Eigentlich wollte ich an diesen Tag im Juni eine Tagestour mit einem Freund drehen. Aber eine Dienstreise nach China scheint wohl besser anzukommen, als einen Tag auf dem Bock zu sitzen. Also welche Ziele habe ich da für eine Solotour noch in petto? Eigentlich jede Menge, aber wie wäre es mit einem Monsterritt direkt von Dresden in den Harz auf den Brocken?

Daten:
349,18 km   24,2 km/h   14:24:59 h   58,2 km/h  2166 hm

Orte:
Dresden – Meißen – Riesa – Torgau – Bad Düben – Bitterfeld – Wettin-Löbejün – Rothenburg – Alsleben – Aschersleben – Quedlinburg – Blankenburg – Schierke – Brocken – Schierke – Wernigerode

Übernachtung:
Hasseröder Hof >> booking.com*

Daher setzte ich mich an den Rechner und kalkulierte das Ganze einmal richtig scharf durch. Die resultierenden Kilometerangaben war in meinen Augen gigantisch, das Wetter aber ideal und der Juni bot ausreichend Sonnenstunden um den Angriff auf den Brocken zu wagen. Der Zeitplan wurde straff geplant und die Essenspausen mussten (tatsächlich minutiös) mit eingerechnet werden. Gegen anfängliche Bedenken der Regierung wurde mir dann doch die Freigabe für das Abenteuer erteilt.

Kurz nach 4 Uhr startete ich mein Projekt. Gemütlich ging es im Sonnenaufgang und im anfänglichen Morgennebel auf dem Elberadweg linkselbisch bis Torgau. Diese ersten 100 km hab ich möglichst ohne Kraftaufwand gemütlich abgespult. In Torgau gab es ein zweites Frühstück beim Bäcker meines Vertrauens. Dann ging es wirklich schnurgerade durch die Wälder. Auf schönen Forstpisten legte ich ein ordentliches Tempo vor. Es folgte ein nicht wirklich überzeugendes Stück des Mulderadwegs bis nach Bitterfeld. Hier ist es direkt am Goitzschesee echt wunderschön. Liebes Notizbuch, bitte erinnern: da muss ich doch echt mal mit der Familie hin.

Im folgenden kam ein ehern fades Stück Weg bis nach Rothenburg. Hier fädelte ich auf den Saaleradweg ein und es wurde merklich schöner. Alsfeld war schick, eine verspätete Mittagspause gab es aber erst in Aschersleben. Der Weg dazwischen verlief recht lang auf einer großen Straße. Da habe ich beim Planen wohl etwas getrieft. Das war definitiv nicht schön. Aschersleben und später Quedlinburg waren optisch der absolute Hammer. Die Temperaturen waren nun am oberen Ende des Wohlfühlbereichs angekommen und ich musste enorme Flüssigkeitsmengen in mich reinprügeln.

Ab Blankenburg ging es dann an den langen Endanstieg Richtung Brocken. Am Anfang lief es noch erstaunlich gut, zumindest in Anbetracht dessen, dass ich bereits 300 km in den Beinen hatte. Der Weg schlängelte sich da ein Tal herrlich empor. Ab Schierke fing es dann aber an echt weh zu tun. Und trotz moderater Steigung wurde es ein harter Kampf. Erschwerend kam hinzu, dass in Schierke viele Gasthäuser draußen den Grill angeschmissen hatten und viele Gäste da gemütlich flanierten – da wollte der Körper definitv lieber hin als noch auf diesen Brocken.

Auf dem Brocken angekommen, war ich dann stolz wie Bolle. Fror aber auch wie Hölle. Der Gewaltritt wurde mit dem einsetzenden Sonnenuntergang nochmal optisch grandios in Szene gesetzt. Aber es war nun bereits 20 Uhr durch und ich musste noch ein paar Kilometer Richtung Wernigerode schaffen.

Also schnell runter vom Brocken und ab in ein schönes Pensionszimmer, welches mir meine Frau ganz kurzfristig am Nachmittag organisiert hatte. Die Dusche tat verdammt gut und das GuteNacht-Spezi  war einfach wunderbar. Dann half nur noch schlafen.



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