Dies ist die Fortsetzung der Beschreibung von Schottland – Teil 1.

Etappe 4

Daten:
94,04 km   15,2 km/h   6:10:59 h   873 hm

Orte:
Laggan – Pattack Falls – Loch Laggan – Spean Bridge – Fort William

Übernachtung:
Ossians Hotel >> booking.com*

Für den ersten Teil des Tages nach Fort William hatten wir keine Karte. Im Ort merkten wir wir uns zumindest bis zum Loch Laggan einige Wege. Also zweigten wir vor dem See von der Straße ab, besichtigten einen Wasserfall und fuhren dann auf der „linken“ Seite den ganzen See entlang. Hier staunten wir über die teils mächtigen Bäume und waren froh etwas aus dem Wind zu kommen. Zwischendurch lag direkt am Ufer des Sees ein herrliches Schloss – fotoreif präsentiert.

Am Südzipfel hatten wir dann auch endlich wieder eine Karte auf dem Gerät zur Verfügung und wir hatten bei der Wegwahl einen goldenen Finger. Genau im richtigen Augenblick, in einem „Dorf“ im Nirgendwo, eigentlich war es nur eine Ansammlung von Häusern, stand da eine Imbissbude im Feld. Es gab Burger, Chips und Kaffee – perfekt. Hier ließen sich auch die letzten Tropfen des Tages nieder. Den Motocross, der Grund für die Imbissbude an der Stelle, beachteten wir mal nicht. Nach einem kurzen Straßenstück bogen wir unter Nutzung einer echten Wackelbrücke wieder auf echte Wege ab. Die Durchquerung eines Gehöfts hätten wir wohl besser mit großen Gummistiefeln machen sollen – alles war voller Pampe und Schafskacke.

Über tausend Gatter und besungen vom vielen Gemähe der kleinen Lämmchen erreichten wir Spear Bridge. Kurze Pause für Scones und Kaffee und dann ging es über breite Schotterpisten mit Blick auf den weißen Ben Navis zum örtlichen Bikepark. Als Sabine-Spitz-Gedächtnisrunde fuhren wir den Weltcupkurs noch als Tagesabschluss ab. Es war schon erstaunlich wie traillastig der Kurs war – hatte schon was. Quartier bezogen wir dann in einer echt speziellen Absteige. Nach ein paar Bier und dem Abendessen glotzten wir noch etwas blöd fern und naschten sinnlos rum.

Blick auf Loch Laggan mit angebauten Castle
Blick auf Loch Laggan mit angebauten „Castle“
Ben Navis grüßt freundlich
Ben Navis grüßt freundlich

Etappe 5

Daten:
75,8 km   12,8 km/h   7:08:24 h   1867 hm

Orte:
Fort William – Kinlochleven – Kingshouse – Loch Tulla – Crainlarich

Übernachtung:
Ben More Lodge >> booking.com*

Sepps Gastkommentar:

Nach einem leckeren Self catering auf Basis der Delikatessen des nahen TESCO-Marktes ging es bei strahlend bleuen Himmel steil hinaus aus Fort William. Zu linker Hand zeigt Ben Navis noch einmal seine Flanke bevor andere schneebedeckte Gipfel das Panorama dominierten. Die Strecke führte steil und wellig auf Asphalt in ein Tal bis wir den West Highland Way erreichten. Von hier geht es steiniger, aber fahrbar weiter.

Die Gegend wirkte mehr und mehr einsamer, ebenso wie wir uns die Highlands vorstellten… doch dann begann der nicht mehr enden wollende Strom an Wanderern. Eine nicht abreißende Anzahl kam und permanent entgegen. Stellenweise vermuteten wir hinter der nächsten Biegung eine Bahnstation oder Bushaltestelle. Wir mussten anerkennen, das dieser Weg sehr sehr stark frequentiert war. Nach einer steinigen steilen Abfahrt nach Kinlochneven gab es zur Belohnung erst einmal ein Käffchen. Gespannt konnten wir dabei einer örtlichen Fachkraft mit Laubbläser zuschauen, wie das frisch gemähte Grün erst in die eine und dann von dort wieder in die Gegenrichtung geblasen wurde. Wir waren nicht ganz dahinter gestiegen, was die Strategie dabei war…

Der nun folgende Anstieg forderte die Waden wieder zu 100 Prozent! Neben den Rohren des Wasserkraftwerks ging es zackig bergan. Ein paar Höhenmeter ließen sich so fahrbar bewältigen bevor der Trail steinig und ausgesetzt wurde, sodass fahren ehern selten wurde. Am Ende des Anstiegs erwartete uns ein beeindruckendes Panorama. Noch getopt von dem Kampfjet im Tiefflug. Eine rockige Abfahrt brachte uns mit Fahrspaß ins Tal. Mal abgesehen von der Straße und dem Verkehr beeindruckte vor allem diese typisch schottische Landschaft. Zum Glück führte der Weg abseits der Straße durchs Tal. Den freundlichen Akt eines Schotten ein Schafsgatter für uns offen zu halten, dankte Herr B. mit einem Stunt der mit Bodenkontakt endete. Zum Glück nix passiert, also weiter durchs Tal bis ans Kingshouse … Mittag!

Dank fantastischem Wetter konnten wir dabei das Panorama genießen, den den Gleitschirmfliegern zuschauen und selbst ein paar Rehe kamen vorbei. Der Weg kreuzte die Straße Richtung Lift. Etwas steinig, holprig aber fahrbar gings weiter. Immer neue fantastische Blicke taten sich auf… man hätte permanent Panoramafotos machen können. Als Besonderheit des heutigen Tages gab es ein kurzes Stück leichten Gegenwind, ansonsten weiter auf den nun mit Pflaster befestigten Weg. Wir ließen es laufen. Hinter Tyndrum gabs ein lecker flowiges Stück Weg, bevor der Weg die Straßenseite wechselte und durch Farmgelände führte. Wieder zurück auf die andere Straßenseite gab es noch ein paar ordentliche Anstiege, dafür auf wunderschönen Waldpfaden bis Crainlarich.

gewaltiges Schottland
traumhaftes Schottland
nach dem Kingshouse öffnet sich die Landschaft
nach dem Kingshouse öffnet sich die Landschaft

Etappe 6

Daten:
99,41 km   9,0 km/h   8:10:36 h   50,8 km/h   932 hm

Orte:
Crainlarich – Loch Lomond – Inversnaid – Tarbet – Glasgow

Übernachtung:
Euro Hostel Glasgow >> booking.com*

Und schon war er da, der letzte Tag. Das ging am Ende wie immer schneller als gewünscht. Die ersten Meter des Tages machten Freude und waren recht freundlich zu uns. Dabei ging es auf dem Weg des Vortags zurück, was soviel wie ein ordentlicher Anstieg durch geringfügig Wald bedeutete. Dann folgte eine längere Abfahrt bis nach Inverarnan, wo uns nochmals ein ordentlicher Stich erwartete. Von da oben hatte man aber einen grandiosen und weiten Blick über den Loch Lomond. An dessen Ostufer sollte es nun weitergehen.

Die ersten Meter waren auch noch in Ordnung, auch wenn man schon hin und wieder schieben musste, aber so ist das ja meistens mal auf einer Tour. Irgendwann machte es immer weniger Spaß und fing an zu nerven. Zwei entgegen kommende Radler machten wenig Hoffnung und so bissen wir uns an Leitern sowie schmalen und kaum passierbaren Passsagen da direkt am Ufer eines schönen Sees die Zähne aus. So ging viel Zeit ins Land und wir kamen kaum vorwärts. So erreichten wir erst recht spät den Schiffsanleger bei Inversnaid, wo wir erstmal zum Mittag einrückten und überlegten wie es denn nun weitergehen sollte. Denn immerhin war Glasgow als Ziel für heute fest gesetzt.

Da es nicht absehbar war, ob der Rest des Wegs genauso mies weiterging wie bisher, entschieden wir uns mit der Fähre überzusetzen und auf der anderen Seeseite den eingezeichneten Radweg zu nutzen. So schipperten wir gemütlich über den See (ohne hölzern Wurzel) und genossen die Ruhe des Dieselaggregats hinüber nach Tarbet. Als Expresszug ging es dann am westlichen Ufer Richtung Süden, was nicht sonderlich spannend oder attraktiv war. Nach einer so gestalteten umfangreichen Beule im Routenverlauf, trafen wir später sogar wieder auf unseren Wunschpfad, nicht ohne zwischendurch noch einen Scone zu verdrücken (in Croftamie).

Der Weg hinein nach Glasgow war eine wahre Überraschung. Man wird durch ein grünes Bands direkt ins Zentrum der Stadt geführt. Hier wartete unser nicht sehr überzeugendes Hotel auf uns und so zogen wir abends noch etwas um den Block. Am nächsten Morgen gönnten wir uns ein Frühstück bei einem Bäcker, wobei er uns sogar etwas Gebäck wegen fehlender Bargeldbestände schenkte. Dann packten wir unsere Räder in die schon mit den Hufen scharenden Kartons und schleppten diese sperrigen Dinger bis zur weit entfernten Bushaltestelle. Nach harten Verhandlungen, wegen bereits voller Fächer, durften wir dann doch noch mit den Kistchen mitfahren. Und so hob unser Flieger schon bald Richtung Kontinent ab…

Schottland, Du hast uns gefallen!

ein noch freundlicher Ausblick auf den Loch Lomond
ein noch freundlicher Ausblick auf den Loch Lomond
der weniger charmante Teil des Uferwegs
der weniger charmante Teil des Uferwegs

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