Die Moldau ist Tschechiens längster Fluss – und wir wollten ihn mit dem MTB nach Strich und Faden erkunden. Die Tour startete in Görlitz, führte uns durch Prag und České Budějovice und endete in Český Krumlov. Auf 530 km und 7 Etappen folgten wir dem Fluss durch eine Landschaft voller prächtiger Moldau-Schleifen, beeindruckender Burgen und versteckter Trails – mit allem, was dazu gehört: grandiosen Aussichten, böhmischer Küche und so mancher Wegfindungskatastrophe.
Länge: 530,0 km Höhe: 9.386 hm Etappen: 7 Jahr: 2026
Der Start unserer Moldau-Tour sollte ursprünglich in Prag beginnen. Kurz vorher überlegten wir aber auf Zittau zu erweitern, damit wir auch das Stück Moldau zwischen Mündung in die Elbe und Prag noch mitnehmen. Und kurzerhand legte ich den Startort noch auf das beschauliche Görlitz um. Und so wie sich der Startort verschob, so wird auch im folgenden Tourverlauf die Gruppe anwachsen.
Ich startete also an einem schönen Samstagnachmittag am Bahnhof in Görlitz und nutzte ein paar altbekannte Trails an der Landeskrone sowie dem Schwarz- und Kreuzberg. Erstaunt bin ich, wie unglaublich groß mittlerweile die Bäume und Wälder am Berzdorfer See angewachsen sind. Tja, in meiner Kindheit wütete hier noch der Schaufelradbagger und das Kraftwerk Hagenwerder bescherte uns ungefilterten Dreck in der Luft.
Über viele kleine Wege und Straßen kringelte ich durch das Oberland allein bis nach Zittau, wo die Gruppe mit Sepps Zustoß auf zwei Vertreter anwuchs. Sehr schön – ab jetzt wird massiv geblödelt 🙂
Sandsteinformationen im Lausitzer Gebirge
Auf einem einfachen Weg ging es über das Zittauer Gebirge (wer das Gebirge mit dem MTB auf einer Tagestour näher erkunden will, dem empfehle ich mein Tour des Monats 01/21 – XTERRA plus Lausche). Und so fuhren wir bereits nach kurzer Zeit in tschechisches Staatsgebiet hinein ins Lausitzer Gebirge. Am Křížová věž (Kreuzturm) mussten wir kurz schieben, aber das lohnte sich allemal, denn die Felsen und der Ausblick sind wunderschön. Wir folgten noch etwas dem Wanderweg, dem man auch prima das Prädikat Panoramaweg geben kann. Dann wechselten wir aufgrund der stark fortgeschrittenen Zeit auf die Straße.
Wir querten Cvikov (man denke an die schöne Brauerei der böhmischen Kringelei) und weiter ging es auf einem schicken Weg, welcher von zahlreichen faszinierenden Sandsteintürmen und -formationen garniert war. Das war mal wieder eine echte Perle! In Nový Bor bezogen wir unser mittelmäßiges Quartier und suchten noch die lokale asiatischen Gastronomie auf.
Etappe 1: von Nový Bor nach Prag
Daten: 124,8 km 17,1 km/h 7:17:54 h 50,6 km/h 1.073 hm
Orte: Nový Bor – Česká Lípa (Böhmisch Leipa) – Peklo (Höllengrund) – Heřmánky (Hirschmantel) – Mělník – Nelahozeves – Prag
Den Start in den Tag könnte man als trostlos bezeichnen, wenn da nicht Sepps mitgeschlepptes Bananenbrot gewesen wäre. Dieses äußerst saftige Exemplar diente uns als Grundlage für den Morgen – leider ganz ohne Kaffee. Die ersten Meter waren sehr stimmungsvoll, denn Massen an Pusteblumen säumten hier in der morgendlichen Sonne den Weg. Es war einfach herrlich und ich schoss unglaublich viele Fotos.
Die Querung des Golfplatzes misslang. In Česká Lípa hatte zum Glück am Sonntag der Supermarkt offen, sodass wir nun einen kleinen Kaffee und ein paar Hörnchen zum Futtern fanden. Hinter dem Ort erklommen wir eine kleine Anhöhe und genossen den Blick in die Umgebung und den See Pekelské rybníky. Dann mussten wir eine kleine Klettereinlage mit den Rädern einlegen, um wieder auf einen echten Weg zu kommen.
Leider übersahen wir nun ein Radfahren verboten-Schild. Hier sollte man in der folgenden Klamm lieber sein Rad schieben, denn der Besuch ist das Schieben wert. Da wir das Schild übersehen hatten und niemand weit und breit an diesem Sonntagmorgen da war, rollten wir entspannt durch das wunderschöne ruhige Durchbruchstal Peklo. Überall standen schöne Felsen und Blümchen rum – es war einfach nur herrlich.
Köpfe, Kapelle und Schlange
Nun mussten ein paar Kilometer auf kleinen Sträßchen zurückgelegt werden. Das machte uns rein gar nichts aus, sollte es doch ein recht langer Tag werden. Kurz hinter Heřmánky ging es noch einmal rein in die Berge. Auch hier standen wieder wunderschöne Sandsteinfelsen rum. Ganz in der Nähe hatten wir uns bereits auf der Tour böhmische Vulkantrails amüsiert. Und auch diesmal war das wieder ganz großer Fasching. Ich liebe diese liebliche Gegend…
Wir näherten uns langsam der Elbe, wobei die Landschaft noch einmal richtig Gas gab und uns mit Eindrücken bombardierte. Ich bekomme die Superlative kaum zu Papier gebracht – man muss das selbst erkundet haben. Und immer wieder hatten sich auch die Menschen im Sandstein verewigt. Ob nun in Kopfform, als Kapelle oder als riesige Schlange.
In Mělník war dann erst einmal eine feine Pause angesagt. Die Sonne brannte uns ganz ordentlich auf den Latz und so genossen wir im Schatten das Mittagsmahl und etwas Frisches. Von hier oben hatten wir auch einen tollen Ausblick auf die Elbe, die Moldau-Mündung und den Moldau-Kanal. Extra für uns legte ein echt großes Schiff eine schöne Fahreinlage aus dem Kanal hin. Wir entschlossen uns, unsere Fahrt ab hier an der Moldau entlang vorzunehmen.
Entlang der Moldau ins Herzen von Prag
Also zack – umgeplant. Runter an die Moldau und dann ging es über einen kleinen Radweg und über kleine Trails entlang des Flusses. Das fuhr sich mit den Mountainbikes ganz gut. Mit dem Gravelbike wäre man hier hingegen ganz schön durchgeschüttelt worden.
In Nelahozeves legten wir noch einmal eine kleine Rast ein. Nicht dass wir die brauchten, aber das kleine Cafe im Bahnhof sah einfach zu einladend aus. Und der Espresso und die Limo waren ganz wunderbar. Dann kamen wir noch an ganz wilden Felsen vorbei. Schneeweiß waren die und wiesen Löcher auf, die mit dem innen verlaufenden Bahntunnel förmlich verbunden waren. Das war äußerst skurril anzusehen.
Nun, wir folgten dem Trail und kurz vor Prag formte sich daraus sogar ein kleiner Radweg. Der wurde, je näher wir der Großstadt kamen, immer voller – bis er förmlich überlief. Das war schon ganz schön wild hier – Zeit für eine Kofola 🙂 Dann ging es ab ins Getümmel – direkt rein ins Zentrum von Prag, wo wir ein schönes Hotel bezogen und die Vereinigung mit dem Dritten im Bunde feierten.
Etappe 2: von Prag nach Živohošt
Daten: 74,9 km 11,7 km/h 6:23:26 h 52,5 km/h 1.951 hm
Orte: Prag – Vrané nad Vltavou – Oleško – Hradištko pod Medníkem – Teletín – Myšák – Máj – Jablonná – Blažim – Živohošt
Mit Prag waren wir nun eigentlich erst an unserem eigentlichen Startort unserer Moldautour angekommen. Alles Vorangegangene war nur ein hübsches Vorspiel – und ehrlich, ich war im Nachgang sehr froh darüber 🙂
Nun also Prag. Diese zauberhafte Stadt ist immer eine Reise wert, auch wenn es nur ein Kurztrip in Form eines Prag-Express ist. Unsere ersten Meter gingen also direkt in die Innenstadt und bis zur Karlsbrücke, damit wir das touristische Highlight mitgenommen haben. Von dort ging es nun immer südwärts und wir blieben direkt am rechten Ufer der Moldau – für ca. 12 km. Wir kamen an kleinen Parkanlagen, an Golfplätzen und Spielplätzen vorbei. Sehr fein das Ganze.
Und noch feiner wurde der erste richtige Anstieg. Auf einem zauberhaften kleinen Trail schlängelt sich der Weg an einem kleinen Bach entlang. Noch vor der Ortschaft Vrané nad Vltavou ging es sehr steil hinauf und wir erreichten das erste Mal eine Aussicht, von der man einen herrlichen Blick auf eine Moldauschleife hatte. Das Wolkenspiel machte mit und so sah alles wie im Bilderbuch aus.
Vor Oleško gab es noch einmal eine Sahneabfahrt, nur um dann auf dem folgenden Anstieg einmal komplett in der Sonne durchgebraten zu werden. Eine gastronomische Einrichtung konnten wir nicht auftreiben, aber es sollte ja noch einiges kommen. Also ging es noch einmal deftig auf einem breiten Weg bergan und wieder hinab. In Petrov oder Pikovice wollten wir dann doch endlich was zu beißen haben – es gab nichts.
Panierter Käse im Gewitter und eine Moldau-Schleife
Die Karten-App verriet, dass in Hradištko pod Medníkem fünf Restaurants uns in Empfang nehmen wollten – nur leider wussten die davon nichts. Viere waren geschlossen bzw. existierten nicht mehr. Das fünfte versorgten uns zum Glück sehr gut. Um dahin zu kommen, mussten wir aber eine beinharte Asphaltrampe, die tatsächlich als Radweg ausgeschildert war, hochkämpfen. Der panierte Käse war damit wirklich hart verdient. Und während wir aßen, zog draußen ein hübsches Gewitter durch die Landschaft.
Im Folgenden kamen wir der Moldau ganz nah, um dann sacksteil den Berg hinaufzuschieben. Aber die Mühen waren keinesfalls umsonst, denn oben erwartete und am Myšák bzw. auf dem Máj ein Prachtausblick auf eine Moldauschleife. Unzählige Fotos später konnte ich mich dann endlich losreißen. In Jablonná mussten wir uns entscheiden, dass wir die original geplante Strecke gegen eine kürzere Variante tauschen. Denn zum einen sah es nach ordentlich Regen aus, aber auch die Zeit saß uns mittlerweile im Nacken.
So ließen wir den Bukovec Neveklov aus und fuhren nach Blažim auf der Straße und von hier etwas unkoordiniert hinunter an die Moldau bis nach Nová Živohošť. Hier wartete eine gigantisch große Ferienwohnung auf uns. Nur mit Abendbrot war das so ein Ding, denn das direkt gegenüber liegende Restaurant hatte zu. Nach etwas Suchen wurden wir auf dem Campingplatz fündig und bekamen noch ein paar Scheiben Wurst und Brot.
Die Trikottasche des Meisters musste am Ende noch etwas leiden, da sie die Getränkeverpflegung fürs Quartier aufnehmen musste.
Etappe 3: von Nová Živohošť nach Staré Sedlo
Daten: 66,4 km 12,0 km/h 5:33:18 h 51,3 km/h 1.550 hm
Orte: Nová Živohošť – Žďár – Bartůňkova vyhlídka – Křepenice – Hrachov – Kamýk nad Vltavou – První lávka na Vrškamýk – Zduchovice – Kamenice – Kostelec nad Vltavou – Staré Sedlo
Das Frühstück erfolgte in Eigenversorgung, wobei uns als Grundlage der kleine Laden im Untergeschoss diente. Boah, und dann war Schluss mit schön. Der Weg in dem kleinen Seitental war die absolute Grütze. In der Karte existent, war davon in der Natur nichts übrig. Ewig lang zogen wir mit unseren Bikes über Stock, Gestein und durchs Gebüsch. Den kleinen Fluss überquerten wir mithilfe eines umgekippten Baums. Das klingt spannend und wir haben auch reichlich gelacht, aber man kommt schlicht und ergreifend nicht vorwärts, sondern rammelt schier auf einem Fleck ewig rum.
Irgendwann ging es endlich mal wieder weiter und nach einer steilen Rampe standen wir (mal wieder) an der schönen Klippe Bartůňkova vyhlídka und hatten einen feinen Blick auf eine Moldau-Schleife. Auf der darauf folgenden Abfahrt strandeten wir in einer Gebüschsackgasse und ich fing mir einen hübschen Schleicher ein. Die Dichtmilch hielt einigermaßen – manchmal besser, manchmal schlechter.
In Křepenice hätte ich mir durchaus gern nen Kaffee gegönnt, aber ich wurde überstimmt. Also weiter. In bzw. kurz vor Hrachov wurde es nochmal sehr wild. Wir kamen hier schlicht nicht auf den von uns geplanten Weg hinab ins Tal. Permanent endeten unsere Versuche an Grundstücksgrenzen, Zäunen oder ähnlichem. Am Ende mussten wir beherzt einen Abhang hinabrutschen… Nein, hier sollte der geneigte Nachfahrer grundsätzlich einen anderen Weg wählen.
Burgreste První lávka na Vrškamýk und eine Moldau-Schleife
So vertrödelten wir mal wieder unendlich viel Zeit auf nur wenigen Metern Weg Luftlinie. Tja, manchmal ist es wie verhext. Ähnlich verhext war es in Kamýk nad Vltavou, als wir nach einem Restaurant Ausschau hielten. Nichts da. Zum Glück gab es einen Supermarkt, der uns warme Hot Dogs verkaufte. Da standen wir also in der Kälte und klammerten uns an das Brötchen…
Umso schöner war die Überraschung über die alten Burgreste der První lávka na Vrškamýk. Und hinter Zduchovice gab es noch etwas Feines, auch wenn man dazu etwas unkomfortabel Treppen laufen musste. Denn auch hier wartete ein fulminanter Blick auf eine Moldauschleife. Man kann sie ja kaum mehr zählen – aber toll sind sie trotzdem 🙂
Google-Translate und eine große Verwirrung
Nur langsam drückte uns die Zeit gewaltig im Nacken. Wir ließen daher den Aussichtsturm auf dem Rozhledna Milada aus. Und auch die folgenden geplanten Passagen entlang der Moldau waren nach den Zeitverlusten während des bisherigen Tages nicht mehr schaffbar. Wir wichen daher auf die Straße über Kamenice und Kostelec nad Vltavou aus. Kurz vor dem Quartier holte uns noch einmal eine kleine Regenhusche ein, bevor das Highlight des Tages anstand.
Da wartete doch tatsächlich eine ältere Damen an unserem Quartier auf uns, winkte wild und ließ uns rein, während sie ununterbrochen mit Google Translate wirr auf uns einredete. Sepp ging duschen, wir anderen machten uns breit. Dann standen aber ein paar Minuten später noch einmal drei deutsche Radfahrer vor der Tür, die Einlass begehrten. Was ein herrliches Wirrwarr. Da kamen also zur gleichen Zeit zwei mal drei deutsche Radfahrer an und es kommt zur Verwechselung des Tages. Fazit: Wir waren falsch und mussten nochmal umziehen. Das hatten wir auch noch nicht geschafft. Und die ganze Zeit redet die Dame mit Google auf uns ein – ein völliges Durcheinander.
Die drei Radfahrer trafen wir dann noch am Abend in der Pizzeria und wir lachten nochmal gemeinsam über dieses Maleur.
Etappe 4: von Staré Sedlo nach Koloděje nad Lužnicí
Daten: 77,4 km 11,7 km/h 6:36:11 h 45,1 km/h 1.543 hm
Orte: Staré Sedlo – Orlík nad Vltavou – Burg Zvíkov – Vůsí – Červená nad Vltavou – Nemějice – Bechyně – Koloděje nad Lužnicí
Der Morgen begann recht hübsch mit einem Ausflug zur Burg Orlík nad Vltavou, welche da sehr hübsch am Ufer der Moldau lag. Der Moldau folgten wir nun am Ufer gen Süden. Der Weg war manchmal klein und schmal und manchmal musste man ihn förmlich suchen. Und es war ein permanentes Auf und Ab, welches durchaus fordernd war.
Im späteren Verlauf kamen wir zur Burg Zvíkov. Erst erheischten wir einen schönen Blick vom gegenüber liegenden Ufer, später direkt aus dem Innenhof. Leider waren die Innenräume nicht zugänglich, aber wir genossen die Ruhe bei einem kleinen Kaffee des Kiosks aus dem Pappbecher.
Bis Vůsí war der Weg dann noch ganz brauchbar, dann begann aber das große Übel. Die erste Rinne nahmen wir noch mit Humor. Hier mussten wir auf steilstem Weg ins Tal hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf. Das ging nur schiebend. Und hatten wir anfänglich gedacht, dass das eine Ausnahme von der Regel war, dann wurden wir schwer getäuscht.
Eine miese Rinne nach der anderen
Es ging nun am direkten Ufer der Molau entlang. Rechts also Fluss, links direkt daneben ein massiver Wildzaun. Und der Weg hat nun nichts anderes vor, als knapp an unfahrbar steil schnurstracks ins Tal und gegenüberliegend wieder hinauf zu führen. Das Schieben gelang bei der Steilheit nur mit Mühe. Und dieses Prozedere wiederholten wir nun immer wieder. Es war einfach nur zum kotzen. Wer bitte schön braucht so einen Wanderweg?
Wir kamen also wieder einmal kein bisschen voran. Über Ewigkeiten, es waren wohl zwei Stunden, würgten wir bis nach Červená nad Vltavou. Wir hatten es einfach nur satt. Hunger hatten wir auch. Es gab aber nichts zu beißen in dem Ort. Die einzige Möglichkeit war gegen 15:30 Uhr die ONO-Tankstelle an einer großen Fernverkehrsstraße.
Zeitlich bedingt ließen wir den Uferweg bis nach Nemějice weg – wer weiß, was uns da noch erwartet hätte. Über kleine Straßen und Feldwege ging es nun bis nach Bechyně. Die kleine Ortschaft war ganz niedlich – zumindest der Marktplatz. Vom Schloss / der Burg war außer Mauern nur wenig zu sehen. Entweder wir haben da was verpasst oder es ist wirklich etwas unspektakulär. Nun, wir mussten langsam auf die Uhr schauen.
Klettereinlage an der Lužnice
Wir folgten nun dem niedlichen kleinen Fluss Lužnice. Nur war da leider nach ein paar Kilometern Schluss. Da wo unser Weg lang gegangen wäre, fanden wir einen demolierten Steg und kaputte Treppen vor. Natürlich war das Ding gesperrt. Umfahren war keine Option, da wir dann eine recht große Schleife hätten nehmen müssen. Der Meistro machte kurzen Prozess und legte eine Klettereinlage ein.
Es zeigte sich, mit etwas Mühe kommen wir da rüber. Also hat sich einer von uns auf der einen Seite unten postiert, der andere oben und der nächste wieder unten. Und dann wurden die Räder irgendwie rüber bugsiert. So ganz wollte man dem angeschlagenen Steg nicht trauen, aber wir wagten es. Und siehe da – wir kamen durch. Und der Talweg war im folgenden Verlauf einfach ganz wunderbar.
Das Wasser war spiegelglatt, die Abendsonne tauchte die Landschaft in ein herrliches Farbenmeer und alles sah wunderbar idyllisch aus. Auf dem Campingplatz wurden wir bereits erwartet und der Herr gab sich auch Mühe so schnell wie möglich wegzukommen. Nun, die für den Abend von ihm in Aussicht gestellte Wirtschaft war unauffindbar. Und so verbrachten wir den Abend, nach längerem Abklappern des Ortes, ohne Essen und nur mit unseren alten Wasserflaschen – was ein Kack. Der Tag war ausgesprochen durchwachsen.
Etappe 5: von Koloděje nad Lužnicí nach České Budějovice
Daten: 53,4 km 14,4 km/h 3:42:43 h 43,3 km/h 698 hm
Orte: Koloděje nad Lužnicí – Týn nad Vltavou – Karlův Hrádek – Zámek Hluboká (Schloss Frauenberg) – Kněžínek Microbrewery – České Budějovice
Mittlerweile hatten wir eingesehen, dass die von uns geplanten Touren so nicht umsetzbar sind. In den letzten Tagen mussten wir ja hinten raus immer wieder abkürzen bzw. auf Ausweichstrecken setzen. Man kommt hier einfach nicht so gut vorwärts. Und da die Ursprungsplanung für heute eine beachtliche Tagesleistung bereit hielt, entschieden wir uns, die Etappe zu reduzieren und lieber die Zeit für die Erkundung von Busweis zu nutzen.
Nach einem recht ordentlichen Frühstück – na wenigsten hatte das in dem Örtchen geklappt – ging es über ein kleines Wäldchen hinaus auf die Piste und wir erreichten Týn nad Vltavou. Das war ein ganz hübscher kleiner Ort, in dem man wahrscheinlich auch ganz gut hätte nächtigen können. Wir versorgten uns erst einmal im Supermarkt mit ein paar Bananen & Co und dann folgten wir der Moldau, direkt an deren Ufer entlang.
Ein wunderschönes Highlight war ein riesiges Feld voller Margeriten, zumindest geb ich ihnen hiermit diesen Namen. Die Sonne kam etwas raus und so erstrahlte alles ganz zauberhaft. Unsere Mountainbikes fühlten sich hier sichtlich wohl und legten sich etwas zu den Blümchen, um mit abgelichtet zu werden. Kurz dahinter kam noch die kleine Ruinen-Anlage Karlův Hrádek, mit der wir nicht übermäßig viel anfangen konnten. Besichtigt haben wir sie trotzdem 🙂
Zámek Hluboká und Microbrewery
Als nächstes stand das imposante Zámek Hluboká auf dem Programm. Dafür mussten wir die Moldau verlassen und die Parkanlage erklimmen. Das Schloss wird in zahlreichen Reiseführern als Highlight der Region um Budweis aufgeführt. Und es ist wahrlich imposant. Wir setzten uns in die Sonne, genossen einen schönen frisch zubereiteten Kaffee und beobachteten das Touri-Treiben.
Der ganze Ort Hluboká nad Vltavou ist natürlich voll auf Touristen ausgerichtet, aber sehr niedlich. Und langsam merkten wir, dass wir nun wieder in erschlossenere Regionen vordrangen – hat die Zeit des Darbens nun endlich ein Ende? Das sah ganz danach aus, denn wir erreichten die Kněžínek Microbrewery. Da liegt also im Nirgendwo eine Brauerei und erwartete uns. Wir ließen uns nicht betteln – schließlich hatten wir uns ja heute die nötige Zeit freigeschaufelt – und kehrten zum Bierchen ein. Und so genossen wir die böhmische Küche und Braukunst.
Erkundung der Sehenswürdigkeiten in České Budějovice
Wir befanden uns hier in einer Teichlandschaft vor Budweis, die an sich recht unspektakulär ist, aber in der wir mit recht wenig Kraftaufwand vorwärts kamen. Und so rollten wir schon bald in Budweis ein. Eigentlich wollten wir noch zur Brauerei, aber davor war eine riesige Baustelle und wir verspürten jetzt auch nicht den Monster-Drang uns dahin durchzuschlagen. Also dreht wir die Räder um 180 Grad und es ging zum Hotel.
Der erwartete Regen setzte just zu unserer Ankunft ein – wir hatten also alles richtig gemacht. Wir bezogen das Zimmer, machten uns frisch und erkundeten dann das frisch verregnete Busweis. Die Häuser sind ganz zauberhaft und wir bestiegen den Schwarzen Turm, besuchten den Dom St. Nikolaus und schlenderten über den Marktplatz und durch die historische Altstadt. Das hat sich mal gelohnt, dass wir uns hier die Zeit nahmen und nicht durchgerammelt sind. Den Abend ließen wir in einem Restaurace gemütlich ausklingen.
Etappe 6: von České Budějovice nach Český Krumlov
Daten: 42,5 km 11,1 km/h 3:49:45 h 47,9 km/h 1.049 hm
Orte: České Budějovice – Boršov nad Vltavou – Dívčí Kámen – Kleť – Český Krumlov
Wir hatten unsere Pläne ja nun eingekürzt. Es sprach also rein gar nichts dagegen nun die verbleibende Zeit noch für die Erkundung von Český Krumlov zu nutzen. Um dahin zu kommen, verließen wir Budějovice an welchem Fluss entlang? Genau, der Moldau. Wir hatten hier das erste Mal seit langem wieder ein längeres Stück Radweg, auf dem wir bald Boršov nad Vltavou erreichten.
Beim Meister lief es heute nicht so richtig rund. Und auch der wunderschöne Wanderweg / Trail auf dem E10, der hinter Boršov am Ufer verlief, ließ ihn nicht so richtig in Schwung kommen. Wir nahmen das Tempo raus und genossen die schönen Blicke auf die Moldau, welche nun endlich ein fließendes und weniger ein angestautes Gewässer ist. Uns kamen zahlreiche Paddler entgegen und es war eine echt tolle Stimmung.
Für die Burgruine Dívčí Kámen nahmen wir uns ordentlich Zeit. Die Räder stellten wir am Eingang ab und dann flanierten wir durch die alten Gemäuerreste. Das war echt richtig schön, so ganz in Ruhe rumzugucken.
Die Bezwingung des Kleť
Nun hieß es endlich einen langen Anstieg auf den Kleť in Angriff zu nehmen. Bisher hatten wir unsere Mountainbikes immer nur für Winzigstanstiege auf dieser Tour nutzen können, diesmal ging es aber ca. 600 Höhenmeter hinauf. Der Meistro ließ uns allein und nahm stattdessen den kurzen Weg nach Krumlov, wo wir uns wieder treffen wollten. Wir Zwei hingegen spulten den moderaten Anstieg hinauf, wobei die Temperaturen immer weiter in den Keller gingen.
Als wir oben auf dem Kleť ankamen, zeigte das Thermometer flockige 5 °C an – grrr, das war nicht so toll. Wir bestiegen den Aussichtsturm und genossen den Blick in den Böhmerwald und die ganze bisherige durchquerte Umgebung. Die Wolken hingen tief und schon bald fielen die ersten Tropfen. Wir klapperten ordentlich, als es den Berg hinab ging. Hab ich schon gesagt, dass es kalt war? Die Abfahrt ging wie immer schneller vorbei als man sich das wünscht. Wobei wir doch durchaus kniffelige verworrene Wege im unteren Teil nahmen.
Das Highlight der Moldau-Tour: Český Krumlov
Dann standen wir in Český Krumlov. Das war mal ein würdiger Finalort. Eine prächtige Schlossanlage und historische Altstadt erwarteten uns da. Und Massen an Touristen flanierten durch die kleinen Gassen. Wir taten es ihnen gleich und fanden es ganz wunderbar, dass die Sonne nun wieder draußen war und uns aufwärmte. So kreiselten wir etwas rum, fanden unseren Meister wieder und ließen bei einem feinen nachmittaglichen Essen die Tour gemeinsam ausklingen.
Was ist mein Fazit zur Moldau-Tour? Schwer zu sagen – einerseits gab es fantastische Tage und viele tolle Trails und Sehenswürdigkeiten – vor allem am Anfang und am Ende. Andererseits sah es zwischenzeitlich mit der Infrastruktur südlich von Prag echt mies aus und die Wege an der Moldau waren mitunter sehr fraglich. Ich kann dir lieben Leser, so du die Strecke nachfahren möchtest, nur empfehlen, mit scharfen Auge nachzusehen und -lesen, wo wir bei der Wegewahl ins Klo gegriffen hatten. Die Strecke 1:1 nachzufahren, solltest du lieber lassen und dann doch auf die anderen verlinkten Touren in Tschechien zurückgreifen.
Hi!
Ähnlich eurer Tour bin ich auch gefahren – inspiriert von der viaczechia-Seite,
wo man diverse Touren herunterladen kann
Ich war allerdings mit dem Reiserad unterwegs und hab – auch auf den Klet – viel geschoben.
Teil 1 ist schon online (CZ von Nord nach Süd), Teil 2 folgt noch diese Woche…
LG, Rudi
Hey Rudi,
eine herrliche Gegend oder?
Diese tausenden Moldau-Schleifen waren echt der Hammer.
Nur die fehlende Infrastruktur und der manchmal arg wilde Wegverlauf schmälerten etwas das Vergnügen. Ich hab deinen Bericht noch nicht gelesen, aber wie hat es denn bei dir mit der Versorgung geklappt? Hattest Du mehr Glück?
Viele Grüße
Matthias
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