Eigentlich wollten wir auch dieses Frühjahr in den Süden aufbrechen und uns im Warmen für die Saison einfahren. Aber irgendwie hatten wir alle zum einen keine Lust ewig weit mit dem Auto oder dem Flieger zu reisen, noch klappte es mit einer längerfristigen Terminplanung. Und so setzten wir einen lange gehegten Plan einer Sachsendurchquerung in die Tat um, um unsere Heimat einmal näher kennen zulernen. Ich suchte dabei eine Route von der westlichsten Stadt Sachsen, zur südlichsten bis in die östlichste. Dabei lernten wir das Vogtland, das Elstergebirge, das gesamte Erzgebirge, die Lausitz sowie das Zittauer Gebirge kennen. Die absolvierte Fahrleistung entsprach dabei in etwa der einer Transalp, nur waren hier die Anstiege um einiges kürzer dafür aber knackiger. Hinzu kommt das man deutlich mehr Abwechslung erlebt und schon am Abend stark nachdenken muss was eigentlich wo war.

Länge: 320,8 km
Höhe: 11.386 hm
Etappen: 8

Etappe 1

Daten:
85,33 km   13,1 km/h   6:28:16 h   48,2 km/h   1462 hm

Orte:
Mühltroff (480) – Reuth – Kemnitzquelle – Stausee Dröda – Platzerberg (629) – Tetterweinbachtal – Bad Elster – Plattenberg (683) – Bad Brambach – Kapellenberg (757) – Schönberg (550)

Die Nacht vor dem Start zum Sachsencross verbrachten wir in Pausa. Die zwingend erforderliche Einnahme der Erdachsenschmiere versüßte uns die kulinarische Vorfreude auf die Tour. Die restlichen Meter zum Startort Mühltroff (der westlichsten Stadt Sachsens) wurden wir dann noch mit dem Auto gefahren, wo es dann endlich losging. Recht einfach zogen wir die ersten Kilometer über kleine Straßen und Forstwege bis zur Kemitzquelle, alles bei deftigem Gegenwind und sich dadurch anbahnenden Kopfschmerzen. Hinter Grobau ging es dann direkt auf dem alten Plattenweg der alten innerdeutschen Grenze entlang – mittlerweile alles gottverlassen und verwachsen. In Großzöbern gabs erst mal Mittag. Die Kneipe war echt abgefahren, kam aber genau zur rechten Zeit, denn so schnell kam danach nichts mehr.

Was folgte war der beschauliche Stausee Dröda, nur leider fing es hier mit leichtem Regen an. Wir schlängelten uns so quer über Feld- und Wanderwege bis wir uns auf dem gelben Wanderweg über den Platzerberg kämpften und dann echt mühsam immer auf Gelb weiter – mal links, mal rechts und sonstwohin. Der weiche Boden mit den vielen Wurzeln sog uns dabei die Kräfte mit Gewalt aus den Beinen. Ab Ebmath wurde es dann aber zum Glück etwas schonender bis hinab ins wunderschöne Tetterweinbachtal von wo es dann auf einer richtig steilen Rampe auf Blau durch eine NATO-Abschussrampe ging. Hinab nach Bad Elster ging es dann ganz gemütlich über den alten Schlossweg (das Schloss übersahen wir leider) und am Kurbad gönnten wir uns einen leckeren Doppelblechstreuselkuchen mit viel Butter und ner Tasse Kaffee.

Ein ordentlicher Aufstieg ließ uns sofort wieder auf Temperaturen kommen (es waren bisher nur 10 Grad Celsius gewesen). Hinter Zur Alm folgten wir einem richtig netten Singletrail entlang der deutsch-tschechischen Grenze auf Blau entlang. Man musste bei dem glitschigen Untergrund nur höllisch aufpassen, denn die Reifen hatten hier echte Probleme mit der Spurführung. Richtig hinein nach Bad Brambach mussten wir eigentlich nur um Geld abzuheben. Der Ort sah aber trotz des Regens echt nett aus. Beim folgenden gelben Weg mussten wir zwar erst Schieben, der Weg entpuppte sich aber als ein echt hübscher Trail. Die Auffahrt zum Kapellenberg war nicht sonderlich tragisch – die Aussicht konnten wir aber wegen eines aufziehenden Gewitters nicht wirklich genießen.

Mit Blitz und Donner sowie im strömenden Regen fuhren wir hinab nach Schönberg. Blöderweise verwechselten unsere Gastgeber bei der Anfahrtsbeschreibung ein Vorfahrtsschild mit einem Stopschild. Und so kam es, das wir mittlerweile bei Graupelschauer, Regen, Donnerwetter und Sturm am Quartier vorbei fuhren. So kamen wir am Ende kleckenass beim Quartier an. Selbiges war eigentlich eine Ferienwohnung aber wir erweckten scheinbar dermaßen Mitleid das wir zum Grog und Abendbrot in die Stube eingeladen wurden. So verbrachten wir den ganzen Abend bei den redseligen und netten Gastgebern und fielen später in den wohlverdienten Schlaf.

An der Talsperre Dröda
An der Talsperre Dröda
Sonnenschein vor dem Gewitter
Sonnenschein vor dem Gewitter

Etappe 2

Daten:
71,25 km   11,7 km/h   6:02:56 h   71,6 km/h   1842 hm

Orte:
Schönberg (590) – Bad Brambach – Wirtsberg – Sandmanngrab – Hinterer Kegelberg (755) – Forsthaus – Dreirainsteine – Klingenthal (570) – Aschberg (936) – Sachsengrund (750) – Talsperre Carlsfeld – Auersberg (1019) – Sosa (600)

Pünktlich zum Etappenstart öffnete der Himmel wieder seine Schleusen und verregnete uns zum Glück nur die ersten paar Kilometer bis Bad Brambach. Die Piste hinauf zum Wirtsberg drückte uns schön ein Rückenwind hinauf ab wo es dann auf schönsten Wegen durchs Elstergebirge ging. Am Sandmannsgrab wurden wir aufgeklärt, das es noch vor 100 Jahren tatsächlich Sandmänner gegeben hat. Selbige transportieren mühsam über viele Kilometer Sand auf Karren quer durch das Gebirge. Der hier beerdigte Mann hatte an dieser Stelle leider ein sehr tragisches Ende gefunden. In den Wäldern präsentierten sich im weiteren Verlauf die Schäden von der vorhergehenden Gewittersturmnacht. Viele herabgestürzte Äste und umgeknickte Bäume zeigten uns die Wucht des Sturms auf.

Um auf den hinteren Kegelberg zu kommen, wählten wir einen äußerst brutalen Anstieg, welcher selbst schiebend im oberen Bereich kaum zu schaffen war. Dafür erlaubten wir uns für die Abfahrt die Freiheit direkt über die Skipiste ins Tal abzufahren. Nach dem Highlight ließen wir uns im Forsthaus das Essen gut schmecken bis wir auf den nächsten Kilometern bis Klingenthal selbiges gleich wieder aufbrauchten. Die Auffahrt zum Aschberg zog auch wieder ungemein steil bergan – zum Glück aber diesmal auf Asphalt. Der Ausblick war eigentlich keiner – die umstehenden Bäume waren einfach zu hoch gewachsen. Und auf eine Turmbesteigung hatten wir irgendwie keine rechte Lust. Im Sachsengrund gönnten wir uns ein Käffchen samt Kuchen und einer ganz schnell zubereiteten Bockwurst. Diese brauchte etwa 30 Minuten zum garen bzw. platzen – das lag natürlich an uns, denn wir wollten sie ja unbedingt so schnell wie möglich…

Bevor wir zum finalen Anstieg am Auersberg kamen, galt es einen Riesenhaufen entwurzelter Bäume zu queren – eine echte Herausforderung, aber das kann uns natürlich nicht verschrecken. Die Auffahrt zum Auersberg war reinster Psychoterror – eine schnurgerade Asphaltpiste zieht mit fast 20 % direkt hinauf. Mit letzter Kraft gings hinauf und kurz danach auf der anderen Seite hinab bis Sosa. Im Fröhlichgut fanden wir ein gutes Quartier in einem sehr hübschen Ort. Die Köhlerträne war ein lecker Absacker vor dem Schlafengehen (einer der Besten auf der Tour).

die Bäume fielen wie Streichhölzer
die Bäume fielen wie Streichhölzer
die Auffahrt zum Auersberg
die Auffahrt zum Auersberg

Etappe 3

Daten:
51,43 km   11,1 km/h   4:35:32 h   64,7 km/h   1509 hm

Orte:
Sosa (600) – Rote Grube – Haberlandmühle – Breitenbrunn (580) – Antonshöhe (650) – Rittersgrün – Ochsenkopf (836) – Katzensteinbrücke – Fichtelberg (1214) – Oberwiesenthal (920)

Der von mir herausgesuchte Pfad, auf dem wir Sosa verlassen wollten, erwies sich als echter Kniebrecher. Jeder hier gemachte Höhenmeter blieb uns die ganze Etappe in Erinnerung, denn die hier verbrauchte Energie reicht eigentlich schon für einen halben Tagesausflug. Auf einem Höhenlinienweg hatten wir einen schönen Blick auf Erlabrunn hinab und cruisten gemütlich bis zur Haberlandmühle. Wenig später erlebten wir wieder einmal die Steilheit in Person – und zwar vom Bahnhof in Breitenbrunn, am Schaubergwerk vorbei, auf einem Weg hinüber nach Antonshöhe. In Rittersgrün gönnten wir uns eines der günstigsten Mittagessen überhaupt, welches wir beim anschließenden Aufstieg beinahe wieder auf die Straße gekotzt hätten. Mit einer geradezu unvorstellbaren Steilheit zog die Straße Richtung Ochsenkopf (nicht der in Bayern!) an. Selbst ohne Gepäck wäre das Teil nur mit einer richtig kleinen Übersetzung machbar.

Weiter oben wurde es etwas flacher, aber da wir nun wieder auf Waldpfaden unterwegs waren kamen wir nur mit richtig kräftigen Reintreten hinauf. Als Belohnung gab es einen netten Blick auf samende Bäume und das Umland. Apropos Samen – was wir hier an Pollen in die Augen und sonsterwohin bekommen haben geht auf keine Kuhhaut. Wer hier Allergiker ist kann voll einpacken. Nach einem kurzen Erholungsstück bis zur Katzensteinbrücke kam der finale Anstieg zum Fichtelberg. Entlang eines sanft ansteigenden Weges ging es von einem Bach und den letzten Buschwindröschen begleitet hinauf. Idyllisch und ruhig, so gingen die 500 Höhenmeter wunderschön und schnell vorbei. Der Ausblick vom Fichtelberg war nicht sonderlich berauschend, die Abfahrt war dafür recht nett und kurz. Dieser Tag war für einen Ausruhtag echt schön, vor allem weil das Wetter mal richtig gut mitgespielt hat. Der Fichtelberger Grünbitter war i.ü. nicht gerade doll.

hier ist der Schwibbogen zu Hause
hier ist der Schwibbogen zu Hause
auf dem höchsten Berg der DDR
auf dem höchsten Berg der DDR

Etappe 4

Daten:
77,10 km   14,7 km/h   5:14:16 h   58,1 km/h   1143 hm
Orte:
Oberwiesenthal (920) – Toskabank (887) – Bärenstein (898) – Jöhstadt (795) – Schmalzgrube – Reitzenhain (782) – Grüner Graben – Katzenstein – Sorgau – Trasse – Olbernhau (460)

Der morgendliche Blick aus dem Fenster ließ nichts Gutes ahnen und so schlüpften wir erst mal in unsere Regenjacken. Nur wenige Meter hinter dem Ortsausgangsschild konnten wir sie aber gleich wieder abstreifen und bekamen zwar kein regnerisches dafür aber stark windiges Wetter. So konnten wir die Abfahrt zur Bimmelbahn genießen und schon bald unsere Energie am Bärenstein vergeuden. Auf den folgenden Kilometer muss irgendwas mit unserm Orientierungssinn passiert sein, denn wir taten uns äußerst schwer bei der Wegfindung. Nach tausendundviermal Anhalten, Karte studieren und Wegmarkierung suchen hatten wir es geschafft und befanden uns auf einer gemütlichen Straße nach Jöhstadt hinüber. Hier fielen wir gleich beim Bäcker ein und konnten so mit lauter Süßigkeiten gefüllt den Dr.-Möller-Weg bis Schmalzgrube genießen. Der folgende Aufstieg war wieder ganz ordentlich zu nennen, bis wir auf dem Horizontalweg immer auf einer Höhe (wie der Name ja schon sagt) Ausruhen konnten.

In Reizenhain gab es zwei Tageshöhepunkte. Erstens gabs Mittag und zweitens wurden wir vervollständigt – der Meister stieß endlich zu uns – Willkommen! Da ich dummerweise die Gelegenheit nutzte um an meiner klirrenden Scheibe zu spielen, konnten wir die nächste Stunde gleich mal in den Skat drücken – das Mistding streikte. Ein Kolben kam nicht mehr ordentlich zurück und so konnte ich keine neuen Pads einsetzen, da zu wenig Platz. Die alten waren aber auch schon bis aufs Metall abgewetzt und so schepperte alles. Es blieb mir also leider nichts anderes übrig als die folgenden Tage auf die Vorderbremse wohl oder übel zu verzichten. Was das bedeutet kann sich jeder denken (es war ein Grauen!). Den Streckenverlauf mussten wir hier auch abändern, denn der herausgesuchte Weg ging durch ein Truppenübungsgelände und die Wirtin meinte das da kein Durchkommen ist.

Zum Glück war dem so, denn sonst hätten wir den nun folgenden Weg nicht kennenlernen dürfen. Der Weg, entlang dem grünen Graben bis zum Katzensteig, war absolut genial. Entlang einer Höhenlinie ging es an einer Art Aquädukt bis zum Katzensteig – ein richtig lässiger Weg – Kategorie: Eins plus! In einem der folgenden Täler erhaschten wir noch einen Blick auf die Ruine Lauterstein bevor es dann wieder einmal kniebrecherisch brutal bergan ging. Durch ein kleines Wunder fanden bzw. erwischten wir die richtige Strecke nach Sorgau und absolvierten die restlichen Kilometer bis Olbernhau auf der Trasse. In dem komischen Hotel testeten wir zuerst das Essen, später den Lauterbacher Tropfen (welcher richtig abartig schmeckte) und später den Grenzwalder Bitter (selbiger war zumindest besser als ersterer, aber trotzdem Scheiße).

wiedervereinigt am grünen Graben
wiedervereinigt am grünen Graben
bei den senkrechten Katzensteinen
bei den senkrechten Katzensteinen

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