Im Internet fand ich eine Radtour quer durch die Oberlausitz: die sogenannte OL100 – was für 100 Prozent Oberlausitz steht. Dabei werden zahlreiche Highlights angefahren. Allerding war es ungewiss, wie der Untergrund der hier vorgestellten Tour am Ende ausfallen wird. Wird es viele Waldwege geben? Oder doch eher Schotterwege? Oder haben wir am Ende Pech und fast alles ist asphaltiert. Soviel vorweg, es wurden bei dieser Gravelbike-Tour durch die Oberlausitz ordentlich viele Kilometer im Gelände gefahren.

Länge: 617,24 km
Höhe: 3.328 hm
Etappen: 3

Mit diesem Bericht hält eine neue Gattung von Rad Einzug auf dieser Seite. Bisher wurden ja alle Touren ausschließlich auf dem Mountainbike absolviert – egal ob nun mit den alten Konas, dem Rotor oder dem Lapierre. Im letzten Jahr kaufte ich mir aus reiner Neugier ein Gravelbike – ein Scott Speedster Gravel. Es hat sich auf sehr vielen Tagestouren, die einen kurz, die anderen besonders lang, wunderbar geschlagen und es macht echt Spaß damit auch durchs Gelände zu fahren. Nun sollte sich zeigen, ob man damit auch vernünftig reisen kann.

Etappe 1: von Radeberg nach Bad Muskau

Daten:
246,79 km   23,6 km/h   10:22:55 h   47,2 km/h   783 hm

Orte:
Radeberg – Königsbrück – Kamenz – Kloster Marienstern – Senftenberg – schwarze Pumpe – Bad Muskau

Übernachtung:
Hotel Am Schloßbrunnen >> booking.com*

Es war Anfang April, wir waren zu zweit und wir machten uns früh zeitig im Dunkeln auf die Socken. Gestartet wurde, nach kurzer Anreise mit der Bahn, in Radeberg. Nur wenige Kilometer nach dem Start musste dann aber erstmal etwas Grundfutter in den Bauch und ein Morgenkaffee war auch zwingend notwendig. Folglich gab es einen kurzen Bäckerstopp in Königsbrück. Die Königsbrücker Heide umrundeten wir nahezu und berührten im Norden kurzzeitig brandenburgisches Revier. Auf herrlichen Forstpisten flogen wir vor uns hin und genossen die frische Luft.

Nach knapp 80 km erreichten wir Kamenz – eine von vier auf der Tour besuchten Städte des Sechstädtebundes. Hier stärkten wir uns etwas auf dem Markt und genossen den Ausblick auf das wunderschöne Rathaus. Beim Verlassen des Städtchens überraschten wir einen prächtigen Hirsch nebst Weibchen – waren schon recht imposant die Beiden. Auf kleinen Straßen ging es zum wunderschönen Kloster Marienstern und von da aus weiter in Richtung Norden. Unzählige Straßen, Feldwege, Pfade, Seen und Wälder folgten.

In Wittichenau plünderten wir nochmals einen Bäcker, um dann all die Köstlichkeiten an einem stillen und idyllischen See zu verspachteln 🙂 Weiter ging es zum Senftenberger See. Hier bestiegen wir den Aussichtsturm, welcher immer wieder ein fantastisches Panorama liefert. Eigentlich wollten wir uns dann, nach ca. 170 km ein Mittagessen am See gönnen, aber wir fanden nichts Gescheites. Es gab zwar den ein oder anderen Imbiss, aber auf so eine olle alte Bratwurst hatten wir wenig Appetit. Hach, dann eben mal McDonalds … es gibt schlimmeres.

Es folgten auf den nächsten 30 bis 40 Kilometer viele kleine und große Seen. Es war einfach herrlich. Dann mussten wir aber langsam Druck auf die Pedale bringen, denn es wurde langsam dämmerig (das ist halt der Nachteil im zeitigen Frühjahr). Den wunderschönen Rhododendronpark in Kromlau mit der weitbekannten Brücke war dann bereits schwer erkennbar. Und am Fürst-Pückler-Schloss in Bad Muskau war bei unserer Ankunft bereits das Licht angeknipst. Pünktlich um 20 Uhr checkten wir dann in unserem Hotel ein. Die erste Etappe dieser Gravelbike-Tour durch die Oberlausitz war einfach nur klasse gewesen.

Wachstumsstörung
Wachstumsstörung?
die Oberlausitz erwacht aus ihrem Winterschlaf und die Gravelbikes warten auf die weitere Tour
die Oberlausitz erwacht aus ihrem Winterschlaf

Etappe 2: von Bad Muskau nach Zittau

Daten:
238,19 km   21,5 km/h   11:05:18 h   48,6 km/h   1321 hm

Orte:
Bad Muskau – Rietschen – Bautzen – Löbau – Görlitz – Zittau

Übernachtung:
Dresdner Hof >> booking.com*

Oh wie war ich gespannt was Popo und Beine am nächsten Tag zu unserer ersten Etappe sagen würden. Aber siehe da – nichts war los, alles Roger! Also starteten wir erstmal in den verdammt frischen Morgen hinein. Knackige 2 Grad Celsius erforderten erst einmal ein paar Klamotten am Leib. Wir verließen auf dem Oder-Neiße-Radweg die Stadt und zogen gen Süden. Nach 30 km war mit dem Radweg Schluß und es ging westwärts, entlang eines riesigen Seengebiets bis nach Rietschen. Auf dieser Strecke konnte jeder sein Gravelbike ordentlich im Gelände abgehen lassen und die Tour ging nun wieder Richtung Kernland der Oberlausitz. Am Erlichthof kehrten wir zum Frühstück ein. Und auch da war es einfach eine Wohltat für die Seele – nette Menschen, herrliches Wetter, Ruhe und Idylle… was will man mehr? Na Kaffee und Brötchen natürlich!

Weiter ging es entlang von alten Tagebauresten, blauen Seen und Feldern und Wiesen. So recht kann man das im Nachgang gar nicht mehr zuordnen. Und letzten Endes würde ich mich auch nur wiederholen. Kurzum, irgendwann erreichten wir die große Talsperre von Bautzen und wenig später saßen wir in Bautzen auf dem Marktplatz beim Italiener am Tisch.

Hatten wir am Morgen tüchtig gefroren, so wurden wir mittlerweile tüchtig gebraten. Über einige Kringel und Schleifen ging es dann nach Löbau, der dritten nun besuchten Sechsstädtebundstadt. Kurzer Bäckerüberfall, dann weiter nach Görlitz. Hier konnte ich im Schweinsgalopp die wesentlichsten und markantesten Sehenswürdigkeiten vorstellen und dann aber huschig weiter – es wurde bereits Dunkel. Am Berzdorfer See bekamen wir als Abendprogramm einen wunderschönen Sonnenuntergang präsentiert.

Nun waren wir wieder auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs und folgten ihm bis nach Zittau. Ab Kloster Marienthal mussten wir die Lampen anschalten und dann flogen wir durchs Dunkel im Neißetal. Das hatte durchaus seinen Reiz! In Zittau checkten wir im Dresdner Hof ein und genossen das Abendessen. Erstaunlich war die noch immer gut laufenden Beine und der kaum meckernde Po. Das hatte ich mir nach 500 km ganz anders vorgestellt… manchmal ist es doch schön, wenn man enttäuscht wird 🙂

das Schloß in Bad Muskau am nordöstlichsten Punkt der Gravelbike-Tour durch die Oberlausitz
das Schloß in Bad Muskau
"gegravel" wurde viel auf dieser Oberlausitz-Tour
„gegravel“ wurde viel auf dieser Runde

Etappe 3: von Zittau nach Dresden

Daten:
132,26 km   21,9 km/h   6:02:00 h   69,1 km/h   1224 hm

Orte:
Zittau – Neukirch – Bischofswerda – Rammenau – Ohorn – Radeberg – Dresden

Der letzte Tag der Tour sollte mit nur knapp über 100 km der entspannendste werden. Also konnten wir heute Morgen erstmal gemütlich das Hotel-Frühstück genießen. Danach folgte noch ein kleiner Kringel durch Zittau, denn im Hellen sieht sich’s besser. Nach dem morgendlich ruhigen Olbersdorfer See, ging es durch unzählige Dörfer und Städtchen weiter quer durch die Oberlausitz. Die Ortschaften glänzten mit schicken Umgebindehäusern und kleinen Gassen. Das Oberland ist auch ordentlich hügelig, sodass auch an diesem Tage einige Höhenmeter zusammenkamen.

Am Stausee Sohland kehrten wir kurz auf einen Kaffee ein, um dann an dem Anstieg hinter Schirgiswalde Richtung Weifaer Höhe, ordentlich zu dampfen. Die Rampe war nicht von schlechten Eltern. Es folgte Neukirch, Bischofswerda und Rammenau – alles sehr niedlich. Auf einer altbekannten Strecke „gravelten“ wir nun fröhlich durch die Wälder. Kurzes Gemecker setzte beim Erreichen der Dresdner Heide ein – die Wegwahl war wohl doch sehr MTB-lastig und für ein Gravelbike doch recht unkomfortabel, zumindest verglichen mit den bisherigen Pisten während der Tour in der Oberlausitz. Die Stimmung besserte sich aber schnell bei der Bratwurst in der Dresdner Heidemühle. Die rasante Abfahrt durch den Prießnitzgrund bildete dann den Schlusspunkt der Tour.

Die gesamte Gravelbike-Tour durch die Oberlausitz (und damit die OL100) im Frühjahr in nur drei Tagen zu fahren hat Spaß gemacht, war aber sehr anspruchsvoll. Ich habe aber gestaunt, dass wir beide kaum Probleme mit den Beinen und den Hintern hatten. Alles hatte bestens geklappt. Einzig, die noch recht kurzen hellen Tagphasen nötigten uns manchmal Ballett zu machen, wo man doch noch gern eine Minute mehr Zeit hätte verbringen wollen. Aber vielleicht war das ja auch für die Kondition von Vorteil. So eine Tour mit Gravelbikes macht echt Spaß und durch die Verwendung der „Arschrakete“ und des kleinen Tagesrucksacks, war die körperliche Entlastung, gegenüber einer MTB-Mehrtagestour mit vollem Rucksack, deutlich spürbar. Ich denke, dass wird nicht die letzte Tour dieser Art gewesen sein.

Blick vom Olbersdorfer See zum Zittauer Gebirge
Blick vom Olbersdorfer See zum Zittauer Gebirge
im Oberland gibts so machnes zu entdecken
im Oberland gibt es so manches zu entdecken

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