Zahlreiche Buschwindröschen standen lieblich am Wegesrand.

Rucksack, Taschen & Bikepacking – das richtige Setup für Mountainbike- und Gravelbike-Touren

Die Frage nach dem richtigen Transportsystem ist eine der ersten, die man sich vor einer Mehrtagestour stellen muss. Rucksack oder Taschen am Rad? Oder eine Kombination aus beidem? Die Antwort hängt stark davon ab, welches Rad man fährt, wie lange die Tour dauert, wo man übernachten wird und auch, wie sich das Wetter zumindest grob entwickeln wird.

Auf meinen Mountainbike-Touren durch die Alpen war der Rucksack über zwei Jahrzehnte lang schon immer mein treuer Begleiter. Erst mit dem Gravelbike und der berühmten “Arschrakete” kamen die Taschen am Rad dazu – und mit ihnen ein ganz anderes Fahrgefühl. In diesem Beitrag stelle ich dir beide Ansätze vor, zeige dir mein aktuelles Setup und gebe dir Tipps, worauf du bei der Auswahl achten solltest.

Rucksack oder Bikepacking – wann macht was Sinn?

Bevor ich auf die einzelnen Produkte eingehe, lohnt sich ein kurzer Blick auf die grundsätzliche Entscheidung:

KriteriumRucksackTaschen am Rad
(Bikepacking)
FahrstabilitätSchwerpunkt höher, etwas instabiler am Rad, aber sehr gut handlebar, da nah am KörperSchwerpunkt tief, ruhigeres Fahrverhalten
Komfort auf langen TourenBelastet Rücken und Schultern, man schwitzt natürlich stärker, bei Kälte kann es hingegen angenehmer seinKein Gewicht am Körper, einfach toll 🙂
Zugriff unterwegsSchnell, alles griffbereitUmständlicher, meist erst absteigen und öffnen
GeländeIdeal für technische TrailsBesser auf Schotter und Straße
ErweiterungTrinkblase integrierbar, damit leichteres Trinken und vor allem Hände am LenkerDie Anzahl der Taschen kann an die Situation besser angepasst werden
GewichtsverteilungAlles an einem OrtVerteilung auf Sattel, Lenker, Rahmen
Typische EinsatzartMountainbike-Transalp oder -TourGravelbike-Tour, Bikepacking, lange Distanzen

Für mich hat sich Folgendes bewährt: Sobald ich technische Trails fahre und das Rad viel bewege – also meist mit dem Mountainbike – greife ich zum Rucksack. Auf langen Gravelbike-Etappen über Schotter und Asphalt fahre ich lieber mit Taschen am Rad. Wer mit einem E-Mountainbike unterwegs ist, profitiert durch die Motorunterstützung ohnehin davon, dass das Mehrgewicht weniger ins Gewicht fällt – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Mein Setup für Mehrtages-Mountainbike-Touren

Rucksack: Deuter Trans Alpine 30

Wenn ich an meine Alpenüberquerungen denke, dann gehört der Deuter Trans Alpine 30 genauso dazu wie das Mountainbike selbst 🙂 Ich nutze diesen Rucksack seit vielen Jahren und er begleitet mich zuverlässig auf jeder Transalp.

Warum genau dieser Rucksack?

Mit 30 Litern Volumen bietet er genau den Platz, den ich für eine Woche Alpenüberquerung mit Pensionsübernachtung brauche. Nicht mehr und nicht weniger. Wer in Hütten oder Hotels schläft, braucht keine größeren Kolosse – aber mit 20 Litern wird es bei einer Woche eng, vor allem wenn Regenjacke, Werkzeug und Abendkleidung mit müssen.

Die Rückenbelüftung funktioniert auch bei hochsommerlichen Temperaturen im Süden noch akzeptabel. Perfekt ist sie nicht – ein nasser Rücken gehört bei einer Transalp im Juli einfach dazu. Aber im Vergleich zu Rucksäcken ohne Belüftungssystem ist der Unterschied spürbar.

Kleine Details wie die seitlichen Kompressionsriemen, die Regenhülle im Bodenfach und die Trinksystem-Vorbereitung sind mir wichtig. Auch Dinge wie Schlüsselschlaufe, Fach mit Reißverschluss und die kleinen Seitentaschen sind für mich praktisch und zeigen, dass Deuter schon seit langem Outdoor-Equipment produziert. Das Beste ist, auch nach vielen Jahren zeigt er nur wenige Alterungserscheinungen auf.

Was mir weniger gefällt:

Nunja, die Helmhalterung habe ich noch nie bewusst genutzt. Die Regenhülle ist mittlerweile ausgeleiert. Und die mittige Sicherung, damit die Hülle nicht wegfliegt, ist nicht ausreichend. Die Hülle flattert dann leider, gerade bei starkem Wind, arg herum. Möglicherweise wurde hier zwischenzeitlich das Design angepasst.

Fazit: Ich spreche eine klare Kaufempfehlung aus.

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Wasserdichte Innensäcke: Tatonka

Rucksäcke sind nicht wasserdicht – auch nicht mit Regenhülle. Wer schon mal fünf Stunden bei Dauerregen über einen Alpenpass gefahren ist, weiß das. Deshalb packe ich meine Kleidung und Elektronik grundsätzlich in wasserdichte Innensäcke.

Ich nutze seit Jahren zwei Innensäcke von Tatonka in unterschiedlichen Größen. Sie sind leicht, robust und verschließen zuverlässig. Einer bekommt die Kleidung, der andere die Elektronik und alles, was auf keinen Fall nass werden darf.

Ein einfacher Tipp: Auch wenn die Wettervorhersage Sonne verspricht – die Innensäcke kommen immer mit. In den Bergen kann sich das Wetter innerhalb einer Stunde komplett drehen. Und zur Not betrachtet man die Säcke als Packhilfe und Ordnungssystem.

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Mein Setup für Mountainbike-Tagestouren

Rucksack: Deuter Compact EXP

Für Tagestouren, sei es im heimischen Mittelgebirge oder als Einzeletappe im Urlaub, ist der große Deuter Trans Alpine 30 überdimensioniert. Hier greife ich zum Deuter Compact EXP mit deutlich weniger Volumen.

Er bietet genug Platz für Werkzeug, Regenjacke, Riegel, eine Trinkblase und das Nötigste. Mehr braucht man auf einer Tagestour nicht. Der Rucksack sitzt enger am Körper und wackelt auch auf technischen Trails kaum. Für alles bis etwa sechs Stunden im Sattel ist er meine erste Wahl.

Manchmal fahre ich (dann aber bei Mehrtagestouren) auch die Kombi Ortlieb Seat-Pack am Rad und Deuter Compact EXP auf dem Rücken. Wie oben schon geschrieben, das hängt dann stark von den Gegebenheiten ab.

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Mein Setup für Gravelbike-Touren

Ortlieb Seat-Pack 16,5 L

Der Wechsel aufs Gravelbike hat bei mir auch einen Wechsel im Transportsystem ausgelöst. Am Rennlenker möchte ich möglichst keinen Rucksack tragen – nach acht Stunden im Sattel macht sich jedes Gramm am Rücken doppelt bemerkbar.

Die Ortlieb Seat-Pack 16,5 l war mein Einstieg ins Bikepacking und ist seitdem bei jeder Gravelbike-Tour dabei. Sie wird unter dem Sattel befestigt und fasst je nach Packweise und Größe zwischen 8 und 16,5 Litern. Für eine Mehrtagestour mit Pensionsübernachtung reicht das im Sommer meist aus.

Die Befestigung ist stabil, auch auf Schotterpisten wackelt die Tasche kaum. Viele Details, wie das Luftventil, die Zurrgurte, das oben liegende Gummiband und die Verschlüsse sind sehr gut gelöst. Einziger Nachteil: Das Beladen erfordert etwas System. Man muss von hinten einrollen und kann nicht mal eben schnell etwas rausholen. Alles was man tagsüber braucht, gehört also in die Trikottasche oder eine zusätzliche Oberrohr- oder Lenkertasche.

Was mich an der Ortlieb-Lösung überzeugt: Die Wasserdichtigkeit ist keine Marketing-Aussage, sondern funktioniert tatsächlich. Selbst nach stundenlangem Regen war der Inhalt bisher immer trocken. Und auch bei dieser Tasche habe ich nach all den Jahren und bei sehr häufiger Nutzung kaum Verschleiß.

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Update: Ortlieb Seat-Pack 11 L

Da ich so zufrieden war, habe ich mir nun noch zusätzlich die etwas kleinere Version mit 11 Litern gekauft. Man merkt die Überarbeitung der Serie, da sich ein paar Details verändert haben. So ist der Gurt, der um die Sattelstütze greift, nun ausreichend lang. Das Ventil wurde auch verbessert und die Spanngurte flattern nicht mehr wild in der Gegend rum. Ein Kauf, den man nicht bereuen wird.

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Ortlieb Back Roller Free

Für längere Gravelbike-Touren wie Paris-Dresden oder wenn wir als Familie mit mehr Gepäck unterwegs sind, wie der Familien-Transalp, kommen die Ortlieb Back Roller Free an den Gepäckträger. Sie bieten mit je 20 Litern pro Tasche deutlich mehr Volumen und eignen sich für alles, was über ein verlängertes Wochenende hinausgeht.

Die Befestigung am Gepäckträger ist das bewährte Ortlieb-System – einmal eingehängt sitzt alles recht fest. Natürlich nicht bombenfest für deftige Gravelpisten, aber hinreichend für “normale” Touren. Die Taschen sind aus recyceltem Material gefertigt, was mir persönlich gut gefällt. Man merkt keinen Qualitätsunterschied zu den klassischen Back Rollern.

Auf dem Gravelbike verändern die beladenen Taschen natürlich das Fahrverhalten. Der Schwerpunkt liegt tiefer und weiter hinten, was bei schnellen Abfahrten auf Schotter spürbar ist. Nach ein paar Kilometern hat man sich aber daran gewöhnt.

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Gepäckträger: Tubus Fly

Wenn man mit Gepäcktaschen wie den Ortlieb Back Roller Free unterwegs ist, dann müssen die auch irgendwie ans Rad. Ich setze bei meinem Gravelrad dabei auf den Fly Classic von Tubus. Er ist einigermaßen leicht und trägt für mich völlig ausreichende 18 Kilogramm. So viel sollte man sowieso nicht mitführen, da darunter der Fahrspaß massiv leidet.

Bisher hat er gut durchgehalten, auch wenn die Lackierung nicht mehr vorbildlich ist. Aber ist das nicht völlig normal? Die Montage war beim ersten mal recht fummelig, aber mittlerweile geht es mir leicht von der Hand. Einen Platzhalter gibt es noch für einen Reflektor oder ein Rücklicht, wenn man auf Nabendynamo setzt.

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Packtipps: So bekomme ich alles unter

Nach über zwanzig Jahren Mehrtagestouren habe ich ein paar Prinzipien entwickelt, die mir beim Packen helfen:

  • Weniger ist mehr: Alles was „vielleicht” mitgenommen wird, bleibt zu Hause. Jedes Gramm rächt sich am dritten Tag im Sattel.
  • Rollen statt falten: Kleidung gerollt in die Innensäcke – spart Platz und reduziert Knitterfalten -falls das auf einer Transalp jemanden interessiert 🙂
  • Tagesbedarfsartikel griffbereit: Riegel, Sonnencreme, Handy, Erste-Hilfe-Set und Regenjacke gehören nach oben bzw. vorn. Nichts ist nerviger als der Griff in die Tiefen des Rucksacks bei Nieselregen auf 2.000 Metern.
  • Schweres nach unten und nah an den Rücken: Werkzeug und Ersatzteile wandern ins untere Fach (oder extern in eine Satteltasche), leichte Bekleidung nach oben. Das verbessert den Sitz und die Balance auf dem Trail.
  • Immer Regenschutz: Auch bei blauem Himmel – Innensäcke und Regenhülle kosten kaum Gewicht, können aber den Unterschied zwischen einem guten und einem miserablen Abend machen.

Fazit

Die Wahl des richtigen Transportsystems ist keine Wissenschaft, aber eine bewusste Entscheidung. Wer auf dem Mountainbike technische Trails in den Alpen fährt, ist mit einem gut sitzenden Rucksack bestens bedient. Wer lange Gravelbike-Etappen plant, fährt mit Taschen am Rad komfortabler und rückenschonender.

Mein persönlicher Rat: Kauft nicht das teuerste Equipment, sondern das passende. Ein Rucksack oder eine Tasche, die fünf oder zehn Jahre hält, ist nachhaltiger und günstiger als jedes Jahr das neueste Modell. Mein Deuter begleitet mich seit vielen Alpenüberquerungen – und wird es hoffentlich noch lange tun.


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