreiche Wegführungen versüßten uns die Tage. Hier lebt man doch gerne 🙂


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