Das böhmische Paradies ist ein echtes Paradies.

böhmische Kringelei – durchs Lausitzer-, Jeschken- und Isergebirge

Direkt vor unserer Dresdner Haustür liegen ein ganz paar schicke kleine Gebirge, die wir in den letzten Jahren konsequent bereisten. Auf dieser Tour durch das Lausitzer Gebirge, das Jeschkengebirge, das böhmische Paradies sowie dem Isergebirge fanden wir eine wudnerschöne Landschaft vor, die mit zahlreichen Highlights garniert ist. Diese Mountainbike-Tour führt dabei auf tollen Trails durch faszinierende Felslandschaften und -formationen.

Im Folgenden werde ich immer wieder zwischen den tschechischen und deutschen Stadt- und Landschaftsnamen hin- und herspringen – je nachdem wie es gerade beim Schreiben besser gepasst hat. In der Etappenübersicht habe ich versucht beide Namen einzutragen.

Länge: 384,7 km
Höhe: 9.094 hm
Etappen: 6
Jahr: 2024

>> Karte / GPS-Daten

Etappe 1: von Zittau nach Heřmanice v Podještědí

Daten: 71,3 km   11,4 km/h   6:16:27 h   48,5 km/h   1.553 hm

Orte: Zittau – Jonsdorf – Sirný pramen (Schwefelquelle) – Milštejn (Mühlstein) – Dutý kámen (Hohlstein) – Cvikov (Zwickau in Böhmen) – Sloup v Čechách (Bürgstein) – Slavíček (Slabitschken) – Felsenkirche Sloup – Pusté kostely (Wüste Kirchen) – Heřmanice v Podještědí (Hermsdorf)

Übernachtung: Penzion My Lady II

Schwefelquelle und Felsentor Mühlstein

Wir starteten unsere Tour am Bahnhof von Zittau, kreutzten diese schöne kleine Stadt und fuhren auf kleinen Sträßchen und Feldwegen ins Zittauer Gebirge. Dabei strahlte der Himmel in einem wunderschönen Blau. In der Nähe zur Lausche bei Waltersdorf überquerten wir die grüne Grenze nach Tschechien.

Die wunderschöne Schwefelquelle, die dort ganz unscheinbar am Straßenrand auf einen Besuch wartet, erstrahlte wieder in prächtigsten Farben. Wir hatten sie ja bereits im Vorjahr besucht. Und nur kurz hinter der Quelle lag das Felsentor Mühlstein. Hammer, was die Natur da geformt hat!

Und das Feuerwerk ging ununterbrochen weiter. Zahlreiche Sandsteinformationen standen Seite an Seite und luden zum Betrachten und Staunen ein. Es gab auch reichlich Verzierungen zu entdecken, die da unsere Vorfahren in den Stein gehauen hatten. Hervorheben darf man getrost den Hohlstein mit dem Theodor-Körner-Denkmal.

In Zwickau mussten wir die Eindrücke erstmal sacken lassen. Dafür bot sich die Brauerei doch als ein ausgezeichneter Ort an. Hier gab es lecker Bier und ein schönes Essen.

Sahnetrail und Felsenkapelle von Sloup

Frisch gestärkt ging es nun über einen ganz feinen Sahnetrail Richtung Ortelsberg, den wir aber links liegen ließen. Alles kann ich hier gar nicht wiedergeben, da würde ich mir die Finger wund tippen. Aber die Felsenkapelle von Sloup muss man noch erwähnen. Das ist schon mächtig gewaltig! Da steht man inmitten der Sandsteinwände und ist beeindruckt, was da in den Stein gehauen wurde. Ein Pflichtbesuch für jeden, der die Gegend erkundet.

Unser Quartier fanden wir im schönen Hermsdorf in einer kleinen Pension. Knoblauchsuppe, Abendessen und ein Slivovic standen auf dem Programm, sodass ein langer und schöner Tag gemütlich ausklang.

Etappe 2: von Heřmanice v Podještědí nach Hoření Paseky

Daten: 58,2 km   9,6 km/h   6:05:18 h   48,8 km/h   2.063 hm

Orte: Heřmanice v Podještědí (Hermsdorf) – Sokol (Falkenburg) – Vraní skály (Rabensteine) – Bílé kameny (Elefantensteine) – Vápenný (Kalkberg) – Kryštofovo Údolí (Christofsgrund) – Ještěd (Jeschken) – Hoření Paseky (Oberpassek)

Übernachtung: Penzion pod Ještědem

Rabensteine und Elefantensteine im Lausitzer Gebirge

Der Morgen begann mit einer kleinen Schleife zum Hermsdorfer Wasserfall. Nunja, seien wir ehrlich – den hätten wir uns auch sparen können. Vlt. war auch einfach nur zu wenig Wasser im Bach… Den unglaublich markanten Berg Sokol mussten wir natürlich rauf. Da die Vegetation gerade erst am Wachstumsanfang stand, hatten wir sogar etwas Ausblick ins Umland. Ebenso konnten wir uns ein wenig die wenigen Reste der alten Burg anschauen. Es war echt lieblich hier oben, aber es ging auch flott wieder bergab.

Mit etwas Auf und Ab ging es nun bis zu den Rabensteinen. Hier kletterten wir etwas herum, genossen die Sonne und den Blick ins Lausitzer Gebirge. Nur wenig später kamen wir an einer wunderschönen Passage mit zahlreichen Kletterfelsen vorbei. Es war schon wieder ein Feuerwerk an Eindrücken.

Ein Höhepunkt waren dann die Elefantensteine. Diese weißen Prachtkerle liegen da ganz unscheinbar im Wald. Und man muss schon wissen, was man sucht. Denn von der Straße aus sieht der geneigte Autofahrer rein gar nichts und rauscht daran vorbei. Unser Weg führte uns aber unmittelbar an den Prachtexemplaren vorbei. Lustig anzusehen, sind auch die “Fußabdrücke” im Fels. Den besten Blick auf die Kolosse hat man von der Wiese davor.

Über Christofsgrund hinauf auf den Jeschken

In Jitrava gönnten wir uns in dem Hostinec eine feine Kofola. Ich würde mal behaupten – ohne es zu wissen – das wir nun das Lausitzer Gebirge hinter uns ließen und das Jeschkengebirge betraten. Es ging nun ordentlich bergan – bis auf den Vápenný. Und von dann hinab nach schicke Christofsgrund, wo wir bei einem kleinen Imbiss einkehrten.

Nun aber hoch auf den Jeschken. Der erste Teil war recht steil, dann wurde es moderater und wir erreichten über das Skigebiet den Gipfel. Nunja, berauschend ist der nicht wirklich. Das Panorama hingegen schon. Und so kann man da oben den Blick rundum und weit schweifen lassen. Die Abfahrt war kurz und knackig und wir fanden uns schon bald in Hoření Paseky wieder, wo wir unser Lager nach anfänglichen Kontaktierungsproblemen bezogen.

Ich legte allein noch eine kleine Zusatzschleife ein und besuchte noch die Höhle Jeřmanská Skála.

Etappe 3: von Hoření Paseky nach Turnov

Daten: 68,4 km   11,7 km/h   5:49:48 h   45,3 km/h   1.531 hm

Orte: Hoření Paseky – Rašovka – Riesenfass Javorník – Hodkovice nad Mohelkou (Liebenau) – Schloss Sychrov (Sichrow) – Turnov (Turnau) – Burg Valdštejn (Waldstein) – Schloss Hrubá Skála (Groß-Skal) – Hrad Trosky – Turnov (Turnau)

Übernachtung: Bohemia Inn Hotel

Riesenfass und Schloss Sychrov

Am Morgen ging es wieder hinauf Richtung Jeschken – aber nicht ganz hinauf. Ab dem Skigebiet konnten wir schön auf dem Kamm fahren und diese herrliche Weite nach Süden bewundern. Bis Rašovka ging es mehr oder weniger nur bergab, dann zum Riesenfass Javorník wieder hinauf. Man reibt sich da erstmal die Augen, was denn da in die Landschaft gezimmert wurde. Wenn man damit fertig ist, bestellt man aber zackig ein Bier 🙂

Dann ging es schnurstracks hinab nach Liebenau, womit wir auch das Jeschkengebirge hinter uns ließen. Nach wenigen Metern erreichten wir das Schloss Sychrov. Anfänglich taten wir uns mit der Findung eines Eingangs reichlich schwer. Nachdem wir aber das Ziel ordentlich eingekreist hatten, standen wir im Hof dieses imposanten Baus. Ein Fotoshooting stand da doch spontan auf dem Programm.

Turnov überzeugte erstmal nicht so richtig, aber umso feiner war dann der kredenzte Kuchen samt Limo und Kaffee. Die Sonne strahlte und so ließen wir es uns gut gehen. Ein schöner Kringel lag nun vor uns, denn letzten Endes werden wir in Turnau dann wieder einfallen und nächtigen.

Felsen, Trails und Schluchten im böhmischen Paradies

Nun ging es rein ins böhmische Paradies, beginnend mit einem Anstieg zur Burg Valdštejn. Diese wurde natürlich ordentlich besichtigt. Bei der folgenden Kringelei muss ich mich kurz fassen. Hier reiht sich ein Highlight, egal ob in Form von Felsen, Ausblicken oder Trails, an das andere. Es war ein Paradies – ein böhmisches Paradies. Auch das Schloss Hrubá Skála nahmen wir unter die Lupe – samt Turmbesteigung. Es war einfach nur wunderschön!

Typen wie wir sind, versuchten wir natürlich auch mit unseren Rädern durch das Felslabyrinth zu kommen. Hier scheiterten wir dann aber in der Schlüsselstelle an der Fahrzeugbreite. Was ein herrlicher Spaß – ich könnte ewig schreiben… Aber wir wollten ja noch zur Burg Trosky. Ein Extra-Kringel musste her. Nur leider kamen wir zu spät und fanden nur noch eine verschlossene Anlage vor. Schade, aber bei dem Highlight-Feuerwerk des Tages, war das verschmerztbar und wir standen ja schließlich davor uns konnten gucken.

Nun aber fix zurück nach Turnau. Hier bezogen wir unser Quartier und schwoften noch etwas durch die Stadt und bestaunten die Auslagen.

Etappe 4: von Turnov nach Tanvald

Daten: 65,0 km   11,5 km/h   5:38:12 h   53,1 km/h   1.623 hm

Orte: Turnov – Felsenburg Rotštejn (Rothenstein) – Besedické skály – Železný Brod (Eisenbrod) – Burg Návarov (Nawarow) – Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) – Neißequelle – Tanvald (Tannwald)

Übernachtung: Hotel Grand

Felsenburg Rothenstein und Labyrinth Besedice

Den Tag begannen wir mit einem Ausflug in die Felsenstadt von Klokočí, welche im Sandsteinfelsgebiet Klokočské skály liegt, wobei wir Kurs auf die Felsenburg Rothenstein nahmen. Wieder waren wir schwer beeindruckt. Vielleicht können ja die Fotos etwas vom Spektakel vermitteln.

Und weiter ging es mit dem Felsenlabyrinth Besedice. Auch hier zirkelten wir unsere Räder auf schmalen Pfaden durch die Sandsteinschluchten. Das war durchaus manchmal recht kniffelig und so mancher Wanderer schüttelte einfach nur verständnislos den Kopf 🙂

Nun erreichten wir die schöne Iser. Wir folgenden deren Ufer über viele Kilometer, genossen das Rauschen des Flusses und den Blick ins Wasser. Ein kleines Highlight war dabei die Burg Návarov. Weniger schön war, dass Sepps Vorderradbremse ein Eigenleben entwickelte und vorn einfach zu machte. Was ein Kack. Alles Fummeln half nicht, da musste ein Profi ran.

Bremsenpech und Umweg über Jablonec

Also Handy gezückt und nach Radläden gesucht. Die nächsten Möglichkeiten lagen zwar nicht unmittelbar auf dem geplanten Weg, aber Jablonec war nun auch kein Mega-Umweg. Also suchten wir uns eine passende Strecke raus und fuhren da rüber. Der erste Radladen konnte uns leider nicht helfen, der zweite aber schon. Na bloß gut!

Unser neuer Weg führte uns noch zur Neißequelle und der Tag endete in Tanvald. Das Hotel war, obwohl es bei booking ganz gut bewertet war, voll krass retro und alt. Gefühlt ist das Ding in den 70ern oder 80ern eingefroren worden. Hmm, aber wir sind hart im nehmen…

Etappe 5: von Tanvald nach Nové Město pod Smrkem

Daten: 66,2 km   11,3 km/h   5:52:13 h   46,7 km/h   1.634 hm

Orte: Tanvald – Tanvaldský Špičák (Tannwalder Spitzberg) – Albrechtice – Jizerka (Klein Iser) – Hala Izerska (Große Iserwiese) – Chatka Górzystów – Smrk (Tafelfichte) – Nové Město pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte)

Übernachtung: bike-Hotel Měděnec

Alte Bobbahn und Bikepark am Špičák

Über die alte Bobbahn verließen wir Tanvald und erklommen den Špičák. Das war schon reichlich spektakulär, wie da die alten Steinwände Steilkurven bildeten. Das muss damals ein herrliches Spektakel gegeben haben.

Vom Špičák hatten wir einen tollen Ausblick in Richtung Isergebirge. Durch zahllose Kehren flogen wir im Bikepark anschließend ins Tal hinab. Der Trail war gut und flowig angelegt und so standen wir leider bereits nach kürzester Zeit im Tal in Albrechtice.

Nun ging es rein ins Isergebirge und entlang der Weißen Desse – mit dem nächsten Stopp an einem alten ehemaligen Staudamm. Dieser war am 18.9.1916 gebrochen und hatte große Verwüstungen und viel Leid im Tal hinterlassen. Der alte Kontrollturm steht noch immer in der Landschaft und erinnert an das Unglück.

Hochmoore und die Große Iserwiese

In Jizerka legten wir eine kleine Pause im Restaurant ein. Ich fuhr fix allein noch einmal zu einem als Highlight markierten Hochmoor. Aber ehrlich – der Sepp hatte recht: das war sinnlos – auch wenn ich sowas nicht gern schreibe. Das ganze Hochplateau hier oben war aber wunderschön und herrlich ruhig. Wir kamen jetzt ins Grenzgebiet zu Polen, wovon man heutzutage natürlich nichts mehr merkt.

Das es hier oben auf der Großen Iserwiese früher eine ganze Ortschaft gab, sieht man nicht mehr. Leider wurde der größte Teil nach 1945 zerstört. Nur noch die Chatka Górzystów zeugt davon – dies war die Schule des Ortes. Wir fuhren weiter Richtung Tafelfichte und hielten dabei fleißig Ausschau, ob wir die Quelle der Iser finden würden. Wahrscheinlich gibt es hier oben gar nicht die eine Quelle. Alles ist hier hochmoorig, sumpfig und voller Quellen. Nun – schick war es allemal.

Finale auf der Tafelfichte. Abfahrt ohne Singletrek. Knoblauchsuppe und Bier 🙂

Etappe 6: von Nové Město pod Smrkem nach Görlitz

Daten: 55,6 km   13,6 km/h   4:05:11 h   53,3 km/h   690 hm

Orte: Nové Město pod Smrkem – Świecie – Grabiszyce Średnie (Mittel Gerlachsheim) – Zawidów (Seidenberg) – Niedów-/Witka-Stausee – Berzdorfer See – Görlitz

Durchs Unterholz im Grenzgebiet

Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man hier in Nove Mesto ist und nicht auf dem Singletrek Gas giebt. Naja, wenigsten ein paar wenige Meter nahmen wir an dem Morgen unter die Stollen. Im folgenden Grenzgebiet taten wir uns mit der Wegfindung etwas schwer. Da mussten wir schon etwas durchs Unterholz kriechen. Aber Helden wie wir – das findet sich am Ende alles…

Die folgenden Kilometer sind schwierig zu beschreiben. Über Felder, durch Wälder und meist nicht so schöne Ortschaften schlängelten wir uns entlang der Polnisch-Tschechischen-Grenze. Die Natur war herrlich und so kamen wir gut voran.

Tourabschluss am Berzdorfer See

Am Wittig-Stausee legten wir noch eine kleine Klettereinlage ein und rollten dann rüber zum Berzdorfer See. Hier pausierten wir an der Strandbar und feierten gemütlich in der Sonne und beim Abschiedsbier das Tourende.

Das war schon eine mordsgeniale Runde, die wir da gedreht hatten. So ein unfassbares Feuerwerk an Trails, Felsen, Berge und Natur hatten wir selten. Und ein Gebirge jagte das nächste. Es ist einfach sagenhaft, was wir für eine prächtige Landschaft vor unserer Haustür haben. Ich bin hier mega-gern unterwegs. Prädikat: unbedingt nachfahren!


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