Es sollte eigentlich eine gemütliche Frühlingstour entlang des Alpennordrands werden, welche sich stark an den Maximiliansweg anlehnt. Aber leider hatte sich diesmal das Material gegen uns entschieden. Immerhin konnten wir fast zwei Tage die Reize der Alpen auf uns wirken lassen und die restliche Zeit des Urlaubs verbrachten wir dann halt in der Heimat. Aber wir kamen ein Jahr später zurück. Durch Karwendel, Wettersteingebirge, Chiemgauer Alpen … ging es bei mittelgebirgischen Charakter und auf tollen und fast immer fahrbaren Pisten.
Länge: 523,96 km
Höhe: 13.060 hm
Etappen: 8
Etappe 1
Daten:
61,77 km 11,6 km/h 5:12:38 h 69,6 km/h 1846 hmOrte:
Lindau (401) – Schloß Hofen – Eichenberg – Pfänder (1064) – Langen – Eschau – Sulzberg (1013) – Hasen (578) – Aach – Hochlitten – Schindelberg (900)
Startort war in diesem Jahr Lindau am Bodensee. Nachdem wir unser Leihauto hier abgegeben hatten ging es ganz gemütlich entlang des verschlafenen Bodensees bis nach Lochau. Leider war es dabei sehr diesig, so dass man in der Ferne am Horizont kaum das Wasser vom Himmel unterscheiden konnte und so der erwartete Traumblick auf den See ein Traum blieb. Nach dem weniger spektakulärem Schloß Hofen wählten wir die Straße als Aufstieg nach Eisenberg – wir wollten es, trotz des ganz guten Trainingsstandes aus den warmen Wintermonaten, lieber ruhig angehen. Weiter oben sind wir dann auf den Käselehrpfad abgebogen bis wir den Pfänder erreichten. Die Aussicht hatte sich zum Einen nicht wirklich verbessert, zum anderen müßte man da oben eigentlich mal so richtig die Axt, die Säge oder die Kurbel schwingen… Nach einer kurzen Abfahrt bis Hub ging es ab auf einen Wanderweg. Nur anders als erwartet ging dieser nicht schön schnell hinab, sondern wir mußten im Gegenteil noch einige Höhenmeter bergauf strampeln. Wir dachten zwischendurch sogar das wir da uns irgendwie verhauen hatten, aber dem war nicht so und wir durften nur wenig später ins Tal hinab rauschen. Als wir später in Langen beim Mittag saßen und ein wenig in der Karte herumschnüffelten erblickten wir eine eingezeichnete MTB-Strecke von Sulzenberg hinab – wunderbar, also schnell umgedacht und dort hinauf gezogen. Bei dem Aufstieg öffneten sich alle unsere Poren auf ihr Maximum – und das im April – huiuiui – und wir dachten es könnte kalt werden! Es folgte nun der verzeichnete Downhill nach Hasen. Selbiger kann nur von ganz erfahrenen, unerschrockenen und trittsicheren Bikern in Angriff genommen werden. Auf einer riesig breiten Asphaltpiste fährt man einfach nur runter – was ein Reinfall. Und wegen dem Weg sind wir extra da hoch, na klasse. Nach der folgenden Auffahrt nach Riefensberg bekamen wir von Einheimischen den Geheimtipp gleich noch nach Hochlitten weiter hinauf zu fahren, denn da oben ist mit Sicherheit der Gasthof auf. Also traten wir bei dem sehr steilen Straßenabschnitt noch mal kräftig in die Pedalen. Belohnt wurden wir mit fragenden Gesichtern – so zeitig habe hier oben natürlich noch niemand auf, wir sollen es doch mal drüben im Deutschen versuchen. Also kurze überfahrt zum Berggasthof Dreiländerblick. Hier erwartete uns eine ganz nette Wirtin. Eine Nacht nur übernachten … die ganze Arbeit … wer soll das machen? … das geht absolut überhaupt nicht! Man kann/muss ein Nein schon akzeptieren, aber die Musik macht den Ton. Wir werden dort mit Sicherheit kein zweites mal anklopfen, auch wenn ich noch so einen Hunger habe. Am Ende bekamen wir nach einer weiteren Abfahrt und vielen Stops an Pensionen und Ferienhäusern kurz vor Steibis bei einer netten Familie im Stoehrhof gar eine Ferienwohnung. Ich glaub wir taten denen schon ein wenig leid nach den bisherigen Misserfolgen. Wer mal Urlaub (auf dem Bauernhof) (mit Familie) in der Gegend machen will kann sich hier super einquartieren.


Etappe 2
Daten:
43,83 km 9,2 km/h 4:43:12 h 61,3 km/h 1380 hmOrte:
Schindelberg (900) – Hochlitten – Steinernes Tor – Kojen (1300) – Hochhäderich (1566) – Hittisau (830) – Lechner See (1027) – Scheidewanger Alpe (1317) – Gunzensried – Bihlerdorf/Sonthofen (730)
Der Tag begann mit den 200 Höhenmetern, welche wir am Abend zuvor noch hinab fahren mußten. Die Auffahrt hinauf zum steinernen Tor war sehr angenehm. Die Sonnenstrahlen waren noch nicht so aggresiv und so ging es locker voran. Auf den letzten Metern muss man dann zwar noch ein paar Meter schieben, genau wie auf dem Pfad hinüber zum Kojen, aber das machte uns nicht wirklich was aus. Vom Kojen hat man einen tollen Blick zurück auf die Strecke des Vortages. Mit dem Bodensee und dem Pfänder auf der einen Seite und den hohen noch verschneiten Bergen auf der anderen Seite befindet man sich in einer herrlichen Idylle. Die weitere Auffahrt zum Hochhäderich war noch vor wenigen Wochen komplett zum skifoarn freigegeben und nun konnten wir bereits den steilen Weg komplett schneefrei hinaufradeln. Den letzten kleinen Abstecher zum Gipfel legten wir dann noch per pedes zurück. Bei der folgenden Abfahrt hatten wir ein glückliches Händchen. Auf technisch sehr schwierigen Gelände ging es mit viel Freude hinab bis Hittisau. Weil uns mit Sicherheit auf dem weiteren Weg nur geschlossene Hütten erwarten würden fuhren wir noch ein paar Meter zurück in den Ort hinab um noch etwas zum Mittag zu verputzen. Danach waren die Beine allerdings zu nichts mehr zu gebrauchen. Es ist schon krass wie sehr so eine kleine Rast sich auf die Beine schlagen kann. So quälten wir uns förmlich den doch recht anspruchslosen Weg durch das Tal hinauf. Landschaftlich war aber zum Glück alles top. Kurz vor dem Erreichen der Scheidewanger Alpe lärmte auf einmal Sepps hintere Scheibe aufs übelste. Also kurz das Fahrrad auf den Kopf gestellt – Hinterrad gedreht – alles spielfrei – komisch. Kaum auf dem Rad fing das Gelärme wieder an. So fuhren wir unter extremer Lärmbelästigung hinauf und nach nur wenigen Metern auf der Abfahrt kam von hinten ein durchdringendes STOP gebrüllt. Das Undenkbare war geschehen: Rahmenbruch! Eine Strebe der hinteren Schwinge war sauber durchgebrochen. Tja, so ging es dann also zu Fuß Richtung Tal. Wir ernteten von anderen Bikern jede Menge Mitleid und wahrscheinlich auch Neid das sie sowas nicht mal hinbekommen. Ein nettes Pärchen erbarmte sich nach bereits längerem Abstieg unser und lud das Rad samt Piloten mit in ihr Auto und brachte beide hinab nach Bihlerdorf bei Sonthofen. Hier versuchten wir am nächsten Tag noch verzweifelt ein Leihrad zu ergattern um die Tour noch zu retten, aber da waren wir irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort. Es half alles nichts, wir brachen ab und machten uns auf dem Heimweg um dann eben in der Heimat eine Spontanrunde zu drehen. Aber eines ist sicher: die Tour wird zu Ende gebracht!


Etappe 3
Daten:
48,46 km 13,3 km/h 3:21:27 h 37,3 km/h 763 hmOrte:
Kempten (680) – Sonthofen (743) – Burg Sonthofen – Margarethen – Imberg – Straußberghütte – Zwölferkopf (1350) – Bad Oberdorf (790)
15:00 Uhr Ortszeit ging es an den Start die letztjährig abgebrochene Tour zu beenden. An der AVIS-Station in Kempten montierten wir unsere Räder zusammen (die neue Schwinge war natürlich bereits erprobt) und schon bald ging es auf einem feinen Trail entlang der Iller Richtung Berge. Später wurde der Weg immer breiter und breiter und alsbald waren die 30 Kilometer bis Sonthofen zurückgelegt. Hier war ja das frühzeitige Ende unserer letzten Tour gewesen. Nach einer kurzen Mahlzeit in der verschlafenen Innenstadt entschieden wir uns noch Richtung Imberger Horn zu radeln. Der Anstieg war fahrbar, aber die Luft war dermaßen unangenehm schwül, dass unsere Poren spontan alle Schleusen öffneten und alles raus ließen was nur irgendwie durch passte. Hinter der Hornalpe fassten wir uns ein Herz und wagten uns auf die schwarze Freeridepiste des lokalen Bikeparks. Die Strecke hinterließ mächtig Eindruck bei uns – jetzt wissen wir erstmal was die Mädels und Jungs bergab da leisten. Wer traut sich freiwillig diese Monsterrampen runter zu hüpfen??? Weiter unten wechselten wir dann auf die gelbe Strecke – was ein Flop – ein ekelhafter loser Schotterweg machte einen zum absoluten Weichei. Nach viel geeier kamen wir dann natürlich doch unten heile an. In Bad Oberdorf erreichten wir das Ziel des Tages und wir schafften gerade noch vor Küchenschluss unsere Bestellung aufzugeben.


Etappe 4
Daten:
79,15 km 13,0 km/h 6:04:07 h 67,9 km/h 1724 hmOrte:
Bad Oberdorf (820) – Oberjoch (1136) – Rehbach – Pfronten (850) – Ruine Falkenstein (1268) – Weißensee (815) – Alatsee – Lechfall (802) – Schwansee – Alpsee (814) – Marienbrücke – Alpe Jägerhütte (1431) – Plansee – Bei den drei Wassern – Grainau (790)
Nach einem lockerflockigen Frühstück starteten wir den Tag der Seen bei angenehmen 19°C. Und doch stand uns das Wasser alsbald in einem 4mm-Film auf der Haut. So schlimm war die Auffahrt zum Oberjoch eigentlich gar nicht, aber treten muss man halt trotzdem. Und treten und zappeln war auch eine gute Bremsenabwehrbewegung – die Mistviecher waren den ganzen Urlaub eine wahre Plage. Geniale Sprüche seitens der Waldgeher an die Bergradlerfraktion ist man ja gewohnt, aber diesmal war die absolute Kreativität Maxime: “Kuck mal, da dreht sich sogar das Hinterrad!” Was bitteschön wollte der nette ältere Herr damit nur ausdrücken? Um nicht durch Gedankenschleifen in ein Paralleluniversum abzudriften, dachten wir besser nicht lange nach und ich tue es an dieser Stelle nun auch nicht mehr… Hinter Rehbach kam eine kurze, aber sehr feine Abfahrtsstrecke welche aber gleich wieder zu einer langweiligen Asphaltpiste mutierte. Das lange Tal entlang der Vils war überflutet mit entgegen kommenden Radlern. In Pfronten, zwischen Alpenbad und Mautstraße, mussten wir zwingend anhalten. Eine Blaskapelle hatte zum sonntäglichen Spiel eingeladen. Und da der Mittag nicht mehr gar zu weit entfernt war, ließen wir uns auf ein Radler und ‘ne Bratwurst überreden. Die Truppe spielte echt gut auf (vor allem Dank des Ganzkörpereinsatzes des Dirigenten) und so mussten wir uns regelrecht zwingen wieder aufzubrechen. Und wie nicht anders zu erwarten waren in der Zwischenzeit die Beine ordentlich festgegangen. Selbige wurden aber gebraucht, denn der Anstieg hinauf zur Ruine Falkenstein war nicht von schlechten Eltern. Oben besichtigten wir noch die etwas abgelegene Mariengrotte, in der eine Mutter-Gottes-Figur in einem riesigen Felsspalt gemauert war, sowie die Ruine auf dem Gipfel. Die Aussicht war richtig klasse – sowohl nach Norden auf die ganzen Seen als auch nach Süden mit den mächtigen Bergen. Auf der Abfahrt spürte ich endlich wieder den Komfort einer Federgabel. Kurz vorher hatte ich nämlich bemerkt dass das Lockout die ganze Zeit eingeschaltet war – entweder das waren die Jungs im Radladen gewesen oder aber es ist beim Transport reingesprungen. Und so war ich eine schwarze Piste runter gefahren. Kein Wunder das ich mich so extrem doof angestellt hatte. Zurück zur Abfahrt vom Falkenstein. Im unteren Bereich grenzte die Wegführung schon gewaltig an Schikane – ca. 80 Weidegatter mussten überwunden werden – wir waren entsetzt 🙂 Was nun folgte war ein traumhafter See nach dem anderen und ein jeder war herrlicher als der vorherige. In jeden wäre ich am liebsten reingehüpft. Am letzten, den Alpsee, ging es aber zu wie bei Hupatz. Tausende Japaner und Millionen an Touris übervölkerten das Gebiet. Wir versuchten uns aus dem Staub zu machen, aber das war echt schwer denn der Weg hinauf zur Marienbrücke zog brutal an. Er war aber glücklicherweise gerade noch fahrbar. Auf dem Wanderweg hatte man auch gleich wieder das Gefühl allein zu sein, was sich aber schlagartig an der oberen Busstation direkt an der Brücke änderte. Hier drängten sich wieder Massen um einen Blick auf Schloss Neuschwanstein werfen zu können bzw. ums zu knipsen. Der Haufen ging uns mächtig auf den Sack und so sputeten wir uns die Gegend Richtung Blechenau zu verlassen. Und siehe da, dort wo man laufen oder gar wandern müsste, waren wir wieder komplett allein. Die Auffahrt hinauf zur Jägeralpe war fast durchweg fahrbar und wir gönnten uns was angenehm frisches, bevor wir auf einen absolut genialen Trail hinab zum Ammerwald aufmachten. Der Weg war kniffelig und schwer fahrbar – ein wahres Bikevergnügen! Ich war begeistert. Der Plansee zeigte sich bei abendlichem Sonnenschein von seiner besten Seite und wir wären eigentlich gern hier schon abgestiegen, aber wir wollten noch ein paar Meter machen. Und so flogen wir regelrecht entlang der Mailach hinunter nach Griesen. Nach einem kurzen Zwischenanstieg erreichten wir Grainau und fanden gleich bei unserer ersten Anfrage ein richtig tolles Quartier. Den rundum gelungenen Tag ließen wir in der örtlichen Pizzeria gemütlich ausklingen.


Etappe 5
Daten:
69,56 km 11,4 km/h 6:04:54 h 64,4 km/h 1992 hmOrte:
Grainau (790) – Partnachklamm – Elmau (1008) – Schachenhaus (1866) – Ferchensee – Mittenwald (911) – Am Seinsbach – Vereinalm / Krinner Kofler Hütte (1406) – Furt (1126) – Jagdhütte (1263) – Hinterriß (928)
Diese Etappe als Sepps Gastkommentar:
Nachdem wir schon am gestrigen Abend die Route 10tausendmal hin und her diskutiert hatten, setzten wir die Diskussionsrunde bei Kaffee + Kakao, sprich dem Frühstück fort. Hinzu holten wir die Wettereinschätzung (“Es wird Regen geben”) sowie Gebietskenntnisse unseres Gastgebers und entschieden uns kameradschaftlich – es war also eine gütliche Einigung im gegenseitigen Einvernehmen – gleich das Schachenhaus hinauf zu würgen und dafür das Reintal auszulassen. Also zunächst nach Garmisch Partenkirchen zu den Schanzen, um dann am Tore zur Partnachklamm mit all unserem Charme den einheimischen Kriegsminister alias Kassierer um Einlass zu bitten. Es gelang. Es lohnte sich. Es wurde für gut befunden. Es kann empfohlen werden. Nach Elmau dann so lala. Am Parkplatz mussten wir beinahe fluchtartig und auf Befehl einer “charmanten” älteren Dame unsere Position vor der Wanderkarte der Durchführung des durch die am Steuer des Golf befindlichen älteren Dame II, opfern. So geschockt begannen wir den eigentlichen Anstieg zum Schachenhaus. Die Piste geht hier ordentlich hoch, so dass die Höhenmeter nur so purzelten. Dafür ist der Rest ehern unspektakulär. Die Wettersteinalm war der Auftakt zu einer ab jetzt sehr gerölligen Piste. Weiter oben wird es dann mal etwas flacher und die Piste zieht am imposanten Bergmassiv zur Schachenhütte und diesem völlig fehl am Platze anmutenden Königshaus hinauf. Wir lassen es uns bei einer Portion Nudeln gut gehen. Eine Tasse Kakao wärmt uns vor der Abfahrt, bevor es die mühevoll erklommenen Meter hinab geht. Erwähnenswert ist vielleicht noch die nette ältere Touristin, die bei vermuteter Abkürzung zum Königshaus plötzlich vor einem 1m-Absatz stand und sich nicht davon abbringen lies, sich von uns hochziehen zu lassen. Nur gut das wir mal Zivis waren und mit derartigen Gefahrensituationen umzugehen wissen. Zurück zum Weg, beim Abzweig Richtung Mittenwald warten noch ein paar Höhenmeter hoch bevor wir im Tiefflug bis Mittenwald fuhren. Dort hatte uns der erste nennenswerte Schauer eingeholt, wobei wir nach 15 Minuten weiter konnten. Gut gestärkt ging es über die Straße bis “Am Seinsbach” und ab da recht steil + von Bremsen gejagt bis zur Krinner Kofler Hütte. Da keine Suite sondern nur Lager mit dem gemeinen Volk möglich wäre fuhren/flogen wir weiter Richtung Hinterriß. Bei der Furt wartete noch eine dramatische Flussquerung, welche wir aufgrund unserer alpinen Erfahrung aber zu meistern wussten. Auf dem recht leichten Anstieg zur Jägerhütte verließen mich meine Energiereserven, aber es war ja nicht mehr weit und irgendwann müssen auch mal die Bauchspeckreserven leiden. Die Abfahrt verging dank jeglicher Ausblendung von Gefahren bei hohen Geschwindigkeiten auf Schotter wie im Flug. In Hinterriß im Gasthof ergatterten wir gerade noch ein Zimmer. Aufgrund der guten Küche hier werden die Bauchspeckreserven gleich mal verdoppelt! Gute Nacht!


Etappe 6
Daten:
83,25 km 12,5 km/h 6:37:34 h 52,8 km/h 1723 hmOrte:
Hinterriß (928) – Vorderriß – Galgenwurfsattel (1055) – Walchensee (802) – Langenecksattel (1168) – Lenggries (688) – Hirschtalsattel (1224) – Stinkergraben – Schwarzentennalm (1027) – Kreuth (772)
Der Wecker klingelte, Ausschalten, ich hörte ein doofes Geräusch, ich schlug die Augen auf, es stimmte: Es regnete Bindfäden. Nur ganz widerwillig pellten wir uns in unsere Regenklamotten und ab ging es Richtung Vorderriß. Schön wie einem der ganze Straßendreck ins Gesicht flog. Beim Auffahren zum Galgenwurfsattel quoll uns dann auch fast das ganze Wasser von innen aus den Klamotten. Auch wenn es für ‘nen Sommer recht kühl war, so reichte die Rampe aus. In Niedernach trockneten wir uns etwas ab und zogen das Mittagessen etwas vor. Hinter Jachenau, es schien zwischendurch gar die Sonne, flogen wir das Reichenaubachtal hinab – hier konnte man es mal richtig gleiten lassen. Die Gelassenheit verging uns aber bei der Auffahrt zum Langenecksattel gewaltig. Hier war die Piste richtig brutal steil. Rein theoretisch hätte man alles fahren können, aber wir hatten ja Gepäck bei und noch ein paar Tage vor uns. Kurz vor dem Sattel fing es glücklicherweise wieder an zu regnen – was ein Grauen. Hinüber zur Rautalm wurde es auf den glitschigen Wurzel und Steinen sowie dem Regen etwas schwierig, so dass man ab und zu schon mal in die Pampa abzurutschen drohte. Die lange Abfahrt nach Lenggries passierte, außer das einem Regen permanent ins Gesicht flog, nichts. In Lenggries aßen wir bei einem Eiscafe (es sah italienisch angehaucht aus) eine uralte, lapprige Pizzaecke, welchen jeden 4-Sterne-Koch verzückt hätte. Trotzdem, oder gerade deshalb, brachte sie genügend Energie mit um uns recht problemlos zum Hirschtalsattel zu leiten. Für die Beschreibung des nächsten Wegabschnittes durch den Stinkergraben, fehlen mir eigentlich die Worte. Tiefster Modder und Schlamm ließ ein Laufen nicht zu – fahren war aber auch nahezu unmöglich, sodass wir beides versuchten und anschließend wie die Schweine aussahen. Zum Glück hatte sich hier keiner von uns an der Stelle gelegt – das wäre eine Moorpackung vom Feinsten geworden. Im Ernst, so etwas hatten wir in all den Jahren noch nicht! Die restlichen Meter nach Kreuth gingen, trotz eines kapitalen Verfahrers, recht problemlos und schnell vonstatten. Zum Glück bekamen wir, obwohl unser äußeres absolut desolat wirken musste, ein Quartier. Zum Abendessen gönnten wir uns als kleinen Verdauer einen Enzian-Schnaps -> Reinfall!


Etappe 7
Daten:
73,17 km 12,3 km/h 5:55:36 h 62,3 km/h 1670 hmOrte:
Kreuth (772) – Bayralm – Erzherzog Johann Klause (814) – Valepp (900) – Elendsattel (1143) – Bayrischzell (795) – Berghotel Sudelfeld (1109) – Oberarzmossalm – Brannenburg (473) – Duftbräu (800)
Auf der letzten Etappe wurden wir erfolgreich vor Regen gewarnt – heute sollte uns die Hitze erwarten. Locker flockige 32°C sollten heute werden. So überquerten wir noch bei recht angenehmen Temperaturen den ersten Sattel und begannen alsbald hinter der Erzherzog Johann Klause (was ein Name) den zweiten. Hier führte uns die Kompasskarte etwas an der Nase herum. Die eigentlich erwarteten 950m entpuppten sich als nahezu 1100m und dann auch noch wellenförmig aufgebaut. Im Forsthaus Valepp ruhten wir uns im Schatten von den ersten 600hm etwas aus und gönnten uns wieder einmal ein frühes Mittagessen. Als Rahmenprogramm wurde uns eine Episode von AutoMotorSport dargebracht – ein flüssiger Dreh sieht anders aus 🙂 Auf dem anschließenden Anstieg zum Elendsattel öffneten sich, wie kann es wohl anders sein, unsere Poren auf ihr ultimatives Maximum. Aber die Mühe hatte sich mehr als gelohnt. Man rauscht nun auf einem richtig tollen Trail durch das Kloo-Aschertal und saugt dabei die ganze Landschaft in sich auf. Am Zipfelwirt angekommen folgten wir einen parallel zur Straße und zum Flussh verlaufenden Weg hinunter nach Bayrischzell. Auch wenn die letzte Pause noch nicht gar zu lange her war, so lockte uns doch die Auslage eines kleinen Cafes bzw. einer Konditorei, zum Kuchen naschen. Wir konnten nicht anders und aßen ein bzw. zwei Stück herrlichsten Kuchen. Davon gestärkt versuchten wir uns an dem sehr steilen Anstieg zum Berghotel Sudelfeld. Der Sepp gab alles und fuhr fast alles durch. Meinereiner kämpfte an dieser Stelle an einer ganz anderen Front – man nennt sie: die fürchterliche Magen/Darm-Zone. Ich gewann mit Mühen die Oberhand, dafür habe ich aber fast alles schieben müssen. Nach wenigen Höhenmetern bei der Oberarzmoosalm ging es auf einer sehr ruppigen, steilen und steinigen Piste Richtung Bannenburg. Wir beäugten bei der Abfahrt neugierig die Zahnradbahn und flogen wenig später mit Karacho an ihr vorbei hinab ins Tal. Hier unten waren wir knapp vor dem Ersticken. Wir kamen mit letzter Kraft noch bis Nußdorf und pfiffen uns einen frischen Bananen-Split in uns hinein (grandiose Idee wenn man an die vorhin geschilderten Frontenkämpfe denkt). So gestärkt und bei deutlich tiefer stehender Sonne nahmen wir die letzten Meter auf Asphalt hinauf nach Duftbräu in Angriff. Die in der Karte eingetragene Pension entpuppte sich als 3-Sterne-Pension – teuer, aber recht nett. Sogar unsere Ekelsachen haben die freundlicherweise gewaschen.


Etappe 8
Daten:
64,77 km 10,0 km/h 6:24:56 h 52,2 km/h 1962 hmOrte:
Duftbräu (800) – Riesenhütte (1345) – Hohenaschau (615) – Maisalm (980) – Hefteralm – Marquartstein (545) – Jochbergalm (1266) – Ruhpolding (670)
Nach keiner gar zu tollen Nachtruhe starteten wir in den zweiten heißen Tag der Tour. Heute sollte es noch wärmer werden als am Vortag. Los ging es auch gleich mit einer schweißtreibenden Auffahrt Richtung Hochries. Im oberen Bereich kann der Blick ganz weit Richtung Norden in die Ebene mit Chiemsee und Co. schweifen. Es ist schon erstaunlich wie aus dem Nichts die Berge beginnen bzw. enden. Die Abfahrt nach Aschau machte mir, bedingt durch Bremsenprobleme (diesmal sind nicht die Viehcher gemeint), keinen sonderlichen Spaß. Der Weg ist recht geröllig, dafür aber nicht sonderlich steil. In Hohenaschau genehmigten wir uns am Fuße des Schlosses ein Mittagessen um dann zur Maisalm aufzubrechen. Diese Piste war echt der Hammer. Selbst auf dem guten Asphaltuntergrund kamen wir kaum fahrend bergauf. Der Schweiß floss in Strömen, die Sonne brannte, wir schafften es trotzdem. Es folgte eine kurze Abfahrt und schon hingen wir in dem nächsten Anstieg zur Maieralm. Die Mühen zahlten sich aus, denn die folgende Abfahrt über die Hefteralm nach Grassau, war einfach nur genial. Mit viel Flow gleitet man durch Kurven hinab ins Tal und hat dabei ein fettes Grinsen im Gesicht. Bis Marquartstein mussten wir einige Meter durch Maisfelder etc. rauschen, was angesichts der Hitze echt herb war. Da wir ja am Vortag so gute Erfahrungen mit einer Konditorei gesammelt hatten, fielen wir gleich beim Anblick einer selbigen sofort ein. Ganze zwei Stück gönnten wir uns und kühlten dabei etwas ab. Beim Getränkehändler um die Ecke munitionierten wir uns nochmal ordentlich auf. Der nächste Anstieg mit seinen 700hm sollte uns bei einer recht angenehmen Steigung zur Jochbergalm bringen. Wir plagten uns aber doch eine ganze Weile daran ab – es wurde später. Nach Rudolfing ging es dann allerdings Ratz-di-fatz, die Quartiersuche dagegen nicht. Die letzte Etappe zum Königssee ließen wir spontan Aufgrund akuter Schlechtwetterprognose ausfallen. Mit Sicherheit holen wir das aber noch nach. Eine Tour mit mittelgebirgischen Charakter, fast durchgehend fahrbar und landschaftlich sehr reizvollen Ausblicken lag nun hinter uns.


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