Dies ist die Fortsetzung der Beschreibung von England – Teil 1.

Etappe 4

Daten:
49,69 km   11,3 km/h   4:23:00 h   51,4 km/h   979 hm

Orte:
Kirkby Stephen – Tan Hill Inn – Keld – Gunnerside – Reeth

Übernachtung:
Arkleside Country Guest House >> booking.com*

Den ganzen Morgen plauderten wir noch mit der Wirtin über Dies und Das – es war wirklich richtig nett. Und das Quartier als solches war so richtig liebevoll englisch eingerichtet. Und so starteten wir mit frischen Sachen in einen neuen Tag. Die Papageien (die ollen Störenfriede vom Morgen) betrachteten uns sicherheitshalber nur aus der Ferne. So ging es gemütlich auf vielen kleinen Straßen durch das Land.

Irgendwann erreichten wir dann doch einen Matschepatschepfad, welcher in einer spektakulären Flussüberquerung endete. Es war schon eine gewisse Qual durch diesen durchnässten und unbefestigten Boden vorwärts zu kommen. Kurz nach dem Erreichen der Straße, kam der erste Regen des Tages. Glücklicherweise war das Bergrestaurant Tan Hill Inn nicht weit weg und so flüchteten wir vorerst da rein und probierten die nächsten lokalen Gebräue. Die folgende Abfahrt war von unten recht feucht und von oben äußerst stürmisch. Und so zweigten wir schon bald auf die Straße ab. Der Modderweg hätte nur sinnlos Kraft und Zeit gekostet, zumal schon wenig später ein Schotterweg lockte. Und so zog sich der Weg in einem steten Auf und Ab durch das Tal und natürlich durch so manches Gatter.

In Low Row kehrten wir nochmals in einem Cafe ein und als der Regen nicht enden wollte, entschieden wir uns gegen die geplante Schleife am Berg und drückten auf Straße bis nach Reeth. Der Ort war nicht wirklich so pralle, dafür pflegten wir am Abend ordentlich Konversation und schauten beim Bier englischen Fußball.

grün, grüner, Lakelands
grün, grüner, Lakelands
Gatter der besonderen Art
ein Gatter der besonderen Art

Etappe 5

Daten:
73,64 km   15,8 km/h   4:38:14 h   60,3 km/h   1100 hm

Orte:
Reeth – Richmond – Scorton – Brompton – Osmotherley – Scugdale – Chop Gate

Übernachtung:
The Buck Inn >> booking.com*

Sepps Gastkommentar

Ein spätes Frühstück in einem sonnendurchfluteten Raum ließ uns bereits ahnen, dass es beim Tourstart spätestens regnen muss… und welch Überraschung, wir wurden nicht enttäuscht! Zum Glück wurde der Spaß binnen 5 Minuten vorbeigepustet und wir starteten bei lockerer Bewölkung und viel Sonnenschein. Unglaublich wie schön es auf einmal überall war. Selbst die eher fad wirkenden Berge zeigten mehr Kontrast.

So cruisten wir mit viel Rückenwind über leichtes Gelände, entlang bezaubernder Flusslandschaften bis Richmond, wo uns ein paar Tropfen der vorbeiziehenden Wolken streiften … aber nicht der Rede wert. In Richmond gab es wieder ein Beispiel leckerster englischer Küche zu genießen. Noch ein wenig Sightseeing und wir klinkten uns wieder in den Westwind, der uns durch die Ebene drückte. Leider mit viel Straße heute, aber irgendwie auch entspannend, mal abgesehen von der einen großen Hauptstraße.

In Brompton wurde es Zeit die Reserven aufzutanken. Leider gab es im Pub nix Kulinarisches, dafür den Tipp fürs Village Inn ein paar Meter weiter. Auch wenn die warme Küche kurz nach 2 angeblich schon runtergefahren war, so gab es zumindest Sandwiches und für jeden ein Pint. Letzteres schien mir etwas auf die Kondi zu schlagen, aber zum kurbeln reichte es allemal noch. Hinter Osmotherly (im übrigen ein optisch nett wirkender Ort zum übernachten) ging es dann endlich wieder offroad weiter. Der Weg wird beim Downhill zum Trail und eröffnet einen weite Blicke in die Ebene. Nach dem kurzen Downhill führte der Weg auf netten Wegen zur Abwechslung mal durch Wald … ja auch das gibt’s!

Weiter auf Straße, den finalen Anstieg ansteuernd begann dann die Phase der hoppelnden Wiesen. In der Gegend gab es deutlich mehr Hasen als alles andere und alle Häschen brachten sich in Deckung. Getoppt wurde der tierische Spaß noch durch unzählige Fasane, welche dem Ganzen den akustischen und farblichen Rahmen gaben. Auf dem letzten Pass gaben uns ein paar Graupelkörner des nahen Schauers zu verstehen das keine Zeit zu verlieren war. In Chop Gate quartierten wir uns im The Buck Inn ein und es konnte nicht anders kommen: in dem Moment öffnete der Himmel wieder seine Schleusen. Na da habe wir ja mal Glück gehabt.

PS: The Buck Inn hat einen deutschsprachigen Wirt und wer dem Ale überdrüssig geworden ist, der kann hier auf Düsseldorfer Union Pils umsteigen.

der nachmittägliche Teil der englischen Küche
der nachmittägliche Teil der englischen Küche
im Scarth Wood Moor
im Scarth Wood Moor

Etappe 6

Daten:
70,75 km   12,7 km/h   5:31:58 h   65,9 km/h   1370 hm

Orte:
Chop Gate – Urra Moor – Westerdale – Glaisdale Rigg – Glaisdale – Sleights Moor – Robin Hood’s Bay

Übernachtung:
Clarence dene >> booking.com*

Das Buck Inn wurde ja von einem recht redseligen Kerl, deutschen Ursprungs geführt, was uns aber nicht davon abhielt uns am Morgen auf unglaublich englische Art und Weise den Bauch vollzuschlagen. Mit dieser Methode kann man eine Mittagspause i. ü. ziemlich gut nach hinten schieben. Selbst als völlig austrainierter Profiathlet, der sonst bereits nach 23 Minuten wieder Hunger hat, sind so einige Stunden drin.

Mit Sonne im Gesicht und Wind im Rücken zog es uns hinauf in das Urra Moor. Nachdem wir aus England zurück waren, hab ich i.ü. mal nachgeschlagen was ein Moor ist: das Moor, die Heide, das Ödland, der Sumpf. In dem Fall war es wirklich ein riesiges, auf einem Hochplateau liegendes Heideland. Sehr lange konnten wir uns dann um tausend Ecken und Umwegen in der unwirklich wirkenden Landschaft in der Höhe halten. Dabei zog schon mal links und rechts von uns ein ordentliches Wetterchen durch – wir wurden aber diesmal erstaunlicherweise immer verschont.

In einem kleinen beschaulichen Tal gönnten wir uns eine kurze Windpause, futterten ein paar Riegel und philosophierten über zukünftige Investitionen ins Rad. Dann ging es wieder hinauf in dieses karge Gebiet, wo nicht einmal mehr tote Hasen in der Gegend herumlagen. Durch das permanente kreuz und quer fahren hingen wir hin und wieder mal voll im Gegenwind – ohwei, das war dann immer hammerhart. Sollte jemand tatsächlich so bescheuert sein und die Route mal von Ost nach West zu fahren? Na dann, schönen Glühstrumpf.

In Glaisdale gönnten wir uns eine echte Mittagspause bei Tee und Kartoffel. Die erste Rampe danach verkrafteten wir noch ganz anständig, die zweite wurde dann aber mal echt anstrengend. Volles Rohr (laut Schildern mal wieder 30 Prozent) zog hier die Straße hinauf in das nächste Heideplateau hinein. Und hatte es mir vor Glaisdale noch den Hinterreifen auf einer Abfahrt zerlegt, so war jetzt der Nächste dran. Auf einem von uns ganz hübsch herausgesuchten Pfad entschied sich der Schlauch just in dem Moment sich zu zerlegen in der die einzige Husche des Tages sich über uns entlud. Und so rollten wir beide mit einem Ersatzschlauch am Rad in der Robin Hoods Bay ein und durften dank leichter Ebbe ein paar Fotos inmitten der Nordsee machen.

Eigentlich sollte noch eine letzte winzige Etappe bis nach Scarborough folgen, aber der am Abend kredenzte Guiness Pie löste bei mir ungekannte Bauchkrämpfe aus, die am nächsten Tag noch eine ganze Weile anhielten und so gar nicht ans Radfahrn zu denken war. Und so fuhr uns freundlicherweise der Gastgeber mit seinem Auto bis zum Bahnhof.

Ein unwürdiger Abschied für eine tolle Tour. Auch wenn die Höhenmeter recht schmal aussehen, so haben wir sicherlich aufgrund der Wegkonsistenz bzw. -viskosität die gleiche Menge Energie verbraten wie bei 3000 Höhenmetern mehr. Fazit: Viel Regen, viel Matsch, leckerstes Essen, gutes und vielseitiges Bier, große Gastfreundschaft und schöne Landschaft. Eine etwas andere, aber gelungene Tour!

das Moor, die Heide, das Ödland, der Sumpf
das Moor, die Heide, das Ödland, der Sumpf
Zielparty in der Nordsee
Zielparty in der Nordsee

zurück zu England – Teil 1 | zur Tourenübersicht | oder zur Startseite