Acht Tage, 683 Kilometer und knapp 18.600 Höhenmeter quer durch die Schweizer Bergwelt: Unsere Gravelbike-Transalp-Premiere führte uns über zahlreiche Pässe, vorbei an Gletschern, Seen und mächtigen Felswänden bis nach Bern. Es gab viel Schotter, steile Anstiege, rasante Abfahrten, ein paar Gewitter und natürlich jede Menge großes Kino. Eine richtig schöne Tour für unsere kleine harmonische Truppe – auch wenn die Schweiz bei den Quartieren und den Preisen hin und wieder ordentlich zuschlug.
Länge: 682,9 km Höhe: 18.569 hm Etappen: 8 Jahr: 2026
Die Tour startete in Scuol, wo wir in einem „erstklassigen“ Hotel übernachtet hatten, wobei der Frühstücksraum wie ein Leuchtensaal wirkte. Das Frühstück war ganz gut, aber der Preis für das Hotel war ein schlechter Witz – aber gut, dafür hatten wir ja den Leuchtensaal.
Draußen sah erst mal alles wolkenverhangen aus, es sollte aber noch schön werden. Nachdem klar war, dass ein Teil von Sepps Ausrüstung nicht den Weg mit in die Schweiz gefunden hatte, ging’s erst mal ans Neueinkleiden. Danach wurde das Auto ordentlich abgestellt, Geld abgehoben und zum Startfoto auf die Brücke gerollt. Dann konnten wir endlich mit der Tour beginnen.
Aus Scuol heraus ging es auf Straße, mit einer sehr angenehmen Steigung. Der leichte Morgennebel zwischen den Bäumen spielte wunderbar mit der Sonne zusammen und tauchte alles in ein schönes Licht. Rechts sah man einen Fluss, der sich ordentlich ins Tal gegraben hatte – eine ordentliche Erosion. Dann wechselte der Belag von Asphalt auf Schotter und es ging durch ein weites Tal mit einem schönen Anstieg. Oben standen ein paar Pferdchen und schauten uns beim Vorbeifahren zu.
Kurz vor dem Pass gab’s dann Aprikosenkuchen und Kaffee vor einer fulminanten Kulisse, dazu ordentlichen frischen Wind. Nach einem kurzen Schiebe-Stück ging’s weiter über einen Trail, der von niedlichen Kühen gesäumt war, die einfach auf dem Weg standen. Ein wirklich schöner Wegabschnitt. Dann ging es richtig steil bergab. Dabei überholten wir ein paar Reiterinnen mit ihren Pferden, die auch auf einer Mehrtagestour durch die Alpen waren. Das sah echt nett aus.
Einen Zwischenstopp bei der Abfahrt gab’s in einem kleinen, netten Gasthof, wo wir uns erst mal stärken konnten. Später erwarteten uns unten im Tal Massen an Herbstzeitlosen – ein richtiges Blütenmeer links wie rechts am Wegesrand – Wahnsinn!
Der Kessel, die Murmeltiere und der leere Stausee
Danach ging es den nächsten richtigen Anstieg hoch – auf demselben Weg, den wir schon mal bei der Transalp Challenge gefahren sind. Der Anstieg war ordentlich steil, aber es lohnte sich. Eine gewaltige Kesselkulisse erwartete uns hier, dazu absolute Stille und Murmeltiere, die neugierig zuschauten. Hier hätte man ewig verweilen können. Auf der Abfahrt standen dann ein paar Pferde und Esel am Wegesrand, die alle gestreichelt werden wollten. Herrlich, wie die dazu rankamen. Ein Esel liebte meinen rauen Vorderreifen sehr und rieb sich mal kräftig dran ab…
Weiter ging’s ins Tal hinunter, wo ein Riesen-Geröllbecken zur ausgiebigen Fotosession einlud. Der Weg führte schmal durch die Schotterlandschaft, wobei man hin und wieder absteigen musste, da die Furchen zu tief waren. Dann erschraken wir kräftig, als wir den fast leeren Stausee des Lago di San Giacomo erreichten – wow, das war kein schöner Anblick. Man bekam die Trockheit des Sommers dort wahrhaft unter die Nase gerieben.
Dort im Nirgendwo stand sehr passend ein Food Truck rum. Also gab’s einen feinen Kaffee – sehr schön! Und noch einen…
Blick zum Gletscher
Wenig später führte uns der Weg zu ein paar historischen Aussichtstürmen am Passo Torri di Fraele, von wo wir einen grandiosen Blick ins Tal Richtung Bormio hatten. Es folgte ein langer Höhenweg mit Gletscherblick und schließlich eine rasante Talabfahrt nach Isolaccia, wo wir in ein Hotel eincheckten, bei dem alles vertikal verkehrt herum begangen wird.
Etappe 2: von Isolaccia nach Filisur
Daten: 109,6 km 15,1 km/h 7:15:33 h 68,4 km/h 2.650 hm
Orte: Isolaccia – Passo Foscagno – Passo Eira – Livigno – Passo Forcola di Livigno – Berninapass – Pontresina – La Punt Chamues-ch – Albuapass – Bergün – Filisur
Der Start in den Tag sah gar nicht mal so schlecht aus: blauer Himmel mit leichten Schäfchenwolken und ein schöner Sonnenaufgang – ein Traumstart in den Tag. Doch die Straße hoch zum Pass in Richtung Livigno war zum Piepen – alles voller Autoverkehr. Wir wurden durchgehend auf knappste weise überholt und wir steckten ständig in einer dicken Wolke von Dieselabgasen. Nein, da half auch der schöne Ausblick und die angenehme Steigung nichts – die Auffahrt war Mist.
Die Abfahrt Richtung Livigno brachte noch einen Gegenanstieg mit sich, den man sich beim nächsten Mal vielleicht sparen könnte, indem man rechts im Tal Richtung Stausee durchzieht – das sollte man sich mal näher anschauen. In Livigno gab’s erst mal ein Päuschen, dazu jede Menge Trubel im Ort – hier war einfach die Hölle los.
Recht zügig ließen wir Livigno hinter uns. Von dort ging’s auf Schotter zum Rifugio hoch, begleitet von Murmeltieren am Wegesrand – das war nun endlich wieder richtig schön. Es war auch recht anspruchsvoll mit den Gravelbikes zu fahren, aber machbar. Ganz am Ende des Tals mussten die letzten 100 bis 200 Höhenmeter geschoben werden, auch wenn die Guten das sicher noch fahren könnten 🙂
Bernina, Gletscherblick und eine Rollbahn
Über die Grenzstation ging’s rüber in die Schweiz und weiter hoch Richtung Bernina. Die Straße war angenehm breit, der Verkehr überschaubar und die Sonne schien ordentlich. Der Gletscher grinste uns einladend entgegen und so ließen wir uns nicht lange drängen und machten eine sehr angenehme Pause, mit Blick auf den See und Gletscher. Dabei fiel uns auf, dass direkt am See noch ein Zug entlang fahren müsste. Sehr passend kam dieser durchs Bild gehuscht, als wir uns auf dem Trail daneben etwas abmühten.
Der Weg um den See war ziemlich technisch, aber mit Ach und Krach machbar. Danach ging’s überwiegend runter und war super fahrbar, geradezu wie auf einer Rollbahn. Bis das Gelände an einer Stelle zu grob für die Gravelbikes wurde. Wir wechselten daher zurück auf die Straße, was gar nicht mal so schlecht war, denn von dort aus sieht man den nächsten Gletscher ohnehin besser als aus dem Wald, wo die Sicht eingeschränkt ist.
Albulapass und ein verdientes Bier
Der Anstieg zum Albulapass war nahezu komplett autofrei, mit einer wirklich schönen, entspannten Steigung. So konnte man gemütlich im abendlichen Sonnenlicht in Ruhe hinaufspulen. Oben kehrten wir auf ein Bier ein und genossen die Stille. Nach ein paar Fotos ging’s runter, mit einem kleinen Gegenanstieg dazwischen. Die Abfahrt von dem Zwischenanstieg war für Gravelbikes leider nicht so schön und ziemlich rumpelig. Die Straße wäre hier die bessere Wahl gewesen. Übernachtet haben wir schließlich in einem Zimmer mit Klosterflair und quietschenden Dielen.
Etappe 3: von Filisur nach Ilanz
Daten: 88,7 km 14,9 km/h 5:57:20 h 53,1 km/h 1.906 hm
Orte: Filisur – Alvaschein – Thusis – Domat/Ems – Lag la Cresta – Il Spir – Laax – Ilanz
Die Etappe 3 begann mit einem gemütlichen Schotterabschnitt entlang des Flusses. Dann haute aber ein brutal steiler Anstieg ordentlich rein – aber zum Glück nur kurz. Danach folgte ein kleiner technischer Trail, der in einen Höhenweg überging und wieder von zahlreichen Herbstzeitlosen garniert wurde. An einer Kapelle / Kirche genossen wir den tollen Ausblick unter einem sehr schmucken und imposanten Dach. Unten sah man den Zug wunderbar über Brücken fahren, ein schönes Bild.
Die Felsen auf dem Höhenweg waren weiß und ziemlich porös, teils regelrecht „Pfannkuchen“-artig, und es ging an der Seite ziemlich steil abwärts. Der Weg war teilweise in den Berg gehauen und mündete in einen kurzen beleuchteten Tunnel. Na, hier haben wir gefühlt tausend Fotos gemacht. Im Tal angekommen, gönnten wir uns eine kurze Pause an einer Holzbrücke. Sepps Welpenblick resultierte in einem geschenkten Käse. Wie der das immer macht…
Am Rhein entlang, vorbei an Burgen
Danach ging’s lange am Rhein entlang, vorbei an zahlreichen Burgen und Schlössern, die alle paar Meter auftauchten, unter anderem Schloss Ortenstein. Mit Blick auf den Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein plauschten wir mit einem Schweizer über den ungewöhnlich niedrigen Wasserstand im Rhein und die Nöte der Bauern in diesem Sommer. Am Coop im Ort füllten wir uns, bei brütender Hitze und spärlicher Sitzgelegenheit (Blumenerde und Holzkohle), die Speicher neu.
Und es folgte mal wieder ein langer Anstieg. Auf einer breiten Trasse, die wie eine alte Bahnstrecke wirkte, mit leichter, gleichmäßiger Steigung ging es bergauf, während sich rechts nach und nach ein großes Gebirgsmassiv aufbaute. Hier wandelten wir spontan die Route um und fuhren zum Crestasee ab. Dort gab es ein feines Eis für den einen und einen Kaffee für den anderen. Die Spiegelungen im Wasser waren dabei wirklich idyllisch. Weil die Zeit knapp wurde, ging es aber schon bald zurück auf den Ursprungsweg, weiter zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf zerfressene, abbröckelnde Felswände und eine Rheinschleife, durch die unten ein Zügli fuhr.
Stau in Laax und eine Landeskrone
Der Plan, die Straße durch Laax runterzufahren, scheiterte am massiven Stau in die Stadt hinein. Wir blieben stattdessen auf dem ursprünglich geplanten Weg, was eigentlich die einzig richtige Entscheidung war. Auf gutem Belag rollten wir mit ordentlichem Tempo runter. Unten mussten wir abermals noch einen Anstieg überwinden – na sagen wir: ca. eine Landeskrone.
In Ilanz war am Montagabend nicht viel los: Küche zu, Pech gehabt! Dann eben Pizzeria.
Etappe 4: von Ilanz nach Disentis
Daten: 67,9 km 11,8 km/h 5:46:05 h 65,3 km/h 2.650 hm
Das Hotel und das Frühstück waren diesmal echt super. Das Wetter am nächsten Morgen hingegen weniger. Aber die Wetterfee behielt recht – pünktlich beim Start war alles trocken und wir konnten uns die Regensachen sparen. Die morgendliche Passstraße war schön, gerahmt von Holzhäusern und tief hängenden Wolken. Streckenweise ging es ordentlich steil hinauf, am Ende auch etwas auf Schotter. Teilweise steckten wir in dickem Nebel, nur um im nächsten Augenblick einen komplett freien Blick ins Tal zu haben. Das war schon echt besonders.
Unten im Tal, mittlerweile knallte die Sonne ganz ordentlich auf uns herab, pausierten wir, bei miesem Kaffee, aber leckerem Gebäck, kurz. Dann ging es, na klar, wieder bergan. Wir zogen auf einer Straße hoch, mit einer kurzen Wiesenpassage und Schotter zum Abschluss des Anstiegs. Oben war wieder alles zugezogen, die Wolken zogen ständig durch wie von einem unsichtbaren Ventilator geschoben und es war recht frischlich. Je tiefer wir aber bei der folgenden Schotterabfahrt ins Tal kamen, umso wärmer wurde uns.
So richtig ins Schwitzen kamen wir beim letzten Anstieg des Tages hinauf zu einem kleinen Kirchlein und bei der Auffahrt zum Kloster von Disentis. Hier lauschten wir eine Weile den choralen Klängen.
Schrauber-Session mit Überraschung
Im Ort holte ich ein paar „abendliche Getränke“ um dann mit höchster fachlicher Kompetenz den Arbeiten an Sepps Hinterrad beizuwohnen. Fazit: Das Schaltauge war im Eimer. Na bloß gut, dass wir noch ein passendes mit hatten. Und so stellten wir unglaublich professionell die Schaltung neu ein. Nebenbei fiel bei der Gelegenheit auch noch auf, dass der Akku nur noch bei rund 25 Prozent lag. Na, den kann man wenigstens einfach aufladen – auch mit wenig Expertise.
Etappe 5: von Disentis nach Innertkirchen
Daten: 95,1 km 14,6 km/h 6:29:32 h 68,3 km/h 2.677 hm
Der Morgen zeigte sich in seiner ganzen Pracht. Ebenso die gigantische Fußgänger-Hängebrücke über den Rhein – das war schon ganz großes Kino. Dann folgte ein ganz ordentlicher Anstieg mit tollem Blick auf die langgestreckte Gebirgskette. Und garniert wurde das Ganze durch die Flugkünste eines Hubschrauberpilotens, welcher da in einer unglaublichen Akribie und Geschwindigkeit die Bäume aus dem Wald holte. Anschließend gab es eine fast schon frostige, da schattige, Abfahrt ins Tal nach Sedrun.
Auf der folgenden Straße stand mitten auf der Straße eine Herde Ziegen, begleitet von einem Hirten mit Hund, der lautstark hinter der Herde her war und immer wieder schrie. Die Tiere bewegten sich mehrfach hin und her, verschwanden und kamen wieder zurück, bis er sie schließlich endgültig hochtrieb. Dabei hielt er praktischerweise gleich den ganzen Autoverkehr von uns fern, sodass wir in aller Ruhe hochfahren konnten. Zwischenzeitlich halfen Stephan und Max einem verunglückten Motorradfahrer, der oben in einer Kurve lag, während die Autofahrer und Motorradkumpels, die sonst immer so schön grüßten, nun lieber um ihn rumzirkelten anstatt ihm zu helfen.
Wasserfall, Leuchtturm und Gummibärchen-Pause
Die Strecke bot nicht nur herumliegende Motorradfahrer, sondern auch tolle Blicke auf den mächtigen Wasserfall des Rheins, der sich beeindruckend den Berg hinabarbeitete. Oben am Oberalppass gab’s einen Bahnhof mit einem Leuchtturm, der tatsächlich funktionierte – ein kurioses Detail. Und passend zur Passankunft, traf auch eine schöne rote Bahn für ein Foto ein. Wir legten an dem schönen, hochgelegenen See noch eine kurze Gummibärchen-Pause ein.
Unser Weg führte uns nun nach Andermatt. Dazu fuhren wir erst am Ufer des Oberalpsee entlang und stürzten uns dann in die langgezogene und verschlungene Straßenabfahrt. Das sich die Bahnstrecke hier dabei gleichzeitig mit ins Tal schlängelt, ist schonmal ganz großes Kino und sieht einfach nur nach einer riesigen Eisenbahnplatte aus.
In Andermatt tätigten wir einen kurzen Einkauf und rasteten dann gemütlich am Ufer der Reuss. Wenig später genossen wir einen wahren Infrastruktur-Fasching bei der Teufelsbrücke an der Gotthardstraße. Hier schlängelt, kreuzt und verwindet sich scheinbar alles miteinander – Straße, Fluss, Bahn und Fußgängerwege. Unglaublich und nicht beschreibbar – das muss man selbst einmal in Ruhe sich anschauen.
Der Sustenpass, der sich ewig zieht – inklusive Umleitung
In Wassen trennten sich die Wege unserer Gruppe: zwei fuhren die original geplante Route, zwei direkt die Straße. Sehr steil zog uns ein Schottersträßchen die ersten Kilometer hinauf und wir hatten tüchtig zu tun, wobei es schön ruhig war. Doch dann blockierte uns eine Baustelle die Weiterfahrt. Die netten Herren ließen auch nicht mit sich reden, sodass ein flinkes Durchhuschen ausgeschlossen war und wir den Rückzug antreten mussten. Ein Umweg über eine Schlucht, vorbei an einer Mariengrotte, mit steilem Zickzack-Anstieg war die etwas unangenehme Folge, wobei es letztlich nur halb so schlimm war.
Oben auf der Straße zog sich der Pass gefühlt endlos, kein Ende war in Sicht. Den Plan, die alte Sustenstraße zu nutzen, legten wir aufgrund der mittlerweile fortgeschrittenen Zeit beiseite und fuhren die gleichmäßig ansteigende Fahrstraße in Ruhe hinauf. Im oberen Abschnitt gab es zum Glück noch eine kleine Einkehrmöglichkeit für Wasser und Cola. Die Aussicht hier oben war der Hammer. Die Abfahrt danach war dafür richtig rasant – Vollgas, Hirn aus, einfach durchziehen. Wobei wir für die tollen Gletscherblicke natürlich hin und wieder anhielten, um sie fotografisch festzuhalten.
Ganz unten gab’s als kleines i-Tüpfelchen noch mal zum Abschluss des Tages einen kleinen Trailabschnitt – sehr fein. Das Quartier war ganz gemütlich, aber die in der Nacht vor dem Fenster quatschenden Gäste und der Sturm ließen leider keinen ordentlichen Schlaf zu.
Etappe 6: von Innertkirchen nach Leissigen
Daten: 77,9 km 13,0 km/h 5:59:48 h 55,1 km/h 2.529 hm
Orte: Innertkirchen – Große Scheidegg – Grindelwald – Kleine Scheidegg – Wengen – Lauterbrunnen – Interlaken – Leissigen
Sägewerk, Gletscherblick und das übervolle Grindelwald
Wir starteten auf einer ruhigen Nebenstraße in den Tag, mit gelegentlichem Postbus und Posthornmelodie. Und so ging es recht zügig hinauf. Am Weg lag noch bei der Schwarzbachalp ein historisches Sägewerk, welches wir kurz besuchten. Die ersten imposanten Blicke auf den Schwarzbachgletscher überwältigten uns dann schon fast. Diese mächtige Felswand des Wetterhorns prägte nun die ganze Auffahrt zur Großen Scheidegg.
In die Abfahrt konnte ich nur mit Verzögerung einsteigen, da eine Kuh auf Konfrontationskurs war. Beide waren wir recht stur, ich gab aber doch nach… Und so ging es dann Ruckzuck hinab nach Grindelwald. Puh, war das hier wieder mal voll – der ganze Ort war völlig überlaufen. Die Spaghetti-Pause dort ging trotzdem erfreulich schnell, kaum saßen wir, kam das Essen schon.
Der Baum mit Blick auf die Eiger-Nordwand
Nun stand der zweite Anstieg des Tages auf dem Programm. Aus Grindelwald ging es auf einem knackigen, aber trotzdem gut fahrbaren Anstieg hinaus. Ziel war diesmal die Kleine Scheidegg. Durch die Spaghetti waren wir gut bei Kräften und zogen den größten Teil der Strecke in einem Rutsch durch. Nachdem wir die Baumgrenze passiert hatten, machten wir Pause unter einem einzelnen, markanten Baum mit direktem Blick auf die Eiger-Nordwand.
Das war hier eigentlich der landschaftliche Höhepunkt der ganzen Tour. Gesellschaft leisteten uns nur drei Wanderer, die sich offenbar verliefen, aber lieber weder fragen noch grüßen wollten. Wir genossen den Augenblick nach Strich und Faden, beobachteten die Züge auf ihren Wegen nach oben oder unten und tranken den mitgeschleppten kalten Kaffee.
Bobbahn-Feeling nach Lauterbrunnen
Am Ende wurde der Anstieg zur Kleinen Scheidegg noch mal brutal steil, sodass bei dem losen Untergrund kein Vorwärtskommen mit den Gravelbikes war. Also schoben wir die paar Meter und wurden vom nächsten Highlight erschlagen, denn hier warteten die Klassiker Jungfrau, Eiger, Mönch – alles sauber aufgereiht und mit Gletschern verziert. Also nochmals pausieren und genießen, diesmal allerdings mit einem Radler in der Hand.
Die folgende Schotterabfahrt war zunächst grob, wurde aber zunehmend besser fahrbar, wenn auch oft unterbrochen durch ausgiebige Fotostopps. Zum Schluss kam ein steiler, verschlungener Weg hinunter in den Ort Lauterbrunnen – das war wie Bobbahnfahren.
Über einen Weg immer am Fluss entlang erreichten wir bald Interlaken, wo uns Gleitschirmflieger mit Bergpanorama im Hintergrund empfingen. Interlaken selbst war architektonisch schön, aber stark überlaufen – man nimmt es, wie es ist. Bis Leissigen war es dann nur noch einen Katzensprung. Abends gab’s noch eine Pizza mit einem spontanen Feuerwerk von den nahen Gleisbauarbeiten.
Etappe 7: von Leissigen nach Zweisimmen
Daten: 63,9 km 13,3 km/h 4:48:56 h 63,4 km/h 1.889 hm
Orte: Leissigen – Frutigen – Adelboden – Hahnenmoospass – Lenk im Simmental – Sankt Stephan – Zweisimmen
Wegen eines angesagten Gewitters planten wir die Route etwas um, zwei Anstiege/Umwege flogen komplett raus, sodass wir ca. 600 Höhenmeter einsparten. Das sollte Reserve genug sein – hofften wir zumindest. Die Poren durften beim Start gleich wieder voll aufdrehen, denn die ersten 300 Höhenmeter gingen gleich mal ordentlich los. Dann beruhigte sich der Weg kurz, nur um dann völlig zu eskalieren.
Ein paar sacksteile Passagen zwangen uns gar zum Schieben. Da kam ein kurzes Päuschen in Adelboden gerade recht, auch für einen ausführlichen Wetter-Check, dann ging’s weiter.
Als es zu grummeln und blitzen begann, waren wir glücklicherweise genau bei einer Hütte, sodass wir uns schnell unterstellten. Das war keine schlechte Entscheidung, denn mit einem Mal hagelte und stürmte es gewaltig. Mittendrin kam noch der Mann des Hauses mit dem Jeep vorgefahren – mit Pfeife im Mund. Ein Sturm fegte urplötzlich durch die Scheune – das war echt krass. Was waren wir froh, dass wir ein Dach über den Kopf hatten. Nach rund 15 bis 20 Minuten war der Spuk zum Glück vorbei.
Nebel, Sonne und ein letztes Feuerwerk
So schnell wie das Unwetter kam, so schnell kam die Sonne wieder zurück. Die Wolken verzogen sich fast im Zeitraffer, und oben zeigten sich noch mal schöne Gletscherblicke. Oben auf dem Hahnenmoospass angekommen, zog dichter Nebel auf, sodass von der Aussicht überhaupt nichts mehr zu sehen war – trotzdem machte die Abfahrt Spaß, mit ein paar Streckenabkürzungen zwischendurch. Über einen Flugplatz bei Sankt Stephan ging’s zum Etappenziel. Kaum eingecheckt, ging pünktlich das nächste Gewitter los. Damit hatten wir also ein glückliches Händchen mit der Routenkürzung bewiesen. Und ein bisschen nachmittagliches Abhängen sei auch mal gestattet.
Etappe 8: von Zweisimmen nach Bern
Daten: 94,6 km 15,2 km/h 6:12:48 h 67,4 km/h 2.207 hm
Nun war die letzte Etappe bereits ran. Diese sollte uns ursprünglich weiter nach Westen bis nach Montreux am Genfer See bringen. Da die Bahnfahrt von dort zurück zum Auto doch deutlich länger ausgefallen wäre, hatten wir uns zu einem Drift nach Norden, mit dem Ziel Bern, entschieden. Und wie sich sich zeigte, war das eine erstklassige Entscheidung.
Wie üblich begann der Tag mit einem Anstieg. Klärchen zeigte sich wieder, und alle Regenwolken waren vertrieben. Die Straße ging gemütlich bergan und nur auf dem letzten Stück wurde es auf Wiese und Schotter etwas ungemütlicher. Dann waren wir bereits auf dem Jaunpass angelangt. Das Panorama war mal wieder großes Kino und die Abfahrt ging zackig vorbei.
Im hübschen Örtchen Jaun wurden wir dann Zeugen des Almabtriebs, wobei die Rinder wieder ordentlich rausgeputzt waren – sehr schön. Nun ab auf die Straße zur Ritzlialp. Anfänglich war die Straße perfekt im Anstieg, kurz vor der Ritzlialp zog der Weg aber massiv an, sodass diese Steigung von uns nur mit Ach und Krach überwunden wurde. Ein leckeres (zeitiges) Mittagessen war dann nicht genug der Belohnung, denn gleichzeitig wurde uns ein herrlicher Ausblick von der Terrasse serviert. So konnte mir das gefallen…
Überfahrt ins Aaretal und Bern
Nach dem Essen hieß es nochmals kurz in die Pedalen zu treten, um über den Pass zu kommen. Dann folgte eine sehr lange Schotterabfahrt hinab zum idyllischen Schwarzsee. Hier gab es ein feines Belohnungs-Softeis und wir genossen mal wieder die Natur. Dann war aber Schluss mit dem Rumgetrödel und wir zogen nun in einem ständigen Auf und Ab über kleine Straßen bis hinüber ins Aaretal. Dabei kamen im Hintergrund noch einmal die großen prächtigen Berge und Gletscher der letzten Tage heraus. Und auch der Thuner See ließ sich nicht lumpen und zeigte sich. Das ist für den Abschied aus den Bergen natürlich richtig klasse.
An der Aare kühlten wir uns etwas ab und hielten die Beinchen ins kalte Wasser. Dabei genossen wir das Leben im Fluss – denn zahlreiche Menschen trieben da in ihren Booten oder schwammen da in der Aare. Da war schon mächtig Leben, ohne das es zu viel wurde. Dann folgten wir erst der Aare, dann kamen wir am Flughafen von Bern vorbei und schon standen wir mitten in der Stadt. Bern ist richtig niedlich und wir schwoften am Abend noch schön durch die Altstadt und genossen die Gastfreundschaft und Gemütlichkeit.
Fazit der Gravelbike-Transalp quer durch die Schweiz
Der Schweiz-Gravel war eine richtig schöne und aussichtsreiche „Transalp“. Die Anstiege waren nahezu alle komplett fahrbar, wobei uns der ein oder andere Pass zu autoreich war. Dafür hatten wir gigantische Ausblicke auf die Schweizer Berg- und Gletscherwelt. Die Quartiere waren eher durchwachsen und die Kosten waren nicht ohne. Aber ich fand es einfach traumhaft und es war die richtige Tour für unsere kleine Truppe gewesen, die richtig gut miteinander harmonierte. Auch für diese Tour spreche ich von Herzen gern das Prädikat: Unbeding nachfahren! 🙂
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