Unsere siebentägige Mountainbike-Tour in Slowenien führte uns einmal rund um den Triglav Nationalpark und entlang der wunderschönen Soča. Über mehrere Pässe wechselten wir zwischen Österreich, Italien und Slowenien hin und her, bevor wir schließlich wieder nach Kärnten zurückkehrten. Die Strecke bot eine abwechslungsreiche Mischung aus feinsten Trails, Schotterpisten und Waldwegen. Garniert war das Ganze mit beeindruckenden Landschaften, glasklaren Seen und immer wieder schönen Einkehrmöglichkeiten.
Länge: 387,7 km
Höhe: 10.109 hm
Etappen: 7Komoot-Collection: Zwischen Triglav & Soča – Julische Alpen per MTB
Etappe 0: von Döbriach nach Döbriach
Daten:
12,7 km 9,0 km/h 1:25:20 h 29,4 km/h 559 hmDöbriach – Gasthof Bergfried – Sternentrail – Döbriach
Bevor wir unsere eigentliche Rundtour angingen, nutzten wir den Anreisetag für eine spontane Abendrunde am Millstätter See. So konnten wir die bei der Autofahrt eingeschlafenen Körper wieder etwas aus der Lethargie herausholen.
Wir starteten direkt am Ufer des Millstätter Sees, am Ortseingang von Döbriach. Zuerst ging es auf einer schmalen Straße bergan, die sich gleich mal ganz ordentlich nach oben zog. Sobald wir von ihr abgebogen waren, wurde es ruhiger. Weniger Verkehr, mehr Landschaft. Der Millstätter See zeigte sich immer wieder zwischen den Bäumen – in der Ferne glitzernd, malerisch, fast schon als Postkartenmotiv. Aber nur fast, denn die dunklen Wolken ließen ihn nicht zur vollen Geltung kommen.
Unser eigentliches Ziel war der alte Gasthof Bergfried. Wir legten daher eine kleine Pause ein und ich genoss den ersten Kaiserschmarrn der Tour. Süß, warm und fluffig – dazu der Blick über den Millstätter See, mit den dunklen Wolken im Hintergrund. Die Sonne kämpfte sich hin und wieder mal durch und ließ das Wasser in verschiedenen Farben leuchten. Ein kleines Schauspiel nur für uns.
Dann kam die Abfahrt auf dem Sternentrail. Ruppig, wild, steil, steinig, ausgesetzt. Ganz ehrlich – oft einfach „too much“ für uns. Die Wege waren leider (meiner Meinung nach) durch die rege Radnutzung im Eimer. Das muss man mit Bedauern schon eingestehen.
Nunja, wir arbeiteten uns hinunter. Viel Freude und Fahrspaß kam aber nicht auf. Schließlich wartete unten aber als kleine Belohnung der Sprung in den See. Er war nicht zu kalt, trotzdem erfrischend, einfach perfekt. Nun packten wir fix die Sachen, hüpften ins Auto und fuhren nach Villach zum eigentlichen Tourstartpunkt.
Etappe 1: von Villach nach Kranjska Gora
Daten:
60,9 km 10,1 km/h 6:03:05 h 46,1 km/h 2.004 hmOrte:
Villach – Faak am See – Baumgartnerhof – Annahüttensattel – Jepca Trail – Belca – Gozd-Martuljek – Kranjska Gora
Der Start unserer diesjährigen Transalp begann in Villach, wo wir direkt beim Bahnhof einen idealen P+R-Stellplatz für das Auto fanden. Der erste Abschnitt führte uns hinaus in Richtung Faakersee. Zunächst fanden wir uns auf einem angenehmen Waldweg wieder, der sich jedoch rasch in eine steile, ausgewaschene Rampe verwandelte. Wir mussten also bereits sehr frühzeitig unser Rad schieben… das war kein entspannter Einstieg in die Tour.
Als Nächstes, der Rumpelabschnitt war zum Glück relativ kurz, rollten wir wieder auf Asphalt, wo uns am Straßenrand ein perfekt erhaltener Golf 1 GTI aus den frühen 80er Jahren ins Auge sprang. Was für ein hübsches Prachtstück – sehr sehr fein!
Von dort ging es hinauf zum Flowgartner-Trail. Die Schotterauffahrt war moderat und gleichmäßig, die Temperaturen noch erträglich und die Stimmung entsprechend gelassen. Belohnt wurden wir mit einer langen Abfahrt über den angelegten Trail, der ganz hübsch war, auch wenn er technisch kaum forderte und man fast von einer endlosen Rollbahn sprechen konnte. Unten angekommen, gönnten wir uns einen Kaffee auf der Panorama-Terrasse. Von hier hatten wir einen tollen Blick über den Faakersee bis hin zum Wörthersee. Und im Vordergrund lag die Burgarena Finkenberg.
Die eigentliche Herausforderung des Tages wartete dann auf dem langen Anstieg zum Annahüttensattel. Der markiert nicht nur die Grenze zwischen Österreich und Slowenien, sondern ab hier wartete auch ein echtes erstes Trailhighlight. Doch bis dahin mussten rund 750 Höhenmetern noch absolviert werden. Die vergingen stetig und waren gut fahrbar. Die Abfahrt über den Jepca-Trail, der uns mit seinen S2- bis S3-Passagen alles abverlangte, war genial. Der Waldboden war trocken, der Grip hervorragend, und obwohl wir an manchen Stellen absteigen mussten, war die Fahrt ein echtes Fest 😃
Am Ende des Trails erreichten wir das Tal und rollten über eine alte (Militär-?) Straße bis zu einem (vermutlich) verschütteten Tunnel. Hier mussten wir einen kurzen Umweg über eine steinige Rutschung / Steinhalde nehmen. Das war schon beeindruckend gewaltig. Umso entspannter wurde es auf dem folgenden Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse bis nach Gozd-Martuljek. Dort warteten Espresso und Panna Cotta, während wir gleichzeitig die vorbeiziehenden Gewitterwolken beobachteten.
In Kranjska Gora legten wir einen Zwischenstopp beim Radladen / Bikeverleih ein, um Sepps Hinterrad etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Während er an der Dichtmilchlösung arbeitete, probierte ich kurzerhand ein E-Bike aus und spielte mich durch die verschiedenen Turbo-Stufen. Das war ein ganz netter Zeitvertreib.
Dann wurde es nochmal ernst. Denn zum Abschluss des Tages quälten wir uns über eine gnadenlos steile Skipiste hinauf. Der Lift hatte nämlich bereits geschlossen (auch wenn wir nicht vorhatten, ihn zu nutzen) und wir wollten doch noch einmal eine der Abfahrten nehmen. Der heftige Sonnenschein machte den Aufstieg zu einer echten Qual. Auch war die Rampe derart steil, das selbst Schieben kaum möglich war, weil die Schuhe ständig wegrutschten.
Oben angekommen, entschädigte der Einstieg in den Morning-Wood-Trail die Mühen. Der Trail in seiner blauen Variante traf genau unseren Nerv – technisch fordernd und abwechslungsreich. Es war ein gelungene Ende des Tages, der zunächst noch etwas unrund begann, sich dann aber Schritt für Schritt steigerte und schließlich in purer Trail-Bambule endete.
Etappe 2: von Krajnska Gora nach Kobarid
Daten:
69,6 km 11,6 km/h 5:58:57 h 59,0 km/h 1.520 hmOrte:
Krajnska Gora – Vrsič-Pass – Soča-Quelle – Soča – Bovec – Boka-Wasserfall – Magozd – Kobarid
Von Krajnska Gora kommend starteten wir heute entspannt in den Tag und rollten zunächst über die Straße aus dem Ort hinaus. Nach einem kurzen Stück Asphalt ging es bald auf eine Schotterpiste, die sich wunderschön am Fluss entlang schlängelte. Mit jedem Kilometer öffnete sich der Blick weiter in eine krasse Felsformation hinein, und je tiefer wir ins Tal hineinradelten, desto beeindruckender wurde die Szenerie. Das breite Flussbett, umgeben von wolkenverhangenen Gipfeln, wirkte fast mystisch, und gleichzeitig lag eine tolle Ruhe über dem Tal.
Nach diesem idyllischen Auftakt mussten wir zurück auf die Passstraße, eine historische Militärpiste, die von russischen Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg angelegt worden war. Der Anstieg war zwar straff, aber die Straße hatte echt Charme: Kopfsteinpflaster in den Kehren, kleine Mauern an den Rändern, dazu immer wieder der Klang von Kuhglocken. Das erinnerte eher an Österreich als an Slowenien. Auf halber Höhe machten wir kurz Halt an einer kleinen orthodoxen Kapelle mit Holzschindeln – sehr fein.
Kurz unterhalb des Passes gönnten wir uns in einer Hütte einen schnellen Macchiato und eine Cola, bevor wir die letzten Meter bis hinauf zur Passhöhe in Angriff nahmen. Oben war es sehr trubelig. Viele Autos, Radfahrer und Ausflügler hopsten hier rum. Wir hielten uns daher nicht lange auf und bogen schnell auf einen Wanderweg ab. Dieser spontane Abzweig erwies sich als Volltreffer: ein wunderschöner, technischer Trail, mit festem Waldboden, flowig, aber doch fordernd, der uns direkt bis zur Quelle der Soča führte. Hier hatten wir Mega-Spaß und genossen den anspruchsvollen Flug ins Tal nach Strich und Faden.
An der kleinen Hütte gönnten wir uns einen kleinen Happen. Die Quelle selbst erreichten wir über einen kurzen, gesicherten Steig. Der Blick in die türkisfarbene Tiefe, die wie ein Fenster in eine andere Welt wirkte, war faszinierend. Damit hatte sich die Kletterei absolut gelohnt. Danach rollten wir zurück ins Tal, wo wir allerdings meist auf der Straße bleiben mussten, da die Wanderwege entlang der Soča für Radfahrer gesperrt waren.
Trotzdem lohnte es sich, immer wieder kleine Brücken oder Aussichtspunkte anzusteuern, von denen man den Fluss mit seinen ausgewaschenen Felsen und dem leuchtenden Türkis bestens sehen konnte. Besonders spektakulär war die Stelle bei Soča selbst, wo eine kleine Familie im Neoprenanzug durch die kalten Gumpen huschten.
Für eine kleine Zwangspause sorgte dabei wieder einmal Sepps Hinterreifen, der endgültig vom Tubeless-System auf Schlauch zurückgebaut werden musste. Zeit, die ich nutzte, um die Szenerie zu genießen und Massen an Fotos zu schießen.
Später folgten wir weiter der Soča, vorbei an Badestellen, an denen sich ein ganz paar Mutige ins wahrscheinlich zehn Grad kalte Wasser wagten. Auch wir hielten schließlich an, um wenigstens die Füße hineinzutauchen – eiskalt, für uns unbadbar (coole Wortkreation), aber perfekt zur Erfrischung.
Anschließend führte uns eine ruhige Schotterstraße weiter im Tal an der Soča entlang, immer mit großartigen Ausblicken garniert. Die Strecke wurde begleitet von unzähligen Alpenveilchen, die in zarten Farben den Weg säumten. Eine kleine spontane Erfrischungspause gab es an einem improvisierten Brunnenkiosk, wo kaltes Quellwasser Cola- und Radlerbüchsen kühlten – genau das Richtige bei der Hitze dieses Tages.
Zum Finale der Etappe rauschten wir ins Tal hinab, entdeckten dabei noch den Wasserfall Slap Kozjak und überquerten kurz darauf die historische Napoleonbrücke, bevor wir in unser Hostel in Kobarid einrollten.
Etappe 3: von Kobarid nach Rifugio Pelizzo
Daten:
41,5 km 8,8 km/h 4:44:14 h 42,8 km/h 1.745 hmOrte:
Kobarid – Camping Nadiza – Napoleonbrücke – Nad Pradolom – Log – Marseu – Medves – Montemaggiore – Rifugio Alpino Guglielmo Pelizzo – Monte Matajur – Rifugio Pelizzo
Der Tag begann entspannt in Kobarid. Nach einem kurzen Stopp im Supermarkt setzten wir uns in ein kleines Café, wo wir bei einem feinen Frühstück den Tag einläuteten. Bevor wir richtig losrollten, fuhren wir noch hoch zu einer Kirche oberhalb des Ortes, in der die Gebeine der italienischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg ruhen. Die Erinnerung an einen wahren Irrsinn.
Danach führte uns der Weg wieder kurz hinunter zur Soča, die uns mit ihrem türkisfarbenen Wasser einmal mehr begleitete. Auf einem frisch asphaltierten Radweg, der bald in eine Schotterpiste überging, folgten wir dem Flusslauf und genossen die weiten Ausblicke ins Tal. Von einer extrem wackeligen Hängebrücke aus erhaschen wir noch mal einen schicken Blick in eine blaue Gumpe.
Am Ende landeten wir direkt an einem Campingplatz, wo wir uns mit Kaffee, Croissant und einem Radler eine kleine Pause gönnten – der perfekte Ort, um einen Kaffee umzuhauen. Kurz darauf kamen wir zu einer alten steinernen und schmalen Brücke, unter der der Fluss in tiefem Türkis leuchtete – ein sehr eindrucksvolles Bild.
Von dort zog der Weg nun deutlich an. Ein schmaler Wanderpfad führte steil, meist mussten wir schieben, den Berg hinauf. Landschaftlich war es ein Traum. Dieser Anstieg brachte uns nun bis an die Grenze nach Italien. Kaum hatten wir die Kante überschritten, begann der Trail abwärts zu gehen – zunächst noch ruppig, später immer flüssiger, mit Wurzeln, Geröll und kleinen ausgesetzten Passagen. Die Abschnitte waren fahrbar, aber sie verlangten volle Konzentration.
Unten angekommen, rollten wir ein Stück auf der Straße entlang, ehe wir uns vor dem nächsten Anstieg bei einer älteren Dame und ihrem Ristorante noch einen Kaffee und ein Kaltgetränk gönnten.
Dann begann der lange Aufstieg zum Ziel Rifugio Pelizzo. Es war schweißtreibend, aber nicht wirklich unerträglich, denn der Weg verlief oft im Schatten und hatte eine moderate Steigung. Einmal spendete ein Brunnen Erfrischung, beim nächsten mal war es eine kleine Bar – mit einer Portion Eis (mit reichlicher akustischer Untermalung) – so ging das ganz gut.
Kehre für Kehre kamen wir höher, und irgendwann sahen wir das Rifugio vor uns. Oben wurden wir mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Gefühlt sah man bereits die Adria, zumindest die Bergwelt war super. Hatten wir gerade noch geschwitzt, so fühlte sich das auf der Terrasse doch irgendwie anders an.
Nach einer kurzen Pause entschieden wir, die letzten Sonnenstrahlen zu nutzen und noch den Matajur zu besteigen. Der abendliche Aufstieg lohnte sich: zarte Blümchen, weiße Felsen im Kontrast zur Landschaft und ein weiter Blick bis ins Triglav-Massiv. Dazu die stille Stimmung der tief stehenden Sonne. Das war schon großes Kino, was uns da geboten wurde.
Etappe 4: von Rifugio Pelizzo nach Most na Soči
Daten:
55,5 km 14,2 km/h 63:54:02 h 53,0 km/h 705 hmOrte:
Rifugio Alpino Guglielmo Pelizzo – Panorama Trail – Livek – Kobarid – Ladra – Tolmin – Burg Kozlov Rob – Tolmin Schlucht – Most na Soči
Der Morgen begann ganz ohne Aussicht, sondern nur mit einer dichten grauen Suppe. Statt Panorama gab es Regenwolken, die bereits beim Start erste Tropfen fallen ließen. Den Marajur konnten wir uns zum Glück ja sparen, den hatten wir ja schon gestern Abend. Und gesehen hätte man heute rein gar nichts.
Ein kleiner schmaler Wanderpfad führte uns teils fahrbar, teils schiebend, den Berg hinauf. Und noch bevor wir den Panoramatrail erreichten, öffneten sich die Schleusen am Himmel endgültig. Also Regenjacke übergestreift und vorsichtig auf rutschiger Schotterpiste abwärts ins Tal gerumpelt. Nur knapp entging der Sepp einem Stacheldrahtgatter, das im Nebel fast unsichtbar quer über den Weg gespannt war. Erschwert wurde die Sicht durch den Regen und die Sonnenbrille. Das hätte ganz hässlich ausgehen können.
Unten angekommen entschieden wir uns für den Umweg nach Kobarid, auch wenn das so nicht geplant war. Sepps Bike machte uns nämlich Sorgen: die Vorderradnabe begann zu knacken, der Hinterreifen verlor erneut Luft. Also direkt rein in den Ort gefahren, Ersatzschlauch besorgt, Pizzeria gesucht, Pizza bestellt und den Regen abgewartet. Mit einem Kaffee in der Hand und Blitz und Donner draußen, war das im Nachhinein die beste Entscheidung.
Das Wetterchen war nach eine Weile dann Geschichte. So rollten wir ganz entspannt entlang der Soča weiter, auf kleinen Straßen und Schotterwegen, die uns schließlich nach Tolmin führten. Dort gönnten wir uns ein grandioses Eis, bevor es ernst wurde.
Die Auffahrt zur Burg Koslov Rob entpuppte sich als wahre Höllenrampe: grober Schotter, steil wie eine Wand, und selbst zu Fuß kaum haltbar. Die Poren gaben wirklich alles und wir schwitzten elendig. Wer klug ist, wählt den Trail, den wir später für die Abfahrt nutzten – ein geschwungener Zickzack, mit wenig Steigung und perfekt fahrbar.
Von oben öffnete sich der Blick weit ins Tal, über Tolmin hinweg bis zu den umliegenden Gipfeln der Julischen Alpen. Die Burg selbst war weniger spektakulär, da Baustelle, doch die Aussicht entschädigte für alles. Die Abfahrt auf dem bereits erwähnten Trail wurde dann zum Highlight. Viele Wanderer waren hier zwar unterwegs, aber alle machten freundlich Platz und wir hatten Fahrvergnügen pur.
Im Anschluss fuhren wir in die Tolminer Schlucht, wo die Hängebrücke über die Tolminka lockte. Mit Fahrräder kamen wir dort nicht so recht weiter. Daher ließen wir es bleiben und rollten stattdessen gemütlich am Fluss entlang. Unterwegs begegneten wir Fliegenfischern und ließen uns in einer kleinen Bar direkt am Wasser nieder. Ein kühles Bier, eine Bank in der Sonne – mehr braucht es nicht, um für eine Stunde mal komplett zu versacken.
Die letzten Kilometer entlang der aufgestauten Soča wirkten fast meditativ. Kajakfahrer und Stand-Up-Paddler glitten über das stille Wasser, während wir auf dem Radweg dahinrollten und immer wieder den Blick auf den Fluss genossen. Manchmal wabberte dabei der Nebel übern Wasser, was richtig cool aussah.
Am Abend erreichten wir unser Quartier in Most na Soči, wo es reichlich zu essen gab – eigentlich viel zu viel. Die Nachtruhe war durch die vielen Mücken leider nicht sehr erholend…
Etappe 5: von Most na Soči nach Bohinjska Bistrica
Daten:
41,7 km 10,1 km/h 4:08:15 h 46,3 km/h 1.446 hmOrte:
Most na Soči – Hudajužna – Podbrdo – Lajnar – Bohinjska Bistrica
Etappe 5 begann ungewöhnlich spät, denn der Wetterbericht hatte uns eigentlich für den ganzen Tag Starkregen und Gewitter versprochen. Wir hatten schon überlegt die Bahn zu nutzen, denn wer will schon im Gebirge die ganze Zeit im Gewitter rumturnen?
Doch der Morgen überraschte uns: die Wolken hingen zwar tief, aber es sah nicht nach Weltuntergang aus. So frühstückten wir in aller Ruhe, packten unsere Sachen und rollten hinaus ins Tal, in dem der Fluss Bača gemütlich neben uns dahin lief. Immer wieder tauchten zwischen den Bergen kleine Bahnviadukte auf und wir hofften sehr auf einen Zug, der sich darüber schieben würde – vorerst vergeblich.
Nach nicht einmal zwanzig Kilometern erwischte uns dann das angekündigte Gewitter doch. Mit Blitz, Donner und kräftigem Regen zog es über uns hinweg. Und wir hatten Glück, einen kleinen Unterstand in Hudajužna zu finden, unter dem wir die folgenden zwei Stunden ausharrten. Der Regen prasselte heftig, die Luftfeuchtigkeit kroch in jedes Kleidungsstück, und obwohl wir im Trockenen standen, fühlte sich alles klamm und schwer an. Selbst die Finger waren wie beim Schwimmen nach einer Weile verschrumpelt.
Als das Schlimmste vorbei war, schien es für einen Moment, als könne der Tag doch noch freundlich werden – wäre da nicht wieder das leidige Hinterrad vom Sepp gewesen. An einer Tankstelle wurde daher der nächste Ersatzschlauch aufgezogen.
Dann begann der eigentliche Anstieg: ein schmaler Schotterweg, der sich in zahllosen Serpentinen fast endlos nach oben wand. Rund 1200 Höhenmeter warteten, und obwohl vieles fahrbar war, kostete es doch Kraft und Geduld. Die Landschaft tat ihr Bestes, denn zwischen Nebelschwaden und Wolkenfetzen wirkte alles geheimnisvoll und beinahe unwirklich.
Einen kleinen jungen Feuersalamander erhaschten wir auf dem Weg – sehr süß. Je höher wir kamen, desto weiter wurden die Ausblicke – wenn sich die Wolken einmal kurz öffneten. Das waren dann Prachtausblicke! Auf dem Gipfel des Lajnar standen wir nur leider mitten in einer Nebelwand, ohne Aussicht, aber mit kaltem Wind, der uns zum schnellen Weiterfahren drängte.
Der Einstieg in den Flowtrail war schnell gefunden, und der nasse Untergrund machte die ersten Meter zwar etwas schwierig, doch bald lief es erstaunlich gut. Im Tal wartete am Camping Lajnar die wohlverdiente Belohnung: eine dicke Scheibe Kremšnita, süß, mächtig und in diesem Moment schlicht perfekt. Und der Cappuccino schmeckte perfekt dazu.
Danach führte uns der Weg weiter talwärts, über wilde Waldpisten, geröllige Abschnitte und wurzelige Trails, die uns forderten und zugleich zum Lachen brachten. Manche Stellen waren zu rutschig, um sie zu fahren, andere wiederum ließen uns mit Schwung und Freude ins Tal rauschen bzw. rumpeln.
Am Ende konnten wir noch über tolle Wiesen gleiten. Dieser Tag hatte deutlich mehr geliefert, als wir je erwartet hätten. Der Ort empfing uns recht lebendig. Unser Hostel hatte leider schon bessere Tage gesehen. Im Gasthof Štrudl liessen wir es dann gemütlich ausklingen – mit einem deftigen Essen. Wir hatten das Gefühl, dass die Alpen uns trotz Regen und Nebel einen großartigen Tag geschenkt hatten ☺️
Etappe 6: von Bohinjska Bistrica nach Ferlach
Daten:
63,6 km 11,5 km/h 5:32:12 h 57,4 km/h 1.647 hmOrte:
Bohinjska Bistrica – Bleder See – Moste – Tinčkova Koča – Dom pri izviru Završnice – Planinski dom na Zelenici – Alter Loiblpass – Tscheppaschlucht – Ferlach / Unterbergen
Der Tag begann gleich mit einem kleinen Verfahrer. Auf einer Wiese drehten wir ein paar Extrarunden, weil der eigentliche Übergang durch eine Baustelle blockiert war und wir nicht über den Fluss kamen. Also erstmal Straße, bis wir doch noch die richtige Querung fanden. Und dann die erste Überraschung: ein Radweg, wie aus dem Katalog. Glatt, neu, perfekt zu fahren – kaum Steigung, einfach gemütliches Dahinrollen.
Links und rechts hingen die Wolken noch tief in den Hängen, aber das machte die Stimmung eher malerisch. Unterwegs stolperten wir noch über ein kleines Häuschen an einer Brücke, das wie ein Mini-Klohäuschen wirkte und uns prompt zu Fotos zwang (siehe unten).
So rollten wir dahin, bis wir kurz vor Bohinjska Bela auf eine kleine Nebenstraße abbogen. Eine kurze Rampe später standen wir am Ufer eines der bekanntesten Seen Sloweniens: dem Bleder See (Blejsko Jezero). Und da war sie – die berühmte Insel mit der Kirche, spiegelndes Wasser, dazu die Burg von Bled, die hoch über dem Ort thront.
Ein traumhafte Kulisse, die allerdings von den Menschenmassen ein wenig getrübt wurde. Auf der Promenade wimmelte es nur so von Spaziergängern, Touristen und Ausflüglern, und auch der Autoverkehr in den Ort hinein war gnadenlos. Fotos mussten trotzdem sein, viele Fotos. Eine Pause am Ufer gönnten wir uns ebenfalls – das Panorama war einfach zu schön, um es im Vorbeifahren abzuhaken.
Am Ortsausgang fanden wir ein nettes Café, wo wir uns erneut der slowenischen Spezialität hingaben: Kremšnita 🥰. Danach ging es auf kleinen Straßen weiter Richtung Moste, und spätestens dort begann der sportliche Teil des Tages. Erst noch ein längerer Anstieg, der gut fahrbar war, dann eine Kehre mit Hütte (Tinčkova Koča) – und ab da verwandelte sich der Weg in eine geröllige Piste. Kaum Grip, selbst schieben war mühsam. An der Hütte Dom pri izviru Završnice pausierten wir etwas und weiter gings.
Das Abschnitt dahinter zeigte sich von seiner idyllischen Seite – unglaublich ruhig und beruhigend. Dann noch ein Stück, und wir standen auf dem Pass bei der Planinski dom na Zelenici. Auf der anderen Seite wartete eine ruppige Abfahrt – es rüttelte uns ordentlich durch.
Gleich darauf folgte der Gegenanstieg zum alten Loiblpass. Der Anstieg forderte uns noch einmal richtig. Der Weg zog straff nach oben und man musste schon ordentlich drücken, um da hochzukommen. Oben empfingen uns die alten Grenz-Obelisken, die an den historischen Übergang zwischen Slowenien und Österreich erinnern. Leider erwischte es mich diesmal mit einem Platten – also auf zum Schlauchwechsel mitten auf dem Pass. Nicht unbedingt die eleganteste Stelle, aber es ging.
Kurz danach rauschten wir die Nordseite hinunter – erst eine kleine, harmlose Schotterabfahrt, dann auf der stark befahrene Passstraße. Doch lange rollten wir nicht: in einer der ersten Kehren hatte Sepp seinen nächsten Reifendefekt. Das war doch langsam verhext!
Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Abstecher in die Tscheppaschlucht. Dort führt ein kleiner Weg direkt am Bach entlang. Normalerweise ist der Weg nur zu Fuß machbar. Da es aber schon nach 18 Uhr war, störten wir niemanden mehr und konnten die Schlucht in Ruhe genießen, indem wir unsere Räder da durchzirkelten.
Etappe 7: von Ferlach nach Villach
Daten:
54,9 km 13,5 km/h 4:04:42 h 48,5 km/h 1.042 hmOrte:
Ferlach / Unterbergen – Köttmannsdorf – Keutschacher See – Pyramidenkogel – Trattnigteich – Schiefling am Wörthersee – Villach
Die letzte Etappe unserer Reise durch Slowenien fühlte sich fast wie ein leiser Abschied an. Wir hatten die Karawanken mit dem Loiblpass hinter uns gelassen und steuerten nun zurück nach Villach. Nach den Tagen im Triglav Nationalpark, nach den wilden Trails und den endlosen Serpentinen, war klar, dass es heute nur ein recht kurzer Tag werden würde. Wir wollten als Zwischenziel aber noch den Pyramidenkogel besuchen.
So rollten wir am Morgen los, erst über kleine Straßen, vorbei am Ferlacher Stausee, dessen Wasserfläche glatt und still in der Sonne lag. Dahinter ging es leicht bergan. Unterwegs kämpften wir wieder einmal mit einem weichen Hinterreifen, doch auch das passte zu diesem Tag, an dem wir alles ein wenig gelassener nahmen. Am Keutschacher See, auf einem Campingplatz, fanden wir eine ordentliche Luftpumpe (unsere hat die Überlastung nicht so gut vertragen).
Von dort war es nicht mehr weit bis zum Pyramidenkogel. Die Auffahrt über die Hauptstraße zog sich etwas, und der dichte Verkehr machte wenig Freude. Die Autos schossen recht aggressiv vorbei, während wir uns mit stetigem Tritt nach oben arbeiteten. Irgendwann war es geschafft, und der markante Holzturm ragte vor uns auf. Der Eintrittspreis und die Massen an Menschen gefielen uns aber nicht, sodass wir nicht aufstiegen.
Erst ging es über eine breite Forstpiste talwärts, dann verpassten wir kurz die richtige Abzweigung, fanden aber über den kleinen Trattnigteich zurück auf die Spur. Bald darauf folgte ein Trail, schmal und verwinkelt und schön anspruchsvoll. Es war genau die richtige Portion Abfahrt, bevor wir in Schiefling am Wörthersee eintrafen, wo wir uns eine ausgedehnte Brettljause gönnten und die Sonne einmal mehr genossen.
Von dort führte der Weg unspektakulär, aber angenehm über kleine Wege und Wiesen hinunter an die Drau. Am Fluss folgten wir dem Drauradweg, der uns ohne große Anstrengung direkt nach Villach brachte. Wir rollten entspannt in die Stadt, gönnten uns ein Eis als Abschied und machten unser Abschlussfoto.
Diese Tourenwoche, die uns rund um den Triglav und entlang der Soča geführt hatte, war damit vollendet. Ursprünglich hatten wir überlegt, bis an die Adria nach Triest zu fahren, doch keine Minute lang bereuten wir es, dass wir uns stattdessen auf den Nationalpark konzentriert hatten. Slowenien hat sich in dieser Woche wie ein Juwel präsentiert. Wir fanden wilde Berge, tiefe Täler, türkisfarbene Flüsse und eine tolle Küche vor, die uns jeden Tag aufs Neue begeisterte. Auch wenn wir uns nicht sicher sind, ob wir den Triglav selbst je klar zu Gesicht bekommen haben, bleibt diese Transalp eine, die wir nicht so schnell vergessen werden.
zur Tourenübersicht | oder zur Startseite

Leave a Reply