knappe Platzverhältnisse erlauben trotzdem prima das Training

Indoor-Training mit dem Wahoo Kickr Core – Setup, Erfahrungen & Tipps

Wintertraining auf der Rolle – lange Zeit war das für mich ein Albtraum. Mein erster Versuch mit einem Tacx Vortex Smart endete nach wenigen Wochen: Höllenlärm im Keller, eine Software voller Bugs und ein Video vom Stilfser Joch in Zeitlupe, das eher einschläfernd als motivierend wirkte. Das Ding wurde verkauft und das Thema war für mich erledigt.

Bis zum Herbst 2020. Die Tage wurden kürzer, auf Strava tauchten vermehrt virtuelle Fahrten von Freunden und Bekannten auf – und in den Gesprächen hörte ich immer wieder: Die neue Generation der Direktantrieb-Trainer ist eine komplett andere Welt. Leiser, realistischer, und mit Zwift als Gamification-Faktor tatsächlich motivierend.

Seitdem hat sich mein Setup mehrfach weiterentwickelt – vom ersten Kickr Core mit klassischer Kassette bis hin zum aktuellen Setup mit dem Kickr Core 2, dem Zwift Cog und Apple TV. In diesem Beitrag zeige ich dir den gesamten Weg und mein aktuelles Setup, das ich nach mehreren Wintern als nahezu perfekt empfinde.

Mein aktuelles Setup im Überblick

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KomponenteProduktAnmerkung
BiketrainerWahoo Kickr Core 2Direktantrieb, nochmals leiser als V1
SchaltungZwift Cog + Zwift Click ControllerKein Schalten, kein Krachen, saubere Kettenlinie
RadGravelbike (1-fach SRAM)Fest eingespannt
AnsteuerungApple TV + MonitorGroßes Bild, einfache Bedienung
CompanionZwift Companion App auf iPhoneChat, Richtungswechsel, Übersicht
AudioApple AirPods 4 mit ANCMusik, Podcasts, Telefonate, Discord
AerobarProfile Design Sonic Ergo 35aHandentlastung bei langen Sessions
VentilatorHoneywell TurboForce HT900EPflicht ab 5 °C Außentemperatur
UnterlageDämmmatte (zweilagig) + HandtuchSchallschutz + Schweißschutz
SchweißfängerROCKBROS SchweißfängerSchützt Rad und Lenkerband

Die Evolution: Vom Kickr Core V1 zum aktuellen Setup

Mein erstes Setup (2020–2025)

Der originale Wahoo Kickr Core war mein Einstieg und über mehrere Winter ein zuverlässiger Begleiter. Zusammen mit einer SRAM PG-1130 Kassette (11–28 Zähne) und einem 44er Kettenblatt funktionierte alles tadellos. Mehrere Tausend Kilometer habe ich damit abgespult – problemlos, stabil, solide.

Das System hatte aber ein paar Eigenheiten: Das Schalten unter Last verursachte das übliche Krachen der Kette, die Kettenlinie war bei extremen Gängen nicht ideal, und die Geräuschkulisse – obwohl deutlich besser als beim alten Tacx – kam primär vom Antriebsstrang.

Die Ansteuerung lief über unser Familien-iPad auf der Waschmaschine oder alternativ per PC mit Ant+-Dongle. Funktional einwandfrei, aber optisch und vom Erlebnis her, na nennen wir es: ausbaufähig.

Mein aktuelles Setup (seit Winter 2025/26)

Letzten Winter habe ich den nächsten Sprung gemacht: Wahoo Kickr Core 2 plus Zwift Cog – und parallel den Umstieg auf Apple TV als Plattform. Das Ergebnis gefällt mir ausgesprochen gut.

Wahoo Kickr Core 2 – der leise Nachfolger

Der Kickr Core 2 ist die Weiterentwicklung des bewährten Originals – und die Unterschiede sind spürbar. Der Trainer ist nochmals deutlich leiser geworden. Wo beim V1 noch das Surren des Antriebsstrangs den Raum füllte, muss man beim Core 2 schon genau hinhören. In Kombination mit dem Zwift Cog (dazu gleich mehr) ist das Gesamtsystem so leise, dass Musik über die AirPods locker ausreicht, um den Trainer zu übertönen.

Die Steigungssimulation funktioniert wie beim Vorgänger überzeugend – Anstiege spürt man deutlich im Widerstand, Abfahrten lassen die Beine locker drehen. Die Verarbeitungsqualität ist gewohnt solide, die Standfestigkeit auf dem Boden gut.

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Zwift Cog & Click – Game Changer fürs Indoor-Training

Der Zwift Cog hat mein Indoor-Training grundlegend verändert. Das Prinzip: Statt einer kompletten Kassette mit 11 oder 12 Ritzeln sitzt nur noch ein einzelnes Ritzel (der „Cog”) auf dem Trainer. Die Kette läuft permanent auf einer perfekten Kettenlinie – kein Schalten, kein Krachen, kein Verschleiß an Schaltwerk und Kassette. Die Kettenlinie kann sehr einfach und sauber manuell eingestellt werden.

Wie funktioniert das Schalten dann?

Über die Zwift Click Controller – zwei kleine kabellose Knöpfe, die am Lenker befestigt werden. Ein Klick links schaltet leichter, ein Klick rechts schaltet schwerer. Der Widerstand wird dabei nicht mechanisch über die Kassette verändert, sondern elektronisch über den Trainer selbst. Das Ergebnis: Sofortiges, lautloses Schalten ohne jede Verzögerung.

Was mich überzeugt

  • Stille: Kaum noch Kettenrasseln, kein Schalten unter Last, kein Gangspringen. Zusammen mit dem Core 2 ist das System sehr leise.
  • Saubere Kettenlinie: Die Kette läuft immer perfekt gerade – kein Verschleiß durch Schräglauf.
  • Einfache Bedienung: Die Click Controller liegen gut in der Hand und reagieren zuverlässig.
  • Weniger Verschleiß: Kein Kassetten- und Kettenblatt-Verschleiß durch Indoor-Training mehr. Die Outdoor-Komponenten bleiben geschont.

Was mich nervt

Die Kopplungsprobleme der Click Controller sind echt nervig. Hin und wieder verbinden sich die Knöpfe nicht beim ersten Versuch mit der Zwift-App, oder sie verlieren während der Fahrt kurzzeitig die Verbindung. Manchmal auch nur eine Seite – dann schaltet man zwar hoch, kommt aber nicht mehr runter. Das ist echt ärgerlich – besonders wenn man gerade einen virtuellen Anstieg hochkämpft und plötzlich nicht mehr schalten kann.

Eine schnelle Lösung habe ich auch nicht gefunden. Selbst alles aus und wieder einzuschalten bringgt oft nichts. Das sollte bei einem Produkt in dieser Preisklasse nicht vorkommen. Hier muss Zwift nachbessern – per Firmware-Update sollte das ja wohl lösbar sein.

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Apple TV + Monitor – großes Bild, großes Erlebnis

Warum der Umstieg?

Auf dem iPad funktionierte Zwift technisch einwandfrei – aber der kleine Bildschirm auf der Waschmaschine war nie wirklich toll. Der Wechsel auf Apple TV mit einem großen Monitor hat mir das Indoor-Training deutlich verbessert. Das Auge freut sich, und das Gefühl, in einer anderen Welt unterwegs zu sein, steigert sich enorm.

Das Kopplungs-Problem von früher

Ein Grund, warum ich Apple TV nicht von Anfang an nutzte: Früher waren die Bluetooth-Koppelplätze am Apple TV stark begrenzt. Wer Brustgurt, Trainer und ggf. noch Trittfrequenzsensor verbinden wollte, stieß schnell an die Grenze. Mit dem Zwift Cog und der direkten WLAN-Anbindung des Kickr Core 2 hat sich dieses Problem erledigt. Der Trainer kommuniziert jetzt über das heimische WLAN mit dem Apple TV – stabil, schnell und ohne einen der wertvollen Bluetooth-Plätze zu belegen.

Mein aktueller Workflow

  1. Apple TV einschalten, Zwift starten
  2. Kickr Core 2 verbindet sich automatisch per WLAN
  3. Click Controller koppeln – meist automatisch, manchmal mit Nachhilfe – oder halt gar nicht 🙁
  4. nicht immer: Companion App auf dem iPhone öffnen – für Chat, Richtungswahl und Übersicht
  5. AirPods rein, ANC an, Musik oder Podcast starten
  6. Losfahren.

Das Ganze dauert keine zwei Minuten von „Keller betreten” bis „erste Pedalumdrehung”. Diese niedrige Einstiegshürde ist für die Regelmäßigkeit des Trainings natürlich super.

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Audio – AirPods mit ANC als perfekte Lösung

Ein Detail, das mein Training massiv verbessert hat, sind die AirPods 4 mit Active Noise Cancelling. Das ANC blendet die Restgeräusche des Trainers komplett aus – man hört nur noch die eigene Musik, den Podcast oder das Gespräch.

Und genau das ist der Clou: Mit den AirPods kann ich während des Trainings problemlos telefonieren oder mich per Discord mit Trainingspartnern austauschen. Gruppenfahrten mit Unterhaltung – fast wie zusammen draußen fahren. Die Sprachqualität ist überraschend gut, selbst bei hoher Belastung versteht mein Gegenüber mich noch. Und die restlichen Antriebsgeräusche werden auch alle rausgefiltert, sodass mein Gegenüber manchmal gar nicht mitbekommt, dass ich gerade auf dem Rad sitze.

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Gruppenfahrten – Motivation durch Community

Seit einiger Zeit fahre ich regelmäßig Gruppenfahrten mit dem Team von Enjoy Your Bike auf Zwift. Der Unterschied zum Alleinfahren ist gewaltig: Man hat Gesellschaft, tauscht sich aus, zieht sich gegenseitig mit und die Zeit vergeht deutlich schneller.

Das Format: Eine feste Gruppe, ein gemeinsamer Termin, moderate Intensität mit persönlichem Austausch per Voice-Chat (Discord). Kein Rennen, kein Ellenbogen – einfach zusammen fahren und quatschen. Genau das, was Indoor-Training für mich vom einsamen Kellerdasein zum sozialen Event macht.

Wer einen Einstieg in die Zwift-Community sucht, dem kann ich solche organisierten Gruppenfahrten sehr empfehlen. Die Hemmschwelle ist niedrig und die Leute sind ausnahmslos freundlich und hilfsbereit.

Und wenn man keine Lust hat, dann ist man eben erst die Woche darauf wieder mit dabei…

Weiteres Zubehör

Aerobar: Profile Design Sonic Ergo 35a

Nach rund 800 Kilometern auf dem ersten Kickr holte ich mir den Aerobar – primär für eine zusätzliche Griffposition bei langen Sessions. Die Handentlastung ist spürbar, der Nacken gewöhnt sich mit der Zeit daran. Für Indoor-Training eine klare Bereicherung, auch wenn es optisch etwas speziell aussieht.

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Ventilator: Honeywell TurboForce HT900E

Pflicht. Ab 5 °C Außentemperatur reicht das offene Fenster nicht mehr. Ohne Ventilator überhitzt man schneller als gedacht – und die Leistung bricht ein. Der Honeywell ist kompakt, günstig und schiebt ordentlich Luft.

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Dämmmatte & Schweißschutz

Eine zweilagige einfache Dämmmatte einer Waschmaschine oder eine professionelle Matte von Wahoo reduziert den Körperschall und schont den Boden. Darüber ein großes Handtuch für den Schweiß. Am Rad fängt ein ROCKBROS Schweißfänger die Tropfen ab, die sonst Vorbau und Lenkerband zerfressen würden.

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Braucht man das alles wirklich?

Nach dem Lesen könnte man meinen, Indoor-Training sei ein teures Technik-Hobby. Lass mich ehrlich sein: Mein aktuelles Setup ist das Ergebnis mehrerer Jahre Optimierung. Einsteigen kann man mit deutlich weniger.

Minimum für den Start:

  1. Ein Direktantrieb-Trainer (Wahoo Kickr, Tacx Neo, Elite o. ä.)
  2. Ein Fahrrad
  3. Ein Smartphone oder Tablet mit Zwift

Sinnvolle Ergänzungen (nach und nach):

  • Ventilator (sofort)
  • Schweißfänger (sofort)
  • Zwift Cog (wenn der Antriebslärm nervt)
  • Apple TV + Monitor (wenn der kleine Bildschirm nervt)
  • AirPods mit ANC (wenn man Podcasts/Musik/Gespräche genießen will)

Der Rest ergibt sich. Nicht alles auf einmal kaufen – sondern merken, was fehlt, und gezielt nachrüsten.

Indoor-Training als Tourvorbereitung

Warum steht diese Seite auf einer Website über Mehrtagestouren? Weil das Wintertraining auf dem Kickr für mich direkte Tourvorbereitung ist. Wer im Juni eine Transalp mit 2.500 Höhenmetern pro Tag fahren will, braucht eine Grundlage – und die baut man im Winter nur schwer draußen auf.

Strukturierte Zwift-Workouts, lange Grundlagenfahrten und Gruppenfahrten halten die Form über den Winter. Im Frühjahr steige ich dann nicht bei Null ein, sondern kann direkt mit den ersten Touren loslegen. Das Gleiche gilt fürs Trailrunning – auch hier hilft eine solide Ausdauer-Grundlage aus dem Winter. Aber Laufen kann man meist auch im Winter draußen.

Die komplette Ausrüstung für meine Touren findest du auf der Packlisten-Übersicht, mein Rad-Setup auf der Seite Mein Material.

Fazit und meine Empfehlungen

Mein Indoor-Training hat sich über mehrere Winter vom notwendigen Übel zum festen Bestandteil meines Trainingsjahres entwickelt. Der Wahoo Kickr Core 2 mit Zwift Cog, Apple TV und AirPods ist ein Setup, das Spaß macht – leise, komfortabel und durch Gruppenfahrten sogar sozial.

Der wichtigste Schritt ist der erste: Einen Trainer kaufen und loslegen. Alles andere kommt mit der Zeit. Und wer im Frühjahr mit einer soliden Grundlage auf dem Rad sitzt, weiß spätestens am ersten Alpenpass, warum sich die Winterabende im Keller gelohnt haben 🙂

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